GFL-Vorsitzender: "Die Stadt sollte besser an anderen Stellen sparen"

LÜNEN Wo drückt den Lüner Sportlern der Schuh? Mit dem Vorsitzenden der Wählergemeinschaft "GFL - Gemeinsam Für Lünen e. V.", Prof. Johannes R. Hofnagel, sprach RN-Sportredakteur Bernd Janning über Bäder, Hallengebühren und die Bundesliga.

von Von Bernd Janning

, 24.01.2008, 17:02 Uhr / Lesedauer: 3 min
Beim Skifahren betätigt sich GFL-Vorsitzender Dr. Johannes R. Hofnagel selber sportlich. Die GFL positioniert sich jetzt auch auf dem Feld der kommunalen Sportpolitik.

Beim Skifahren betätigt sich GFL-Vorsitzender Dr. Johannes R. Hofnagel selber sportlich. Die GFL positioniert sich jetzt auch auf dem Feld der kommunalen Sportpolitik.

Über 24 000 Lüner sind mit ihren Vereinen im Stadtsportverband organisiert. Der SSV konnte sich bisher weder bei der Bäder- noch bei der Sportplatzfrage entscheidend durchsetzen. Ist diese Organisation, die sich selbst als größte Bürgerinitiative Lünens bezeichnet, nur ein zahnloser Löwe?Hofnagel: Ihrer bildlichen Darstellung stimme ich voll und ganz zu. Beim Bäderkonzept ist es überfällig, dass sich der SSV erneut öffentlich zum aktuellen Stand äußert und Position bezieht. Der Vorstand des SSV ist in der Projektgruppe Sportentwicklung der Stadt Lünen vertreten und hat die Aufgabe, die Interessen aller Lüner Sportler und Vereine mit sinnvollen Vorschlägen und auch Forderungen zu vertreten.

Über 24 000 Lüner sind mit ihren Vereinen im Stadtsportverband organisiert. Der SSV konnte sich bisher weder bei der Bäder- noch bei der Sportplatzfrage entscheidend durchsetzen. Ist diese Organisation, die sich selbst als größte Bürgerinitiative Lünens bezeichnet, nur ein zahnloser Löwe?Hofnagel: Ihrer bildlichen Darstellung stimme ich voll und ganz zu. Beim Bäderkonzept ist es überfällig, dass sich der SSV erneut öffentlich zum aktuellen Stand äußert und Position bezieht. Der Vorstand des SSV ist in der Projektgruppe Sportentwicklung der Stadt Lünen vertreten und hat die Aufgabe, die Interessen aller Lüner Sportler und Vereine mit sinnvollen Vorschlägen und auch Forderungen zu vertreten.

Ich hoffe, dass der SSV die Betroffenen frühzeitig vor einer entsprechenden Ratsentscheidung einbezieht. Der SSV könnte die Sportlerinteressen zukünftig mit viel mehr öffentlichem Druck und nachhaltiger vertreten.

"Wir sind gesprächsbereit"

Die Interessen Ihrer Wählergemeinschaft und die des SSV sind vielfach deckungsgleich. Könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen - oder würden sie zumindest ihre Unterstützung anbieten?Hofnagel: Wir sind gesprächsbereit und bieten unsere grundsätzliche Bereitschaft zur Unterstützung an. Die GFL wird die Fehlentwicklungen wie das Bäderkonzept und die geplanten Hallennutzungsgebühren mit Nachdruck aufzeigen und klar Position beziehen.

Der Bau einer Traglufthalle über das Sportbecken des Freibades Cappenberger See scheiterte Ende der 90er Jahre auch, weil die Schulen nicht mitspielten. Wie stellen Sie sich eine Sportlandschaft mit Bädern, Ballsport- und Leichathletikanlagen für Lünen vor, die für Schulen, Vereine und Freizeit gleichzeitig ideal sind?Hofnagel: Wir arbeiten uns zurzeit in die einzelnen sportpolitischen Themen ein. Begonnen haben wir mit der Bäderlandschaft und haben hierzu einen Verbesserungsvorschlag unterbreitet. Wir lehnen das vorgelegte und im Rat verabschiedete Bäderkonzept eindeutig ab.

Warum?Hofnagel: Erstens, weil sich die Gesamtinvestitionen hierfür unserer Einschätzung nach um weit mehr als 50 Prozent erhöhen werden. Zweitens: Mit einer Summe weit unter den geplanten Investitionen von 9,5 Millionen Euro ist das von uns vorgelegte Konzept umsetzbar - schätzungsweise mit 3 bis 4 Millionen Euro. Drittens, weil die insgesamt verfügbaren Bäderkapazitäten durch die Schließung der existierenden vier Hallenbäder in einem für die Betroffenen nicht vertretbarem Maß gekürzt würden.

Wir treten für die Erhaltung und Sanierung vieler Hallenbäder in Lünen ein. Unser Alternativvorschlag inklusive des Aufzeigens der Finanzierungsmöglichkeit dieses Vorhabens liegt auf dem Tisch.

"Die Stadt sollte besser an anderen Stellen sparen"

Lünen besitzt zwar mehrere Großsporthallen. Wenn eine solche neu gebaut wird, müsste dies nicht eine Bürgerhalle werden, in der alle Großveranstaltungen - mit einer entsprechenden Gastronomie, Großleinwand etc. - stattfinden könnten?Hofnagel: Mit diesen Fragen werden wir uns beschäftigen und anschließend eine Antwort geben.

Bleiben wir bei den Hallen. Was halten Sie von den Nutzungsgebühren?Hofnagel: Wir sind klar gegen Hallennutzungsgebühren, die angabegemäß nur rund 100 000 Euro jährlich an Einnahmen bringen sollen. Der Rat der Stadt Lünen - und hier spreche ich insbesondere die Verantwortlichen an - sollte besser an anderen Stellen sparen. Ich weise auf eine weitere Reduzierung der Ratsmitglieder, keine Millioneninvestitionen in das für Lünen nicht erforderliche Kohlekraftwerk der Trianel, unnötige Investition für den Kauf des Hauptbahnhofsgebäudes, Investitionen von mehr als 15 Millionen Euro in das neue Zentralhallenbad, das den Anforderungen der Sportvereine in der Gesamtheit nicht gerecht wird, und vieles mehr hin.

Sollte das Gelände der ehemaligen Schachtanlage Viktoria zwischen Wüstenknapp und Lippe neuer sportlicher Mittelpunkt werden, auch, bevor die in die Jahre gekommene und abseits gelegene Kampfbahn Schwansbell von Grund auf saniert wird?Hofnagel: Flächen sind knapp, und wenn man sich die Entwicklung Lünens über die letzten Jahrzehnte anschaut, muss man einräumen, dass sich der Mensch immer mehr ausgebreitet hat. Diese Entwicklung sollte auch vor dem Hintergrund des Bevölkerungsrückgangs hinterfragt werden.

Freiwerdende Industrieflächen sollten gut überlegt einer erneuten gewerblichen oder anderweitigen Nutzung zugeführt werden. Ob dieses Gebiet neuer sportlicher Mittelpunkt werden soll, ist bewusst kontrovers und auch in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

"Mir gefielen die Flutlichtspiele am Freitag"

Einmal weg vom heimischen Sport. Das Fernsehen regiert im Profi-Fußball mit, möchte jeden Tag Spiele, gerade auch sonntags angesetzt wissen und übertragen. Leidtragende sind die Amateure, vor allem die kleineren Fußballvereine. Wie denken Sie über dieses Problem?Hofnagel: Meiner Ansicht nach sollte der Bundesligaspieltag nicht so sehr aufgeteilt werden. Mir gefiel die frühere Konzentration mit zwei bis drei Spielen am Freitagabend, die als so genannte Flutlichtspiele auch eine besondere Stimmung verbreiteten, und den verbleibenden Spielen am Samstagnachmittag. So blieb der Sonntag der 2. Liga und den Amateuren.

Sie haben drei Wünsche für den Lüner Sport frei. Welche sind das?Hofnagel: Erstens die Ablehnung des geplanten Zentralhallenbades und die Erhaltung sowie Sanierung möglichst vieler Hallenbäder sowie die Errichtung einer Traglufthalle über dem Sportbecken Cappenberger See. Zweitens keine Hallen- und Sportplatznutzungsgebühren für die Vereine. Und drittens eine bessere und sachorientierte Interessenvertretung des Sports im Rat der Stadt.

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