Insolventer TSV Marl-Hüls bleibt gefährlich für die Fußballer des Lüner SV

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Zum Rückrundenstart reist der Westfalenligist Lüner SV zu einem besonderen Gegner. Der TSV Marl-Hüls hat turbulente Monate erlebt. Abschreiben sollte man den Klub aber noch lange nicht.

Lünen

, 08.02.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Redet man mit Oliver Ridder, Trainer des Fußball-Westfalenligisten TSV Marl-Hüls, könnte man den Eindruck gewinnen, der Klub würde dieser Tage um die Rückkehr in die Oberliga spielen. „Die Stimmung im Verein und der Mannschaft ist ausgesprochen gut, um nicht zu sagen sehr gut“, sagt der 37-Jährige.

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Lüner SV – TSV Marl-Hüls

Dabei hat der TSV einen Insolvenzantrag gestellt. Dem ohnehin schon Tabellenvorletzten drohen neun Punkte Abzug. Zum Start in die Rückrunde ist am Sonntag, 10. Februar, um 15 Uhr der Lüner SV zu Gast beim TSV (Loekampstraße 36, Marl). Ein besonderes Spiel für Ridder gegen seinen ehemaligen Klub und seinen Ex-Coach Mario Plechaty.

Die Lage der Marl-Hülser ist so klar wie düster. Nach einer durchwachsenen Hinrunde steht der Oberliga-Absteiger mit zwölf Punkten auf Rang 16. Im Januar stellte der Klub nach langen finanziellen Querelen einen Insolvenzantrag. Der Spielbetrieb bleibt aufrechterhalten. Doch es drohen damit neun Punkte Abzug. Im Winter gingen zudem vier Akteure, darunter zwei Leistungsträger mit den Brüdern Arthur und Eugen Fell. Trainer Werner Kasper musste im Dezember gehen. Seit Januar coacht Ridder die Blau-Weißen. Woher kommt also die gute Stimmung?

„Es waren zwei Jahre der Ungewissheit. Jetzt kann man ein Strich drunter machen. Der Spielbetrieb bleibt aufrecht, vor allem für unsere starke Jugend ist das wichtig“, sagt Ridder. Und das Westfalenligateam? „Da ist die Stimmung vielleicht sogar noch besser. Die Mannschaft ist enger zusammengerückt“, sagt der Ex-Lüner, der 2010 in der Bezirksliga für den Lüner SV auflief und auch schon in Mengede unter Mario Plechaty die Schuhe schnürte.

Sportlich ist Ridder ähnlich optimistisch. Die Vorbereitung lief spielerisch deutlich besser. Drei Siege gab es – zwar gegen Bezirks- und Landesligisten, aber Siege. Personell ist Philipp Winkler vom SV Schermbeck neu dabei. Aus der A-Jugend stoßen Julian Treiber und Moritz Isensee dazu. Die Fell-Brüder waren zwar Leistungsträger, so Ridder. Dennoch gab es im Team wohl auch ein „Durchschnaufen“ nach deren Abgängen. „Aufgrund von Schichtarbeit haben sie gespielt, aber kaum trainiert“, erklärt Ridder. So etwas kann dann schon einmal die Stimmung drücken.

Klassenerhalt ist das Ziel

Der Optimismus macht die angeschlagenen Marl-Hülser also stark. „Wären wir chancenlos, hätten wir auch zurückziehen können“, betont Ridder, der selbst den Klassenerhalt noch nicht abgeschrieben hast. „Der Verband lässt sich Zeit mit der Entscheidung. Der Punktabzug ist nicht durch. Und selbst wenn, gibt es in jedem Spiel drei Punkte zu holen.“

Leicht wird es der Lüner SV am Sonntag also nicht haben in Marl-Hüls. Zum Saisonauftakt im Sommer hatte Lünen noch klar mit 4:0 gewonnen. Trainer Plechaty jedenfalls ist gewarnt: „Wir dürfen Hüls keinesfalls unterschätzen und müssen das ganze Drumherum ausblenden. Wir müssen uns am Sonntag auf uns selbst konzentrieren.“

Viele Niederlagen

Die Vorbereitung der Rot-Weißen verlief nicht ganz reibungslos. Gegen die Oberligisten Holzwickede und Sprockhövel und auch gegen Landesligist Kemminghausen setzte es Niederlagen. „Natürlich war nicht alles positiv in der Vorbereitung“, weiß Plechaty. „Schwierig ist es im Winter angesichts der Wetterbedingungen immer. Dennoch haben wir nicht wenig gemacht. Das Trainingslager war gut. Und die Meisterschaft ist etwas anderes als die Vorbereitung. Da muss jetzt auch eine andere Körpersprache her.“

Plechaty, von dem zuletzt bekannt wurde, dass er den Lüner SV im Sommer verlässt, möchte an die Leistungen aus dem Holzwickede-Spiel und aus der ersten Halbzeit in Sprockhövel anknüpfen. „So könnten wir gut aus den Startlöchern kommen“, sagt Plechaty. Das erste Spiel zu gewinnen, sei wichtig. Besonders auswärts müssten sich die Lüner steigern. Plechaty: „Gelingt uns das, können wir auch mal eine Serie starten.“

Das Lüner Ziel für die Rückrunde ist klar: „Ich möchte noch unter die ersten Sechs kommen und das habe ich der Mannschaft auch gesagt“, so Plechaty, der keinen Zweifel daran lässt, sich ordentlich aus Lünen verabschieden zu wollen. „Das Verhältnis zur Mannschaft ist gut und ich gehe davon aus, dass sie sich für mich zerreißt. Die Jungs sind heiß. Wir wollen bis zum Saisonende professionell weiter arbeiten.“

Personell könnte es schlechter laufen. Ersin Kusakci, der sich im Test gegen Kemminghausen das Knie verdreht hatte, ist weniger schwer verletzt als gedacht. Er könnte Sonntag im Kader stehen. Auch auf die Einsatzbereitschaft von Milan Sekulic hofft Plechaty. In Zweikämpfen helfe er enorm weiter, so der Coach. Nicht dabei sind Jeffrey Malcherek (gesperrt) und Ali Bozlar, der noch zwei bis drei Wochen ausfallen wird.

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