Gruppenbilder in Corona-Zeiten: Muss das wirklich sein?

Klare Kante

Der LSV stellt einen neuen Trainer vor. Mit im Gepäck der Mitteilung ist ein Gruppenbild, das in Zeiten des Coronavirus problematisch ist.

Lünen

, 23.04.2020, 10:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vorsitzender Imdat Acar (l.) und der Sportliche Leiter Christian Hampel (r.) präsentieren den neuen LSV-II-Coach Manuel Lorenz.

Vorsitzender Imdat Acar (l.) und der Sportliche Leiter Christian Hampel (r.) präsentieren den neuen LSV-II-Coach Manuel Lorenz. © Janning

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, haben Bund und Länder das öffentliche Leben eingeschränkt und Regeln verhängt, die so vor Monaten noch undenkbar schienen. Das scheint zu funktionieren. Schließlich war die Zahl der Neuinfektionen zuletzt deutlich geringer als noch zu Beginn der Krise. Doch um einen Transfer oder eine Neuverpflichtung bekanntzugeben, scheren sich einige Amateurfußballclubs offenbar einen Dreck darum.

Abstandsregeln sehen 1,5 Meter zwischen Personen vor. Zudem ist das Kontaktverbot weiter bis 3. Mai in Kraft. Es sieht vor, dass sich maximal zwei nicht zusammenlebende Personen außerhalb des engen Familienkreises zusammen in der Öffentlichkeit aufhalten dürfen. Dass nach dem 3. Mai die Gruppengröße, in der man sich aufhalten darf, nicht unbegrenzt sein wird, davon ist außerdem auszugehen.

Drei Lüner auf einem Foto sind einer zu viel

Völlig unverständlich ist es da, dass der Westfalenligist Lüner SV am Freitag ein Foto aufnahm, auf dem Vereinsboss Imdat Acar und Sportchef Christian Hampel den neuen Trainer für die Bezirksliga-Reserve, Manuel Lorenz, vorstellten. Acar links, Hampel rechts, Lorenz in der Mitte steht das LSV-Trio dicht zusammen. Die Unterarme berühren sich. Die drei Fußballer halten den LSV-Schal obligatorisch in die Kamera - wie das eben bei symbolträchtigen Verpflichtungen auch in den Amateurklassen Usus ist.

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Nun wollen wir hier dem ätzenden Denunziantentum nicht Tür und Tor öffnen, aber zumindest einmal hinterfragen: Muss das wirklich sein? Da haben wohl einige den Familienbegriff, der gerne auch auf die Fußballfamilie innerhalb eines Vereins übertragen wird, etwas falsch verstanden. Nicht nur, dass der Lüner SV öffentlich und für jedermann einsehbar macht, was er von den derzeit geltenden Regeln hält.

Jugend sendet Botschaften, doch der eigene Vorstand hält sich nicht dran

Nein, er ist auch noch ein falsches Vorbild. Vor einigen Tagen erhielt die Redaktion vom LSV Fotos von Jugendspielern, die die klare Botschaft formulierten: „Wir gemeinsam! Zeigt Solidarität! Bleibt zu Hause!“ Man möchte es den Verantwortlichen zurufen.

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Die Vorstellung des neuen Trainers wäre auch ohne dieses Foto möglich gewesen. Manuel Lorenz hätte ein Selfie schießen können. Die Vermeldung wäre sogar ohne Foto möglich gewesen. So setzen die Vereinsvertreter sich und andere einer Gefahr aus.

Immerhin: Einigen ist die Problematik bewusst. Der VfB Lünen stellte Tom Meier mit großem Abstand zwischen den beiden Personen auf dem Foto vor. Besser wäre zwar auch gewesen, sich nicht zu treffen. Aber da wird deutlich, dass den Verantwortlichen bewusst ist, wie sensibel das Thema momentan ist.

Maximale Distanz auf einem Vorstellungsbild: Tom Meier (r.), Neuzugang beim VfB Lünen

Maximale Distanz auf einem Vorstellungsbild: Tom Meier (r.), Neuzugang beim VfB Lünen © VfB Lünen

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