Lüner Originale: Rolf Nehling ist „Pfundskerl“ und verehrt den SC Freiburg

mlzRolf Nehling

Nichts nervt den Wethmarer Rolf Nehling mehr als faule Ausreden. Und die haben sich in seiner Karriere als Trainer und Sportlicher Leiter gehäuft. Ein Porträt des TWW-Urgesteins.

Lünen, Wethmar

, 24.09.2019, 10:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Omma zum dritten Mal gestorben“, sagt der 67-jährige Rolf Nehling, Sportlicher Leiter beim Fußball-Bezirksligisten TuS Westfalia Wethmar, und ärgert sich über eine beliebte Ausrede von Amateurfußballern, nicht zum Training oder zum Spiel kommen zu müssen. Eigentlich ist Nehling ein „ruhiger, ausgeglichener“ Mensch, sagt er über sich selbst. Aber nicht, wenn ihm jemand einen Bären aufbinden möchte. „Das kann ich überhaupt nicht haben. Ich bin ein sehr direkter und ehrlicher Mensch“, sagt der Vater zweier Töchter.

Und mit dieser Art kommt Nehling gut an. Verein, Spieler und Freunde schätzen ihn vor allem für seine Verlässlichkeit. „Ein Pfundskerl“, sagt Bernd Völkering, Jugendleiter in Wethmar. Völkering und Nehling arbeiten sportlich eng zusammen. Seine Begeisterung für die Jugendarbeit spiegelt sich in der Auswahl seines liebsten Bundesliga-Vereins wider. Seit knapp 20 Jahren verfolgt Nehling voller Ehrfurcht die Arbeit beim SC Freiburg. „Ich ziehe meinen Hut vor der tollen Arbeit in Freiburg – vor allem in der heutigen Zeit“, sagt der 1,83 Meter große Lüner.

Lüner Originale: Rolf Nehling ist „Pfundskerl“ und verehrt den SC Freiburg

Rolf Nehling (l.) arbeitet eng mit dem Jugendleiter Bernd Völkering (r.) zusammen. © Foto Goldstein

SC Freiburg vorbildlich für Nehling

Eine neue Mannschaft in der Bundesliga „zu formen und in der Liga zu halten“ sei schon „außerordentlich gut“. Er erinnert sich noch gut daran, wie er vor über 20 Jahren aus dem Italien-Urlaub zurückkam und auf dem Rückweg Halt in Freiburg machte. Ein paar Tage lang schaute sich Nehling intensiv in der Sportschule des Vereins um und war „begeistert“. Eine Begeisterung, die sich in seinem jahrzehntelangen Engagement in Lüner Vereinen wiederfinden lässt.

Seit 2011 freut sich Wethmar über die Zusammenarbeit mit Nehling: „Als Mensch ist er unglaublich wichtig für den Verein“, sagt Völkering. „Er tut immer mehr als alle anderen – auf ihn kann man sich verlassen.“

„Er zieht die Fäden im Hintergrund“

Eine gute Menschenkenntnis attestiert sich Nehling selbst. Diese Eigenschaft stellte er in der Saison 2017/2018 unter Beweis, als er interimsweise das Traineramt des scheidenden Simon Erling übernahm. Mitten im Abstiegskampf hatte Nehling besonders „an der Mentalität jedes Einzelnen zu feilen“, sagt Nico Stork, seit fünf Jahren Spieler beim TuS Westfalia Wethmar.

Von den übrigen elf Meisterschaftsspielen gewann Nehling mit der Westfalia sieben (zwei Remis) und holte 23 Punkte, die den Klassenerhalt sicherten. Stork: „Damals war viel Durcheinander im Kader, aber er zieht die Fäden im Hintergrund, hat immer ein offenes Ohr für jeden.“

Ab nach Russland

Die kurioseste Geschichte erlebte der Maschinenbautechniker, der seit drei Jahren seine Rente genießt, neben dem Platz. Mitte der 90er Jahre feierte er als Trainer mit dem SuS Derne den Aufstieg in die Bezirksliga mit einer Fahrt nach Danzig in Polen. Auf der Rückfahrt stellte Nehling nach gut zwei Stunden Fahrt fest, dass er sich mit seinen Mannen auf direktem Wege nach Russland befindet.

Von Allenstein (Olsztyn) fuhren die Aufsteiger wieder zurück nach Danzig. „Da stehen wir dann mit über 20 Mann um sieben Uhr morgens wieder in Danzig und der nächste Zug nach Berlin sollte erst wieder am Mittwoch fahren“, sagt Nehling. Für heute umgerechnet etwa 200 Euro habe ein „polnischer Kollege mit einem Bus“ die müden Männer nach Berlin gefahren.

Ohne Reservierung nach Derne

Ohne Zugreservierung ging es für den SuS Derne wieder zurück in die Heimat. „Und das gab dann noch Probleme mit dem Schaffner wegen des Sammeltickets“, sagt Nehling. Denn die Spieler waren aufgrund der fehlenden Reservierung überall im Zug verteilt.

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