Geteilte Meinung zu Post-Corona-Training beim BV Lünen 05

Fußball

Am Mittwochabend hat der BV Lünen 05 seine zweite Einheit seit der Corona-Zwangspause absolviert. Obwohl die Anlage mühevoll und umsichtig präpariert worden ist, bleibt der erwartete Ansturm aus.

Lünen

, 29.05.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der BV Lünen überlässt nichts dem Zufall: Flatterbänder und Gatter sollen auf dem Sportplatz in der Geist für den nötigen Abstand sorgen.

Der BV Lünen überlässt nichts dem Zufall: Flatterbänder und Gatter sollen auf dem Sportplatz in der Geist für den nötigen Abstand sorgen. © Hendrik Nachtigäller

Versucht man derzeit, den Sportplatz in der Geist zu betreten, bietet sich ein ungewöhnliches Bild: Rot-weiße Flatterbänder sind durch den Eingangsbereich gespannt, zwei rot-weiße Auszieh-Gatter versperren den direkten Weg auf die Anlage, am Eingang steht auf einem Tisch gleich eine Flasche mit Handdesinfektionsspray. Der BV Lünen 05 hat seinen Sportplatz Corona-tauglich umdesigned. Wenig später soll hier die zweite Trainingseinheit der Mannschaft von Trainer Marco Fischer nach der Zwangspause folgen.

Im Eingangsbereich der Anlage steht eine Flasche Handdesinfektionsspray zur Nutzung bereit.

Im Eingangsbereich der Anlage steht eine Flasche Handdesinfektionsspray zur Nutzung bereit. © Hendrik Nachtigäller

Oder zumindest eines Teils der Mannschaft. Denn dem Hygienekonzept des BV05 entsprechend, dürfen derzeit maximal zehn Spieler gleichzeitig zum Training kommen, plus Coach. „Es fängt damit an, dass wir sagen, bitte einzeln die Anlage betreten und sofort vorne die Hände desinfizieren“, berichtet Geschäftsführer Florian Dellbrügge. „Dann haben wir Abstandsboxen erstellt, in denen die Spieler auf Abstand ihre persönlichen Sachen ablegen können, denn die Leute dürfen eigentlich bis auf ein paar Fußballschuhe und einer mit Namen markierten Wasserflasche nichts mitbringen.“

Die Maske darf erst auf dem Platz runter

Bei Betreten der Anlage muss jeder einen Mund-Nase-Schutz tragen, der erst abgelegt werden darf, wenn der Trainingsplatz betreten wird. Auf dem Trainingsplatz darf der Ball nur vom Torwart angefasst werden, der bekanntlich ohnehin Handschuhe anhat. Kopfbälle und Einwürfe sind verboten. „Daher wird das Training auch mit Abstand durchgeführt, und das hat dann nicht mehr so viel mit Fußball zu tun, das ist aber eine sportliche Sache“, sagt Dellbrügge.

Handschuhe an statt Ärmel hoch: BV05-Coach Marco Fischer bereitet sich auf das Training vor.

Handschuhe an statt Ärmel hoch: BV05-Coach Marco Fischer bereitet sich auf das Training vor. © Hendrik Nachtigäller

Doch wie sieht das Training denn aktuell aus Perspektive des Coaches aus? „Das Training ist viel schwieriger zu planen und ziemlich anstrengend“, berichtet Marco Fischer. „Normalerweise fangen wir immer mit einem Kreis an, Fünf-gegen-zwei spielen - das kann man schonmal nicht machen. Bei Pass- und Torschusstraining musst du die eineinhalb Meter einhalten. Und nach dem Torschuss ist auch schon wieder Schluss, weil du kein Abschlussspiel oder kein Freilaufspiel oder sowas machen kannst, weil du eventuell in Zweikämpfe gehen könntest.“

Fischer: „Ziemlich langweilig, aber wir sind unglaublich froh“

Deswegen sei das Training eigentlich „ziemlich langweilig, aber wir sind unglaublich froh, dass wir uns ein bisschen bewegen können“, sagt Fischer ehrlich. „Aber es ist halt nicht das Gleiche. Das ist natürlich schade, aber wir sind trotzdem froh, dass wir ein bisschen was machen dürfen.“ Die Meinung in der Mannschaft darüber sei geteilt, so Fischer. „Am Anfang hatten alle Bock, wieder was zu machen. Dann dachten wir, dass die Jungs uns hier die Bude einrennen, aber das ist nicht passiert. Wir sind hier maximal mit acht Leuten rumgelaufen, plus Trainer, und das fanden wir ein bisschen schade, weil wir die Saison ausklingen lassen wollten.“

Klinken und Türen, die angefasst wurden, muss der Trainer nach der Einheit desinfizieren, ebenso wie sämtliche Bälle, Hütchen und die Stühle in den „Abstandsboxen“. Dellbrügge, der auch Hygienebeauftragter des BV05 ist, geht dabei häufig unterstützend zur Hand. Knapp 50 Liter Flächendesinfektionsmittel und gut 10 Liter Handdesinfektionsmittel stehen beim BV Lünen 05 dafür bereit. Die sanitären Anlagen werden einmal am Tag von einer Reinigungskraft gereinigt und desinfiziert.

Eine der „Abstandsboxen“: Die Stühle stehen im Kreis weit auseinander, hier können die Spieler während des Trainings ihre Utensilien deponieren.

Eine der „Abstandsboxen“: Die Stühle stehen im Kreis weit auseinander, hier können die Spieler während des Trainings ihre Utensilien deponieren. © Hendrik Nachtigäller

„Das ist ein mega Aufwand, aber das ist es wert“, sagt der BV05-Geschäftsführer überzeugt. „Wir haben das letzte Woche festgestellt: Wenn die Leute nach zwei Monaten Fußballpause kommen und ein breites Grinsen im Gesicht haben, das ist alles wert, was wir hier machen.“ Rund 500 Euro habe der Verein bislang für die Hygienemaßnahmen in die Hand genommen.

Für Torwart Florent Rama ist die Einheit am Mittwochabend die zweite seit der Corona-Zwangspause. Und, wie ist das Training nun? „Anders“, sagt Rama und erläutert: „Es sind die Gewohnheiten: Die Spieler dürfen nicht mit Kopf oder Hand zum Ball gehen, mit dem Abstand, quasi nur am Sechszehner schießen, aber wir haben das ganz gut umgesetzt und haben auch direkt Spaß gehabt.“ Die Zeit ohne Fußball: „Das war die schlimmste Zeit“, sagt der Keeper, in Roman Bürkis BVB-Trikot gewandet.

BV05-Keeper Florent Rama freut sich, endlich wieder mit seinen Teamkollegen auf dem Platz stehen zu können.

BV05-Keeper Florent Rama freut sich, endlich wieder mit seinen Teamkollegen auf dem Platz stehen zu können. © Hendrik Nachtigäller

Bei der ersten Einheit nach der Corona-Unterbrechung waren acht Spieler anwesend, am Mittwoch sind es nur sechs. Woran liegt das? „Es gibt die Partei, die möchte alles wie beim Alten haben“, erklärt Rama. „Es gibt aber auch Leute, die versuchen, aus dieser ungewöhnlichen Situation das Beste zu machen.“ Am Mittwochabend freute sich der Keeper auf ein „schönes Training, hoffentlich mit wenig laufen, aber Torschusstraining“.

Pass- und Lauftraining in einem: Die BV-Akteure spielen sich den Ball zu und rotieren zur nächsten Position. Zum Schluss folgt der Abschluss in ein Mini-Tor.

Pass- und Lauftraining in einem: Die BV-Akteure spielen sich den Ball zu und rotieren zur nächsten Position. Zum Schluss folgt der Abschluss in ein Mini-Tor. © Hendrik Nachtigäller

Schon bald könnte aber auch der bislang etwas weniger motivierte Teil der Mannschaft der Geister Lust auf eine Rückkehr auf den Platz bekommen: Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens hat angekündigt, ab Samstag unter Einschränkungen Kontaktsport wieder erlauben zu wollen.

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