Der Teufelskreis des Lüner SV

mlzFußball-Westfalenliga

Platz 14 statt Aufstiegskampf. Viele Verletzte statt einem breiten Kader. Die Saison des Lüner SV entwickelt sich zu einem Desaster. Ein Teufelskreis, aus dem es schwierig ist, zu entkommen.

Lünen

, 14.10.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In die Oberliga wolle man aufsteigen - diese Ziel verkündete der Lüner SV offensiv bei der Vorstellung von Trainer Marc Woller mit Blick auf die Westfalenliga-Saison 2019/2020. Keine zehn Monate später ist Woller kein Trainer mehr und der LSV gerade auf den Abstiegsrelegationsplatz abgerutscht - und das mit einer runderneuerten und namhaft verstärkten Mannschaft. Der LSV befindet sich in einem Teufelskreis. Einige Probleme sind hausgemacht, andere die Folge ausbleibender Ergebnisse. Die verschiedenen Problemzonen verstärken sich gegenseitig. Wir analysieren die Lage in Schwansbell.

Die Erwartungshaltung: Hinterher ist man immer schlauer. Und doch muss man feststellen: Das Unheil des Lüner SV begann bereits Anfang des Jahres. Als man bei den Rot-Weißen die Weichen für die aktuell laufende Spielzeit stellte, formulierte man die Ziele zu forsch. Vom Aufstieg in die Oberliga wurde gesprochen, selbst die Regionalliga schon erwähnt. Die aktuelle, bittere Realität hat damit nichts zu tun. Der Verein macht sich damit zum Gespött auf anderen Sportplätzen - und die Spieler haben so nicht weniger Druck.

Die Kondition: Die Vorbereitung war eine Katastrophe. Dass ihn die fehlende Fitness der Mannschaft immer noch in der Trainingsarbeit beschäftige, bestätigte Neu-Trainer Christian Hampel unlängst. Das Problem: Fitness aufholen und sich auf den nächsten Gegner vorbereiten lassen sich nur schwer miteinander vereinbaren. Folglich gibt der LSV zumeist in der zweiten Halbzeit Punkte aus der Hand. So erging es den Lünern gegen Iserlohn (2:2), Gerlingen (2:2) und Hohenlimburg (0:1). Kurzfristige Besserung ist nicht zu erwarten.

Die Personallage: 13 Spieler hätten ihm am Sonntag gefehlt, sagte Christian Hampel. Zwar stand auch gegen Hohenlimburg ordentlich Qualität auf dem Platz. Vom breiten Kader ist aber nicht viel übrig geblieben, die Bank war mit drei Feldspielern alles andere als üppig besetzt. In der Defensive drückt nach den Ausfällen von Dominik Deppe, Matthias Göke und jetzt wohl auch Noel Lahr der Schuh. Philipp Herder und Volkan Ekici sollten Leistungsträger werden, sind aber langfristig verletzt. Hier hält das Pech dem LSV die Treue.

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Die Struktur: Eigentlich hat der LSV genug potenzielle Leitwölfe. Mehmet Kara hat lange Jahre im Profifußball hinter sich, Marcel Ramsey ist Kapitän, Matthias Drees spielt seit Jahren in Schwansbell. Doch so richtig strukturiert wirkt die Mannschaft nicht. Wer Verantwortung übernehmen soll, scheint nicht immer klar - nicht untypisch für eine Mannschaft, bei der am Sonntag fünf Neuzugänge in der Startelf standen. Worauf der Verein künftig achten sollte: Die Identifikation mit dem Verein scheint nicht immer gegeben, die Fluktuation an Spielern ist hoch.

Der Teufelskreis des Lüner SV

Der Lüner SV liefert keine Ergebnisse. Ein Grund dafür ist auch fehlendes Spielglück. Hier ist Johannes Zottl einen Schritt zu spät am Ball. © Günther Goldstein

Das Selbstvertrauen: Es leidet und leidet beim Lüner SV. Der Westfalenligist spielte sich gegen Hohenlimburg genügend Chancen heraus, um das Spiel für sich zu entscheiden. Mit der nötigen Konsequenz kann der LSV zur Pause 3:0 führen. Ähnlich lief es gegen Wickede oder Gerlingen. Doch am Ende holte der Gegner immer mindestens einen Punkt. Das Selbstvertrauen fehlt beim Torabschluss. Teilweise zögern die Lüner zu lange, trauen sich keinen Schuss zu. „Sowas muss nicht von der Trainerseite kommen. Wir sind alle alt genug, das müssen die Spieler selber für sich entwickeln. Das ist ein mannschaftsinterner Prozess, der uns bestimmt gelingen wird“, sagt etwa Angreifer Johannes Zottl. Hinzu kommt fehlendes Spielglück.

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