Mehmet Kara: „Eine gute Vorbereitung heißt gar nichts“

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Mehmet Kara gilt als einer der Königstransfers des Lüner SV in diesem Sommer. Bei den Rot-Weißen nimmt der 35-Jährige künftig eine Doppelrolle ein.

Lünen

, 30.07.2019, 14:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mehmet Kara (35) hat schon eine Menge in seiner fußballerischen Laufbahn erlebt, kickte unter anderem für den SC Paderborn in der 2. Bundesliga. Jetzt ist er beim Westfalenligisten Lüner SV aktiv. Wir haben mit ihm über die zerstückelte Vorbereitung, seine Doppelrolle als spielender Co-Trainer und seine Zukunftspläne gesprochen.

Herr Kara, Sie kennen unter anderem die 2. Bundesliga, die 3. Liga und den DFB-Pokal: Jetzt spielen Sie für den Westfalenligisten Lüner SV. Wie ist das Niveau im Vergleich?

Es ist nicht so, dass es riesige Unterschiede gibt. Es sind Kleinigkeiten in allen Bereichen - zum Beispiel taktische, körperliche oder individuelle Dinge. Ich selbst habe ja nie in der Bundesliga oder in der Champions League gespielt. Da sind die Unterschiede noch einmal größer. Klar ist aber, dass in der Westfalen- oder Oberliga fast alle Spieler noch arbeiten gehen. Die haben also eine Doppelbelastung. Ab der Regionalliga kann man sich aber ganz auf den Fußball konzentrieren.

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Am Wochenende haben Sie ihr Debüt im LSV-Dress gefeiert, einen Titel gesammelt und zwei Tore erzielt. Erklären Sie mal Ihr Erfolgsrezept.

Mit mir selbst hat das gar nicht so viel zutun. Wir haben eine sehr spielstarke Mannschaft, von der ich mir jetzt auch ein besseres Bild machen konnte. Ich bin sehr positiv von der Qualität überrascht. Die Jungs machen mir es einfach.

Den ersten Teil der Vorbereitung haben Sie verpasst. Warum?

Ich habe nur eine Woche mittrainiert, davor war ich zwei Wochen krank, hatte einen bakteriellen Infekt. Jetzt bin ich so bei 70 bis 80 Prozent.

Am Samstag steht im Westfalenpokal beim BSV Menden das erste Pflichtspiel an. Ist die Mannschaft nach der bisher zerstückelten Vorbereitung schon bereit dafür?

Ich denke schon. Schon vor dem Turnier und dem Spiel haben wir gut zusammen trainiert, man hat die Qualität gesehen. Wir sind bereit. Zwischendurch hatten wir leider nur sechs bis acht Mann beim Training. Das war eine Mischmasch-Truppe. Viele haben wegen Urlaub gefehlt. Das ist zwar ärgerlich, weil alle auf einmal geflogen sind, aber die Jungs gehen normal arbeiten und es ist auch deren Recht, in den Urlaub zu fliegen.

Geht es für Sie noch in den Urlaub?

Ja, ich fliege am Mittwoch in die Türkei und werde die ersten beiden Spieltage leider verpassen.

Der Verein hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, will aufsteigen. Inwieweit sind die Ziele durch die problematische Vorbereitung mit vielen Ausfällen gefährdet?

Ich glaube nicht, dass sie gefährdet sind. Wir müssen von Spiel zu Spiel gucken und wollen gut in die Saison starten. Ich bin lange genug dabei. Es gab in meiner Karriere schon Phasen, da hatten wir keine gute Vorbereitung gespielt, standen aber trotzdem oben - und umgekehrt. Eine gute Vorbereitung heißt gar nichts. Eine Vorbereitung ist dafür da, um Dinge zu testen und auszuprobieren.

Die Qualität im Kader ist durch die vielen Neuzugänge vor allem auf Ihrer Position im Mittelfeld hoch. Ist solch ein hoher Konkurrenzkampf förderlich – oder kann er eher die Stimmung im Team vermiesen?

Auf jeden Fall förderlich. Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich hätte lieber auf jeder Position zwei gleich starke Spieler - so ist es ja im Profibereich. Es ist aber sehr gut, dass wir dieses Luxusproblem haben.

Befürchten Sie denn nicht, dass es Stinkstiefel geben könnte, die meckern, wenn sie nicht spielen?

Ich bin jetzt über einen Monat hier. In der Mannschaft ist kein Stinkstiefel dabei. Das sind alles super Jungs, die sich unterordnen. Wenn wir zusammenhalten, können wir eine sehr gute Saison spielen.

Mehmet Kara: „Eine gute Vorbereitung heißt gar nichts“

Mehmet Kara hat für ein Jahr beim Lüner SV zugesagt. © Timo Janisch

Sie sind nicht nur Spieler, sondern auch zweiter Co-Trainer. Welche Aufgaben haben Sie als Co?

Meine Aufgabe ist es, die Dinge auf dem Platz anzusprechen, die der Trainer möchte. Außerdem fragt mich der Trainer auch nach der Trainingsbelastung. So bestimme ich also auch die Trainingssteuerung mit.

Sind das denn nicht auch Aufgaben des Kapitäns?

Der Kapitän hat ähnliche Aufgaben. Er muss die Jungs steuern, wenn es hektisch wird. Der Kapitän muss die Hektik aus dem Spiel nehmen und auch mal die Meinung sagen, wenn es nicht so gut läuft. Ich bin dann mehr für die taktischen Sachen auf dem Platz verantwortlich.

Das klingt ja fast so, als würden Sie sich für einen Trainerposten in der Zukunft vorbereiten.

Ja natürlich, ich möchte hier ein Jahr als Co-Trainer fungieren, Erfahrung sammeln und auch mal vor der Mannschaft sprechen. Ich möchte ein Gefühl dafür bekommen, wie es als Trainer ist.

Mehmet Kara: „Eine gute Vorbereitung heißt gar nichts“

Gemeinsam mit Ersin Ekiz (r.) hat Mehmet Kara zuletzt den im Urlaub weilenden Marc Woller vertreten. © Timo Janisch

Und dann?

Dann möchte ich im nächsten Jahr gerne eine eigene Mannschaft trainieren. Das kann überall sein, da bin ich offen für alles. Ich muss aber auch sagen, dass ich mich beim Lüner SV sehr gut aufgehoben fühle. Ich habe selbst bei höherklassigen Vereinen nicht so eine Vorstellung erlebt. Ich habe nun eine super Chance, von Marc Woller Erfahrung zu sammeln, um später dann meine eigene Philosophie entwickeln zu können. Die B-Lizenz habe ich schon, ich dürfte also bis Oberliga trainieren. Das Jahr in Lünen als spielender Co-Trainer ist nun wichtig für mich, danach darf ich weitermachen.

Also wollen Sie ins Profigeschäft?

Ja, das Profigeschäft ist mein Ziel. Ich möchte höherklassig trainieren. Jeder muss mal klein anfangen. Ich könnte zum Beispiel als Spielertrainer weiter fungieren. Ich fühle mich topfit.

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