Prekäre Personallage: Der Lüner SV muss das Testspiel gegen den ASC 09 Dortmund absagen.

mlzFußball

Beim ambitionierten Westfalenligisten Lüner SV ist die personelle Situation so heikel, dass sogar das Testspiel gegen Oberligist ASC 09 Dortmund abgesagt wird. Wie konnte es so weit kommen?

Lünen

, 19.07.2019, 16:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

So hatten sich der ehemalige Profifußballer Mehmet Kara und Ersin Ekiz den Start beim Fußball-Westfalenligisten Lüner SV mit Sicherheit nicht vorgestellt, als sie vor einigen Wochen als neue Co-Trainer bei den Rot-Weißen präsentiert wurden. Jetzt haben die beiden – zumindest vorübergehend – die volle Verantwortung für das Team aus der Kampfbahn Schwansbell. Vor allem Ersin Ekiz – bis vor kurzem noch Trainer der Lüner Bezirksliga-A-Jugend – bekam in den letzten Tagen zu spüren, dass der Cheftrainer Marc Woller, der Sportdirektor Christian Hampel und zahlreiche Lüner Stammspieler ausfielen.

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In einer ganz entscheidenden Phase der Saisonvorbereitung ist die personelle Lage beim ambitionierten Westfalenligisten aus der Lippestadt momentan so prekär, dass nun sogar das für Samstag, 20. Juli, angesetzte Testspiel gegen den Oberligisten ASC 09 Dortmund abgesagt werden muss. Es wäre der bisher stärkste LSV-Gegner in der Vorbereitung gewesen. Und das ausgerechnet, nachdem die Lüner bereits am Donnerstagabend dem zwei Klassen tieferen Bezirksligisten FC Nordkirchen deutlich mit 0:4 unterlegen waren.

Trainer Marc Woller und Sportdirektor Christian Hampel fehlen

„Wir wollen das Spiel absagen, denn wir haben zu viele Verletzte und Urlauber“, begründet Ekiz. Er habe diese Entscheidung getroffen nach Rücksprache mit Coach Woller, der im bereits vor seiner LSV-Verpflichtung festgemachten Familienurlaub verweilt, und mit Sportdirektor Hampel, der seit einigen Tagen mit einer Virusinfektion im Krankenhaus liegt.

„Uns stehen momentan nur wenige Stammspieler zur Verfügung. Es bringt niemanden weiter, wenn wir jetzt gegen einen fitten Oberligisten wie den ASC 09 spielen“, sagt Ekiz. „Auch den Aplerbeckern bringt es wenig. Und unsere Spieler müssten über sich hinaus wachsen, sodass das Risiko, dass sich jemand neu verletzt, einfach zu groß ist.“

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Der Lüner SV startet in die Vorbereitung

Mit diesen Spielern ist der Lüner SV am Sonntag in die Vorbereitung gestartet.
01.07.2019
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So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
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So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer
So war der erste Tag beim Training des Lüner SV. © Patrick Schröer

Angeschlagen, erkrankt oder im Urlaub sind neben Hampel und Trainer Woller, der Ende nächster Woche zurückkehrt, folgende Lüner Spieler: Daniel Mikuljanac, Matthias Drees, Matthias Göke, Alexander Ruscher, Volkan Ekici, Emre Yildiz, Philipp Herder, Noel Lahr, Emanuel Lucau, Yasin Acar, Phil Rosenkranz, Ömer Karsli, Sascha Ernst und Gianluca Reis. Selbst der spielende Co-Trainer Kara muss derzeit Antibiotika einnehmen und steht erst ab nächster Woche zur Verfügung.

Lüner SV hat nur zwischen acht und elf Mann beim Training

Und sein Trainerkollege Ekiz war sich nicht einmal sicher, ob seine Liste überhaupt komplett war. „Vielleicht habe ich noch jemanden vergessen“, sagt der 41-Jährige. Beim Training seien zwischen acht und elf Mann anwesend, so Ekiz. Und weiter: „Es ist nicht einfach. Wir ziehen unser Programm durch.“ Am Freitagabend gab es ein Auslauftraining nach dem Nordkirchen-Spiel. Am Sonntag werden zudem beim Heimspiel der Bezirksliga-Zweiten (15 Uhr, Schwansbeller Weg 7a, Lünen) einige Westfalenliga-Akteure mitspielen.

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Wie kann es überhaupt zu einer solchen personellen Notlage bei einem Westfalenligisten kommen? Ekiz versucht, eine Erklärung zu finden: „Die Urlaube standen vorher fest. Dann geschehen aber Verletzungen, mit denen man nicht rechnet. Und so kann es passieren, dass dann plötzlich 50 Prozent des Kaders fehlen.“

Zweiter Vorsitzender findet kurzfristige Kurzurlaube unglücklich

Der stellvertretende Vorsitzende Peter Marx möchte jedoch auch die Spieler nicht ganz aus der Verantwortung nehmen. „Wir sind zwar nicht im Profibereich. Doch es gibt Kurzurlaube, die wir nicht glücklich finden. Das stört in der Westfalenliga dann schon die Vorbereitung, wenn alles zusammenkommt“, so Marx. „Da wird es auch einige Gespräche geben.“ Lobende Worte findet der zweite LSV-Vorsitzende für Ekiz. „Er ist ganz kurzfristig Co-Trainer geworden und er macht seine Sache super.“

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Wie geht der Co-Trainer mit seiner neuen Verantwortung um? Ekiz: „Das war schon heftig, wenn man plötzlich bei vielen Sachen auf sich allein gestellt ist. Ich bekomme auch Unterstützung von Betreuern und Vorstand. Und ich bin richtig froh, dass ich nun auch Mehmet Kara an meiner Seite habe.“ Der Neuzugang von Rot-Weiß Ahlen möchte seine Oberliga-Erfahrung vor allem dazu nutzen, um als spielender Co-Trainer dem Lüner SV auf dem Spielfeld zu helfen.

„Es ist wichtig, die jungen Spieler und die Mannschaft zu führen. Das kann ich gut machen. Da ich ein paar Jahre höher gespielt habe, weiß ich, wie der Hase läuft“, sagt Kara. „Meine Hauptaufgabe wird es, auf dem Platz zu kommunizieren. Man hat am Donnerstag gegen Nordkirchen gesehen, dass die Abstimmung nicht gut war. Fehler wie in dem Nordkirchen-Spiel müssen wir abstellen.“

Es seien aber auch gute Ansätze erkennbar gewesen in dem Vorbereitungsspiel gegen den Bezirksligisten. „Man muss die Mannschaft in Schutz nehmen. Wir hatten nur 13 Spieler. Der Rest kam aus der zweiten Mannschaft. Die Hälfte des Kaders war nicht da. Das soll keine Ausrede sein, aber es wird besser, wenn die Jungs wieder zurück und fit sind.“ Ab nächster Woche wird Kara wieder belastbar sein und mitspielen.

Dennoch schwebt über allem die Frage: Welche Auswirkungen hat diese Misere auf den Saisonstart? „So eine Situation drei Wochen vor dem Meisterschaftsstart und zwei Wochen vor dem Westfalenpokal-Spiel gegen Menden ist nicht gut“, sagt Marx. Ich bin dennoch optimistisch, dass wir rechtzeitig eine schlagkräftige Truppe haben. Wir tun alles dafür, dass es besser wird.“

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Ekiz teilt diesen Optimismus: „Jeder einzelne Spieler im Urlaub macht seine Trainingseinheiten. Sie fangen nicht bei Null an, wenn sie zurückkehren. Wir haben noch 12 bis 15 Tage, in denen wir effektiv zusammenarbeiten müssen.“

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