Coronakrise legt den Fußball in Lünen komplett lahm - Erste Trainer und Spieler reagieren

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Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen hat den Spielbetrieb im überkreislichen Fußball vorläufig stillgelegt - die heimischen Kreise sind dem Beispiel gefolgt. Wir haben erste Reaktionen.

von Patrick Schröer, Niklas Dvorak

Lünen

, 13.03.2020, 14:51 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Lippestadt muss vorerst ohne Amateurfußballspiele auskommen. Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) hat am Freitagvormittag beschlossen, dass der Spielbetrieb im Amateurfußball bis einschließlich zum 19. April eingestellt wird.

Dies betreffe die in der Zuständigkeit des FLVW liegenden Begegnungen der Männer-, Frauen- und Jugend-Spielklassen inklusive aller Futsal-Ligen (Kreisligen bis Oberliga Westfalen) sowie Aktivitäten der Jugend-Talentsichtung und -förderung. Maßnahmen der westfälischen Leichtathletik werden ebenfalls bis auf Weiteres abgesagt. Damit reagiere der Verband nach einer NRW-weiten Abstimmung mit den Fußballverbänden Mittelrhein (FVM) und Niederrhein (FVN) auf die aktuelle Entwicklung rund um den Coronavirus.

„Es ist uns bewusst, dass es eine drastische Maßnahme ist. Wir sahen aber im Sinne der Verantwortung für unsere Aktiven und Fans keine andere Möglichkeit“, wird FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski in der Pressemitteilung des FLVW zitiert.„Nur gemeinsam können wir die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen, dazu müssen auch der Fußball und die Leichtathletik beitragen. Wir hoffen im Sinne der Solidarität vor allem mit älteren und gesundheitlich vorbelasteten Menschen auf das Verständnis unserer Vereine.“

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Neben den angesetzten Partien des regulären Spielbetriebs sind auch alle Freundschafts- und Pokalspiele, Spielrunden und Turniere (sowohl in der Halle als auch auf dem Feld) von der Einstellung betroffen. Die Zielsetzung eines sportlichen Saisonabschlusses bleibt hiervon unberührt. Ein entsprechendes Konzept wird aktuell entwickelt.

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Auch die Fußballkreise aus Dortmund und Unna/Hamm sind dem Beispiel des FLVW gefolgt und haben alle Amateurfußballspiele bis auf Weiteres abgesetzt.

„Wenn sich der Verband dazu entscheidet, den Spielbetrieb ruhen zu lassen, werden wir das im Kreis auch tun. Da kann sich aktuell einfach niemand der Verantwortung entziehen. Natürlich sagt man, dass die Meisterschaft wichtig ist. Aber im Vergleich zu einem Menschenleben, was möglicherweise auf dem Spiel stehen könnte, ist das im Verhältnis dann natürlich unwichtig“, sagt Friedhelm Wittwer, stellvertretender Kreisvorsitzender Unna-Hamm auf Anfrage.

Bei den heimischen Lüner Klubs trifft die Entscheidung auf Zustimmung:

Dennis Gerleve, Trainer BV Lünen: „Das ist die einzig sinnvolle Maßnahme. Ich gehe davon aus, dass die Saison annulliert wird. Es sind jetzt noch zehn Spieltage. Bis Mitte April sind fünf Spieltage vergangen, an denen nicht gespielt wird. Die kann man nicht einfach hinten dranhängen. Ich glaube nicht, dass man das nachholen kann. Es wird mit Sicherheit auch in den nächsten Wochen nicht besser. Ich kann mir vorstellen, dass dann die Tabelle, so wie sie jetzt ist, genommen wird.“

Florian Fischer, Torwart Westfalia Wethmar: „Ich vertraue den Entscheidern. Am Ende des Tages zählt nicht der Sport, sondern die Gesundheit der Mitmenschen. Das ist unser wichtigstes Gut. Wir Sportler sehen uns bis dahin bestimmt öfter auf diversen Laufstrecken. Die Situation darf für keinen Verein zum Nachteil werden. Wenn man die Spiele nicht hinten dranhängen kann, sollten die Mannschaften auf den Aufstiegsrängen eine Liga höher gehen, die Teams in der Abstiegszone die Klasse halten. Dann muss es halt nächste Saison mehr Absteiger geben.“

Dennis Köse, Co-Trainer BV Brambauer: „Ich finde die Entscheidung komplett richtig. Die Vereine sollten zudem auch den Trainingsbetrieb einstellen. Wir sind alle täglich auf der Arbeit mit so vielen Menschen in Kontakt – da ist es auch verantwortungslos, zu trainieren. Die Lage ist schwer einzuschätzen, von daher ist es richtig, für vier Wochen alles ruhen und die Situation gegebenenfalls beruhigen zu lassen. Es ist nicht undenkbar, dass die Tabelle so bleibt wie sie jetzt ist. Das wäre natürlich für einige eine Katastrophe.“

Christian Hampel, Trainer Lüner SV: „Ich halte es für richtig, dass die Spiele erst einmal abgesetzt wurden. Es hat in meinen Augen keinen Sinn. Dass ein einheitlicher Riegel vorgeschoben wird, ist absolut richtig. Ich bin gespannt, wie in den nächsten Wochen gehandelt wird. Eine permanente englische Woche zu spielen, ist nicht wirklich das wahre. Es bleibt abzuwarten. Es wird auf jeden Fall Mannschaften geben, die darunter leiden werden oder sich ungerecht behandelt fühlen. Falls die Liga annulliert wird, sollen jeweils die Tabellenersten aufsteigen. Die haben es sich verdient. Der Tabellenzweite, der auf dem vermeintlichen Relegationsplatz steht, fühlt sich dann wahrscheinlich ungerecht behandelt.“

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