Darum ist „Lamentieren und Trinken“ vor Elfmetern taktisch klug für Torhüter aus Lünen

mlzLünen

Wie verhalten sich Fußball-Torhüter kurz vor Elfmetern? Welche Tricks wenden sie an? Wir haben mit zwei Keepern aus Lünen über ihre Tricks und Spielchen bei Elfmetern gesprochen.

Lünen, Brambauer, Alstedde, Wethmar

, 04.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jörg Lemke ist Keeper beim Bezirksligisten BV Brambauer. Für ihn ist klar: „Der Schütze verrät sich in vielen Fällen selbst“, so Lemke, der nach einer Verletzung am Knöchel vorerst aussetzen muss. „Meist reicht es, den Schützen kurz vor dem Strafstoß zu beobachten.“ Der 1,89 Meter große BV-Keeper analysiert dabei vor allem den Anlauf und den Fuß, mit dem geschossen wird. Und dann ist das Ziel des 28-Jährigen, „so spät wie möglich abzuspringen“. Richtige Spielchen würde er dabei nicht spielen. „Sprechen kommt für mich in der Regel gar nicht infrage“, sagt Lemke.

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Das handhabt der Schlussmann des Bezirksligisten und Ligakonkurrenten Westfalia Wethmar ganz anders: „Ich versuche etwas Zeit verstreichen zu lassen, indem ich lamentiere oder etwas trinke, bevor der Strafstoß ausgeführt wird“, sagt Florian Fischer. Der 31-Jährige erhofft sich dadurch, den Schützen durch das Warten zum Nachdenken anzuregen und ihn so zu verunsichern.

Fischer schaut den Schützen in die Augen

„In der Zeit überlege ich, was mir an dem Spieler während des Spiels aufgefallen ist“, sagt Fischer. Er will sich damit selbst Fragen beantworten, wie: Schießt er gern über das Standbein? Dribbelt er gern den Gegner aus oder ist er eher der Sicherheitsspieler? Dribbler neigen eher zu Kunstschüssen oder Lupfern in die Mitte, Sicherheitsspieler schießen stets platziert in die Ecken. Fischer schaut dem Schützen immer tief in die Augen und bleibt möglichst lange stehen. „Manchmal habe ich mir vorher schon eine Ecke ausgesucht, manchmal mache ich es instinktiv.“

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Wer kennt die Youtube-Videos nicht, in denen ein Torwart einen Elfmeter hält, sich freut und der Ball aber dann doch noch irgendwie den Weg über die Linie findet? Genau das passierte Lemke beim entscheidenden Elfmeter in einem Pokalfinale der C-Junioren: „Ich habe den Ball an die Latte lenken können und dann ist der nach oben“, sagt Lemke, der sich im Anschluss an seine Heldentat überschwänglich freute und die Flugbahn des Spielgerätes außer Acht ließ. Lemke: „Der Ball hatte aber so einen Drall, dass er vor der Linie auftickte und doch noch zu aller Überraschung ins Tor ging. Das war schon bitter.“

Lemke hat aus seinem Fehler gelernt

Aus dieser Erfahrung hat der Keeper gelernt, bekam 2009 mit TSC Eintracht Dortmund im Pokalfinale gegen Westfalia Wickede erneut die Chance, die Partie zu entscheiden. „Den letzten und entscheidenden Elfmeter damals schoss ein guter Kumpel von mir“, sagt Lemke. „Er wusste genau, ich kenne seine Elfmeterecke und hat deshalb in die Mitte gelupft.“ Das habe Lemke geahnt und machte sich an dem Tag unsterblich für seinen Verein, indem er einfach cool stehen blieb.

Fischers kurioseste Elfmeter-Situation erlebte er 2010 als Spieler des SuS Olfen, als sich BW Alsteddes Torwart Peter König beim Schuss vom Punkt das Knie verdrehte und sich dabei schwer verletzte (wir berichteten). Den Elfmeter parierte Fischer übrigens.

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