„Jeden Morgen Fieber messen“ - So erlebt ehemaliger Wethmarer Kicker das Coronavirus in Südkorea

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Für Joo Seung Oh ging es im September 2019 nach Südkorea zum Wehrdienst. Auch ihn beeinflusst gerade das Coronavirus. Doch sein Alltag unterscheidet sich zur jetzigen Situation in Deutschland.

Wethmar, Werne

, 18.03.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Joo Seung Oh über Whatsapp anruft, liegt er schon im Bett und hat seinen Arbeitstag hinter sich. Denn der 28-Jährige befindet sich zur Zeit für seinen Wehrdienst in Südkorea, mit acht Stunden Zeitverschiebung. Am nächsten Morgen wird er ganz normal zur Arbeit gehen, kein Homeoffice also wegen des Coronavirus für den ehemaligen Fußballspieler bei TuS Westfalia Wethmar und dem Werner SC. Doch bevor es an seinen Arbeitsplatz in einer staatlichen Firma im Seouler Stadtteil Gangnam geht, muss er erst in einer Whatsapp-Gruppe mit seinen Kollegen Bescheid geben, ob es ihm gut geht oder er Symptome des Virus zeigt.

Auch ob Freunde oder Bekannte von ihm bereits erkrankt sind. „Die checken das jeden Tag. Vor Ort wird dann noch mal Fieber gemessen“, erklärt er. Direkte Ausgangssperren gab es bisher nicht, auch keine Verbote. „Wir wurden aber gebeten große Massen zu meiden, auch Kinos oder große Restaurants.“ Hamsterkäufe, wie sie in Deutschland zur Zeit ablaufen, hat der 28-Jährige in Südkorea nur in der ersten Woche beobachtet. „Da haben die Leute viel eingekauft, aber jetzt ist es entspannt in den Märkten. Man kann sich Zeit nehmen.“

Schlange stehen für Masken

Seit Ende November ist Seung Oh bereits in Südkorea, wo er erst ein vierwöchiges Militärtrainingscamp absolviert und anschließend seinen jetzigen Dienst angetreten hat. Als das Coronavirus aus China auch bei ihm angekommen ist, hieß es für den Soldaten Maske und am besten auch Handschuhe tragen und ständig die Hände desinfizieren. Doch das mit den Masken war für den 28-Jährigen nicht immer so leicht. „Ich wollte mir welche in der Apotheke kaufen, doch da war eine richtige Schlange und ich musste ja auch in die Firma.“ Dort gab es dann zum Glück von seinem Arbeitgeber 30 Stück für ihn.

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Die Angst vor dem Coronavirus ist auch bei den Südkoreanern präsent. „Es hat in China angefangen und wir sind nun mal das direkte Nachbarland“, erklärt Seung Oh. Für ihn ist nur wichtig, dass er nicht krank wird und sich schützt. Da er bereits im Pflegebereich eine Ausbildung gemacht und gearbeitet hat, geht er etwas entspannter mit der Situation um. Von dieser Herangehensweise hat er auch auf der Arbeit seine Kollegen überzeugen können. Zur Zeit sieht die Situation in Südkorea bereits besser aus. „Es werden nicht mehr so viele krank, unter 100 Leute pro Tag“, schätzt Seung Oh.

Reise nach Deutschland noch nicht sicher

In den vergangen Monaten hatte Seung Oh aber täglich neue Nachrichten über das Virus auf dem Handy. „Das ist manchmal nervig alle zwei Stunden, aber besser so als gar keine Informationen.“ Auch seine Fußballfreunde aus Wethmar fragt er über die Lage in Deutschland aus. Die alten Bekannten fehlen dem jungen Mann besonders, auch in Zeiten des Coronavirus. „Ich habe nach dem Training und in der Freizeit oft etwas mit den Jungs unternommen“, erzählt er. Eigentlich war ein baldiges Wiedersehen mit den Fußballern angedacht. Ob der gebürtige Südkoreaner seinen Plan, zur Sim-Jü im Oktober und seinem Geburtstag im November nach Deutschland zu kommen, aber wirklich in die Tat umsetzen kann, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. „Ich vermisse Deutschland wirklich. Aber die Zeit hier geht wirklich schnell rum. Ich bin ja schon anderthalb Jahre in Südkorea.“

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Als Seung Oh im vergangen Jahr in sein Heimatland ging, hat er dort dem Fußball nicht sofort den Rücken gekehrt, sondern hat aktiv als Fußballtrainer gearbeitet. Heute ist das durch seinen täglichen Wehrdienst nicht mehr möglich. „Ich kicke gerade nur noch just for fun mit meinen Freunden.“ Mehr ist auch nicht drin, denn er darf als Soldat nicht in den Ligen antreten. Wenn er aber zurück nach Deutschland kommen sollte, würde Seung Oh gerne wieder richtig Fußball spielen, aber nicht direkt in den Ligen seiner ehemaligen Vereine.

Kondition und Technik haben nachgelassen

„Erstmal schön in der Kreisliga anfangen“, ist sein Motto. Denn für die Bezirksliga, in der beispielsweise sein Ex-Team TuS Westfalia Wethmar spielt, sei seine Kondition und die Technik nicht mehr ausreichend. „Da könnte ich nicht direkt abliefern, auch wenn sie mich vielleicht einsetzen würden. Ich muss in den Fußball dann erst mal wieder reinkommen“, erklärt der 28-Jährige.

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Anfang September 2021 könnte es dann soweit sein, dass Seung Oh in den Flieger Richtung Deutschland steigt. Denn dann endet sein Wehrdienst in Südkorea. Zwei bis drei Monate vorher will er sich Gedanken machen um seine Zukunft, besonders in beruflicher Hinsicht. „Ein Angebot für einen Arbeitsplatz wäre natürlich optimal für mich, egal ob in Deutschland oder Südkorea. Dort wo ich mich eben wohl fühle.“

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