Jascha Keller spricht über seinen Abschied: „Wir waren nah dran am Maximum“

mlzBV Brambauer

Jascha Keller verlässt den BV Brambauer im Sommer als Trainer. Vier Jahre war er beim Bezirksligisten aktiv, hat dort Erfolge aber auch Niederlagen durchlebt. Wir haben ihn interviewt.

Brambauer, Lünen

, 13.01.2020, 11:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein bisschen Wehmut ist Jascha Keller (33), Noch-Trainer beim Fußball-Bezirksligisten BV Brambauer, doch anzumerken. Nach vier Jahren beim BVB sagt der Coach im Sommer adé. Wir haben Keller zum Interview getroffen und mit ihm über Entwicklungen im Verein, Probleme und seine Zukunft gesprochen.

Nach vier Jahren verlassen Sie den BV Brambauer. Warum?

Der Hauptgrund ist das Privatleben. Meine Frau ist schwanger, ich erwarte im Frühjahr das zweite Kind. Daher werde ich es ab Sommer nicht mehr schaffen, den Aufwand noch zu betreiben - mit drei Mal pro Woche Training und Vor- und Nachbereitung. Das passt zeitlich einfach nicht mehr. Eine zweite Sache, die aber eher sekundär ist: Ich denke, dass der Mannschaft ein neuer Impuls mit neuen Ideen guttun wird.

Jetzt lesen

Warum braucht die Mannschaft einen neuen Impuls?

Das ist ja nicht unüblich, dass es gewisse Abnutzungserscheinungen und Mechanismen gibt, die sich wiederholen. Daher kann es der Mannschaft nur guttun.

Wie hat die Mannschaft Ihre Entscheidung aufgenommen?

Viele Spieler hatten das schon gespürt. Zwei, drei Leute waren ja auch eingeweiht und daher denke ich, dass es schon die Breite gestreut war. Für viele kam das nicht überraschend.

Wie lange geisterten Gedanken der Trennung schon in Ihrem Kopf herum?

Das beschäftigt mich schon seit September, Oktober. Das ist schon der Zeitraum, in dem es akut wurde, weil sich auch die Schwangerschaft bestätigt hatte.

Jetzt lesen

Sie haben aktuell noch drei Trainingseinheiten pro Woche und auch die Sportliche Leitung zusätzlich inne: Wie intensiv ist es hier für den BV Brambauer?

Ein Stück weit ist es schon 24/7. Es sind nicht nur die Trainingseinheiten und das reine Spiel, sondern auch Trainingsvor- und Nachbereitung sowie Spielvor- und Nachbereitung. Spielvorbereitung ist auch mal eine Videoanalyse. Was bei der Rolle als Sportlicher Leiter noch hinzukam, ist die Kaderplanung, die größtenteils in den Sommer- und Winterpausen stattfand. Man hat nie Pause. Das ist schon ein erheblicher Aufwand, der betrieben wird.

Sie haben schon ein Kind, dazu Ihren Job und Ihr Wirken beim BV Brambauer. Gab es Momente, in denen es auch zu viel war?

Nein, das würde ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, aber ich möchte auch nicht, dass es dazu kommt. Deswegen ist es jetzt auch der richtige Zeitpunkt, im Sommer zu sagen: Jetzt ist erst einmal Auszeit.

Frank Bidar wird Ihr Nachfolger – wie ist Ihr Eindruck?
Ich kannte ihn weder als Trainer noch persönlich. Er hat sich gerade bei mir vorgestellt. Es war eine angenehme Vorstellung. Ich hoffe natürlich, dass ich die Mannschaft in einem ordentlichen Zustand übergeben kann.

Jetzt lesen

Sind Sie mit der Entwicklung des Vereins und auch der Mannschaft in den vergangenen Jahren zufrieden?

Ja, insgesamt bin ich sehr zufrieden. Ich sehe das als sehr erfolgreiche Zeit und glaube auch, dass wir unter den Umständen, in denen wir hier zu arbeiten hatten, oft am Maximum dran waren. Wir sind in der Saison mit Thorsten Nitsche (Ex-BVB-Trainer, Anm. d. Red.) Fünfter geworden, waren lange Tabellenführer. Danach sind wir Vierter und Fünfter geworden. Wenn ich sehe, was für andere Mannschaften da über uns waren, muss man sagen, dass wir uns da wirklich am Maximum bewegt haben. Ich würde sogar diese Saison mit am sportlich erfolgreichsten bewerten, auch wenn sich das skurril anhört. Vom Kader her sehe ich das so, dass wir in den Vorjahren stärkere Kader hatten. Im Gleichklang ist die Liga sehr viel stärker geworden. Ich sehe sportlich bei der Mannschaft eine tolle Entwicklung. Gerade was das Defensivverhalten angeht, das schlägt sich auch in den Ergebnissen nieder, da haben wir eine Riesenentwicklung gemacht. Die Mannschaft hat es verstanden, gegen den Ball zu arbeiten. Es gibt aber auch individuelle Beispiele, die sich prächtig entwickelt haben. Das macht mich auch froh und stolz.

Jetzt lesen

Was hätte trotzdem besser laufen können?

Wir haben uns nahe am Maximum bewegt. Ich hätte natürlich gerne auch das Maximum erreicht. Ich hätte es gerne auch übertroffen. Natürlich träumt man auch davon, auch mal eine Sensation zu schaffen...

Den Landesligaaufstieg?

Zum Beispiel. Auch wenn es von den Voraussetzungen her ein Stück weit utopisch war. Das ist eine Träumerei. Aber wenn man sieht, dass Leicester City vor ein paar Jahren in England Meister wird, dann ist es natürlich das Größte für einen Sportler und Trainer, so einen Sensationserfolg zu landen. Das wäre das Tüpfelchen auf dem I gewesen.

Jetzt lesen

Sie legen nun erst einmal eine Pause ein. Wie soll es danach für Sie weitergehen?

Es gibt keine konkreten Pläne. Ich habe jetzt 30 Jahre Vereinsfußball hinter mir, immer in verschiedener Form. Lange natürlich als Spieler, danach dann auch als Trainer. Ich werde natürlich dem Fußball auch verbunden bleiben - in welcher Form steht aber noch nicht fest. Es kann sein, dass ich einfach nur interessierter Zuschauer bin, es kann sein, dass ich vielleicht selber noch einmal irgendwo die Schuhe schnüre und ein bisschen kicke. Es wird aber nichts sein mit Verpflichtung und Verbindlichkeit, also wirklich mit maximaler Freiheit, wenn ich etwas eingehe.

Werden Sie sich die Spiele des BV Brambauer ab Sommer weiterhin angucken oder wird es einen kompletten Cut geben?

Ich werde mir sicherlich das eine oder andere Spiel ansehen, aber nicht jedes. Ich wohne seit 2014 in Lünen und war in der Zeit immer nur für den BV Brambauer aktiv. Deswegen ist es im Lüner Raum mein Verein und wird sicherlich auch mein Verein bleiben. Ich werde natürlich beobachten, was hier passiert und natürlich ist auch ein Stück Wehmut dabei, weil die Mannschaft ist schon mein Baby.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen