Keine Tränen und mehr Zeit für die Frau: So reagieren die Lüner Trainer auf das Fußball-Aus

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Dieses Jahr wird der Spielbetrieb im Amateur-Fußball eingestellt. Das sagen Trainer der Lüner Klubs dazu. Viele haben auch schon Vorschläge, wie die Saison zu Ende gebracht werden sollte.

Lünen

, 18.11.2020, 16:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war abzusehen: Die Saisonpause im Amateurfußball wird verlängert. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass der Spielbetrieb für das Jahr 2020 eingestellt wird. Wir haben Lüner Trainer nach ihrer Meinung zu dem Entschluss befragt.

Dennis Köse, spielender Co-Trainer BV Brambauer: „Das überrascht mich nicht. Ich habe null Prozent damit gerechnet, dass wir wieder spielen. Das kam nicht infrage. Der Beruf und die Familie gehen vor. Der Beruf steht bei einer Ansteckung auf dem Spiel. Man muss sich nur mal vor Augen halten, wir im Kreis Unna sind dann seit zehn Wochen raus. Die Chancengleichheit ist nicht gegeben. Es macht keinen Sinn, im Januar direkt zu spielen. Das höchste der Gefühle ist Training. Wir sollten nicht auf Biegen und Brechen starten. Ich weiß nicht, ob es vertretbar ist, zu spielen.“

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Bülent Kara, Trainer SG Gahmen: „Da braucht man nur einmal eins rechnen. Es macht keinen Sinn, im Dezember zu spielen und dann wieder drei Wochen Pause zu haben. Unter den Umständen ist das ok. Es gibt Wichtigeres als Fußball. Ein Abbruch wäre eine Katastrophe für uns. Noch ein Jahr Kreisliga A zu spielen, wäre traurig. Wir wollen uns verdienen, aufzusteigen. Ich gehe davon aus, dass wir 50 Prozent der Spiele machen. Das geht auch, wenn wir erst im März anfangen. Aber die Pause hat auch etwas Gutes. Ich habe meine Frau kennengelernt. Dass kein Fußball ist, kommt den Frauen-Wünschen nach (lacht).“

Bülent Kara, Trainer der SG Gahmen, nutzt die spielfreie Zeit, um Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Bülent Kara, Trainer der SG Gahmen, nutzt die spielfreie Zeit, um Zeit mit seiner Familie zu verbringen. © Timo Janisch

Stefan Urban, Trainer SV Preußen: „Das war zu erwarten und hat mich nicht überrascht. Was anderes war nicht zu rechtfertigen. Es ist kein Spieler in Tränen ausgebrochen, weil er gedacht hat, dass wir wieder spielen könnten. Es hat schon vorher keinen Spaß gemacht. Mit noch mehr Leuten, die wegen der Auflagen keinen Spaß haben, macht es keinen Sinn. Aber mir kann man doch nicht erzählen, dass jeder - zum Beispiel bei Auswärtsfahrten im Bus - eine Maske auf hatte. Da packe ich mir an den Kopf, wenn ich dann noch Kabinenfotos gesehen habe. Es sagt ja auch keiner, dass man eine Tüte Chips am Tag essen sollte. Man kann sich auch so bewegen und fit bleiben. Auch, wenn bei uns nicht jeder abends Müsli isst und direkt ins Bett geht.“

Steven Koch, Trainer Westfalia Wethmar: „Wenn man vernünftig überlegt, hätte man drauf kommen können. Das ist für jeden verständlich. Für die Spieler, die im Winter wechseln, ist das natürlich schade, dass sie nicht mehr spielen können. Es ist jetzt schwierig, die Motivation hoch zu halten. Es wäre totaler Schwachsinn, wenn die Spiele im Januar wieder von jetzt auf gleich starten würden. Für den Wettbewerb wäre das scheiße. Prost Mahlzeit, falls die Saison ganz zu Ende gespielt werden soll und es deswegen viele englische Wochen gibt. Es sollte nur die Hinrunde gespielt werden.“

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Amel Mesic, Trainer TuS Niederaden: „Ganz ehrlich, das war doch klar. Man muss schon hinter dem Mond leben, blauäugig und naiv sein oder keine Nachrichten schauen, wenn man gedacht hat, dass wir wieder spielen dürften. Das macht keiner von meinen Spielern, soweit ich weiß. Die Zahlen sind hoch und es ist chaotisch. Ich glaube nicht, dass es im Januar wieder losgehen kann. Sollte es Lockerungen geben, sollte die Zeit zur Vorbereitung genutzt werden. Aber da habe ich kein Mitspracherecht. Die Saison sollte im März starten und in den Juni, Juli gehen. Es sollte nur die Hinrunde gespielt werden und dann eine Finalrunde für den Auf- und Abstieg geben. Wenn es geht, sollte aber die komplette Saison gespielt werden, mit einer verkürzten Sommerpause.“

Trainer Amel Mesic von der TuS Niederaden schlägt vor, dass die Saison erst im März weitergehen sollte.

Trainer Amel Mesic vom TuS Niederaden schlägt vor, dass die Saison erst im März weitergehen sollte. © Jura Weitzel

Christian Hampel, Sportlicher Leiter und Trainer Lüner SV: „Das war zu 100 Prozent so zu erwarten. Das überrascht mich nicht und war die richtige Entscheidung. Warum sollten wir außen vor sein und spielen dürfen? Ich hoffe, dass wir im Januar anfangen können zu trainieren. Anfang Februar soll es mit den Nachholspielen los gehen. Wir haben ja noch drei. Ende Februar sind dann alle auf einem Stand und wir können die Hinrunde bis Mai zu Ende spielen. Dann kann die Saison gewertet werden.“

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