Markus Poczkaj: Aus der Sonne Australiens in die harte Bezirksliga-Realität

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Dieser Einsatz war kein gewöhnlicher für Markus Poczkaj. Der Fußballer des BV Brambauer stand am Sonntag erstmals nach rund anderthalb Jahren wieder für den Bezirksligisten auf dem Platz.

Brambauer

, 19.03.2019, 10:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Markus Poczkaj wischte sich noch einmal durchs Gesicht. Ein Moment zwischen Genuss und höchster Konzentration. Dann ging es ab auf den Brambaueraner Kunstrasen, Poczkaj ersetzte in der 57. Minute den ausgelaugten Daniel Berger.

Lange ist es her, dass Poczkaj für den BVB die Schuhe schnürte. Denn beinahe ebenso lange war der Allrounder überhaupt nicht auf diesem Kontinent, geschweige denn in Deutschland oder Brambauer zugegen.

Poczkaj nahm sich eine anderthalbjährige Auszeit, die er zum Reisen nutzte. „Ich wollte, seitdem ich ein kleiner Junge war, schon immer eine längere Reise machen und schauen, wie die Kultur und Menschen im Ausland sind“, sagt Poczkaj. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherung und Finanzen. „Ich war mir nicht sicher, ob das der richtige Beruf für die Zukunft ist“, so Poczkaj. Also ging es nach Abschluss der Ausbildung gen Südosten.

„Habe die Freiheit gespürt“

Ganz oben auf Poczkajs Prioritätenliste stand Australien. Elf Monate verbrachte er in „Down Under“. ,,Als ich in Australien angekommen bin, habe ich die Freiheit gespürt. Ich habe unter Sternenhimmel geschlafen, einen Roadtrip die Ostküste entlang gemacht, bin surfen gewesen und habe viele neue Menschen aus anderen Ländern kennengelernt“, berichtet er.

Ein reiner Urlaub war Poczkajs Australien-Reise aber nicht. Drei Monate hat er als Bauarbeiter gearbeitet, zwei weitere Monate schuftete Poczkaj auf einer Zucchini-Farm. Für kurze Zeit schnürte er sogar für einen Verein in Melbourne die Fußballschuhe.

Das brachte ihm nach seiner Rückkehr nach Deutschland allerdings etwas bürokratischen Stress. Sein Trainer Jascha Keller berichtet: „Wir haben ihn am Freitag spielberechtigt bekommen.“ Zuvor musste allerdings nachgewiesen werden, dass Poczkaj in Australien nur Freundschafts- und keine Meisterschaftsspiele absolviert hat.

Von Australien führte der Weg Poczkaj allerdings nicht direkt zurück in den größten Lüner Stadtteil. Aufenthalte in Thailand, Kambodscha und Vietnam verzögerten die Rückkehr. „Ich wollte sehen, wie die Menschen dort leben und mehr von der Kultur erfahren. Die ganzen Tempel haben mich schon seit längerem wahnsinnig interessiert“, erzählt Poczkaj.

Bitteres Comeback

Wieder im Ligabetrieb angekommen, erwischte Poczkaj sofort die ganze Härte des Fußballsports. Der BVB führte 2:0 als er den Rasen betrat - und verlor mit 2:3, als der Schiedsrichter die Partie abpfiff. „Ich konnte es kaum erwarten, eingewechselt zu werden und für meinen alten Verein zu spielen. Natürlich war es ein doofes Gefühl, bei einem 2:0 ins Spiel zu kommen und dann noch 2:3 zu verlieren“, sagt der Pechvogel. „Für ihn ist das natürlich ganz bitter, auch wenn ihn persönlich null Schuld trifft“, weiß auch Trainer Keller um die unangenehme Situation für seinen neuen alten Schützling.

Der sagt: „Nach so einer Niederlage im Derby bleibt uns nichts andere übrig, als wieder aufzustehen und den Leuten aus Lünen zu zeigen, dass wir die Nummer zwei in Lünen sind. Davon bin ich weiterhin fest überzeugt.“ Die Liebe für den Verein blieb also auch in den trockensten Regionen dieses Planeten taufrisch.

Trainer Jascha Keller stellte Markus Poczkaj (r.) auf die Zehnerposition, wo er zur ersten Defensivreihe des BVB gehörte. Hier zwingt er Wethmars Andreas Kahlkopf ins Dribbling.

Trainer Jascha Keller stellte Markus Poczkaj (r.) auf die Zehnerposition, wo er zur ersten Defensivreihe des BVB gehörte. Hier zwingt er Wethmars Andreas Kahlkopf ins Dribbling. © Foto: Janisch

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