Nach zahlreichen Telefonaten, Videokonferenzen und Abstimmungen steht die Empfehlung des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen - größtenteils. So reagieren Lünens Fußball-Vereine.

Lünen, Alstedde, Brambauer, Gahmen

, 03.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Verbands-Fußball-Ausschuss (VFA) des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW) hat „entschieden“. In Anführungsstrichen deswegen, weil diese Entscheidung eben nur eine Empfehlung des VFA an das Präsidium des FLVW ist. Mit dieser wird sich das Präsidium am Dienstag, 5. Mai, befassen, um dann für die Tagung der Ständigen Konferenz am Montag, 11. Mai, ein klares Bild zu haben.

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Final entscheiden wird ein außerordentlicher Verbandstag, der allerdings erst im Juni zusammenkommen wird. „Und wir werden uns auch erst dann freuen, wenn die endgültige Entscheidung vorliegt“, sagt Jürgen Kahl, Vorsitzender beim Fußball-A-Ligisten BW Alstedde. Die Empfehlung sieht vor, dass die Saison 2019/2020 abgebrochen, aber gewertet wird und es keine Absteiger gibt. Die Beschlussvorlage über die Aufsteiger wird der VFA bis Dienstag an das Präsidium geben. Hierbei müssen noch drei Varianten diskutiert werden: Quotientenregel, Hinrunden-Wertung oder der jetzige Stand (am Tag des Abbruchs, 13. März 2020).

Alle Kreisliga-Meister steigen auf

„Die zuständigen Rechtsexperten haben ganz klar formuliert, dass ein Saisonabbruch - auch bei höherer Gewalt wie der Corona-Pandemie - nicht zum Nachteil der Vereine gewertet werden soll“, sagte Manfred Schnieders in der Mitteilung des FLVW. Gelöst wird das Ungleichgewicht zwischen Ab- und Aufstieg durch zwei zusätzliche Bezirksligen (14 statt 12) und eine neue Landesliga (5 statt 4).

So sollen längere Fahrten und zu große Staffeln vermieden werden. „Die endgültigen Staffelanzahlen und die dazugehörigen Einteilungen können jedoch erst dann bestimmt und vorgenommen werden, wenn der VFA das Datum für einen neuen Saisonstart kennt“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Außerdem soll der Empfehlung nach die Anzahl der Aufsteiger von den Kreisligen in die Bezirksligen aufgerundet werden. „Die Relegationsspiele können nicht ausgetragen werden, so dass der halbe in einen direkten Aufstiegsplatz umgewandelt wird“, sagt Reinhold Spohn, Vorsitzender des VFA. Die Meister innerhalb der Kreisligen sollen in jedem Fall aufsteigen.

Keine Vorfreude in Alstedde

Das klingt aus der Sicht von BW Alstedde zunächst positiv. Zur Winterpause führten sie die Dortmunder Kreisliga A2 mit beeindruckenden elf Punkten Vorsprung einsam an. Es hätte für die Blau-Weißen ein perfektes Jahr werden können: Denn zugleich stünde in vier Wochen das hundertjährige Jubiläum in Alstedde auf dem Programm, das bereits viel Planung und Zeit in Anspruch genommen hatte.

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„Wir haben das Jubiläum schweren Herzens abgesagt“, sagt Kahl. Die Freude über den wahrscheinlichen Aufstieg ist ohnehin schon geschmälert, sich jetzt schon zu freuen und dann am Ende doch nicht aufgestiegen zu sein, möchte Kahl vermeiden. „Ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen gesehen. Ist einfach so, von daher warten wir definitiv ab“, sagt Kahl und ergänzt: „Aber es läuft ja in die richtige Richtung.“

Lob für den FLVW

Der Westfalenligist Lüner SV freut sich, „für die nächste Saison planen zu können“, so Peter Marx, zweiter Vorsitzender. Beim LSV trainieren die Spieler aktuell individuell. „Wir sind total froh, dass es fast eine klare Ansage gibt, dass die Saison auf jeden Fall abgebrochen wird“, sagt Marx. „Ich muss dem FLVW mit Lob ausstatten: Der erste Verband, der klare Aussagen getroffen hat.“ Positiv findet Marx auch, dass der FLVW die Vereine über die Saison abstimmen ließ, und „diese 88 Prozent genommen hat, um zu entscheiden.“

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Auch beim Bezirksligisten BV Brambauer findet die Empfehlung Anklang. „Nicht verkehrt. So hatten wir auch abgestimmt“, sagt Rainer Manns, Geschäftsführer beim BVB. „Aber das mit der Hinrunden-Wertung passt mir nicht, ich würde den jetzigen Stand nehmen“, sagt Manns. So oder so würde er sich freuen, „wenn es endlich wieder losgeht, auch wenn die Gesundheit natürlich vorgeht“. Ganz anders sehen die Gahmener die aktuelle Situation.

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Sagculu: „Was ist das für eine Gerechtigkeit?“

Für Musa Sagculu, zweiter Geschäftsführer beim A-Ligisten SG Gahmen, ist die Empfehlung mehr als unfair. In seiner Liga könnten neben Alstedde (1.) und Gahmen (2.) auch noch der VfB Lünen (3.) und Eving Selimiye Spor (4.) aufsteigen. „Wenn die Spiele gespielt worden wären, hätten die sich einen Kampf geliefert“, sagt Sagculu und ergänzt: „Jeden zweiten Tag kommt eine neue Empfehlung - was ist das für eine Gerechtigkeit?“

Denn er ist von der Idee, keinen Verein absteigen zu lassen, überhaupt nicht angetan. „Dann sollen die alle vier aufsteigen lassen und eine neue Bezirksliga-Staffel eröffnen“, sagt Sagculu weiter. Nach seiner Vorstellung würden diese dann zusammen mit den Absteigern der anderen Staffeln eine neue Staffel gründen. Auch in diesem Szenario wäre letztendlich niemand abgestiegen.

SV Preußen denkt schon weiter

Für den SV Preußen Lünen als Tabellenachter ist das Thema eigentlich nicht mehr wirklich aufregend. „Irgendwas müssen sie entscheiden, wir müssen und werden alles akzeptieren“, sagt Peter Serges, Geschäftsführer. „Über den achten Platz muss man nicht mehr viel nachdenken.“ Gespannt ist man hier auf die Maßnahmen, die in Verbindung mit der Wiederaufnahme des Spielbetriebes einhergehen werden. „Die gilt es dann ja auch umzusetzen, was Hygiene, die Nutzung der Toiletten usw. angeht.“ Preußen Lünen selbst hatte bei der FLVW-Abstimmung für die Annullierung der Saison gestimmt.

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