Mike Piepenburg zum Kepa-Eklat: „Das hat Fremdschäm-Charakter“

mlzFußball in Lünen

Für Aufsehen hat am Wochenende Torwart Kepa gesorgt. Der Keeper vom FC Chelsea widersetzte sich seinem Coach und ließ sich nicht auswechseln. Das sagen Lüner Trainer und Torhüter dazu.

Lünen

, 26.02.2019, 15:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mike Piepenburg konnte es nicht fassen, als er die Szene im TV gesehen hatte. „Das hatte Fremdschäm-Charakter und war extrem respektlos“, sagt der Fußballtorhüter, der ab Sommer für den A-Kreisligsten SV BW Alstedde zwischen den Pfosten stehen wird. Was Piepenburg meint? Eine Szene, die sich im englischen Liga-Pokal-Finale zwischen dem FC Chelsea und Manchester City zugetragen hat.

Mike Piepenburg hat sich für das Verhalten Kepas geschämt.

Mike Piepenburg hat sich für das Verhalten Kepas geschämt. © Sebastian Reith

Was war passiert? In der Verlängerung, beim Stande von 0:0 kurz vor dem Elfmeterschießen, wollte Chelsea-Coach Maurizio Sarri seinen Torwart Kepa Arrizabalaga auswechseln. Der hatte sich vorab wegen Krämpfen behandeln lassen. Ersatzkeeper Willy Caballero sollte für ihn ins Spiel kommen. Der hatte im Ligapokal-Finale 2016 drei Elfmeter gehalten. Kepa blieb aber stur und verließ das Feld nicht. Sarri rastete an der Linie aus, Chelsea verlor das Elfmeterschießen mit 3:4.

Zu geringe Strafe?

Anfang der Woche waren Trainer, Spieler und Verein bemüht, Ruhe in die Angelegenheit zu bringen. Spieler und Trainer sprachen von Missverständnissen, am Dienstag belegte der Verein laut englischen Medienberichten Kepa mit einer Geldstrafe von 225.000 Euro. Piepenburg hält die Strafe fast für zu gering: „Ich denke, wenn Kepa nicht der teuerste Torwart der Welt wäre, dann würde er suspendiert werden und kein Spiel mehr machen. Von daher ist er noch gut weggekommen“, so Piepenburg über den 80-Millionen-Transfer.

Florian Fischer (r.) wünscht sich von Profisportlern „mehr Respekt“.

Florian Fischer (r.) wünscht sich von Profisportlern „mehr Respekt“. © Günther Goldstein

Auch Florian Fischer, Torwart beim Westfalenligisten Lüner SV, ärgerte sich über den Vorfall in England. Er kritisiert das Verhalten Kepas: „Ich war erschrocken darüber. Egal ob Torwart oder Feldspieler, wenn der Trainer einen zur Auswechslung bittet, dann hat man dem Folge zu leisten. Der Trainer ist der Boss“, so Fischer, der die Geldstrafe für angemessen hält. „Bei seinem Lohn ist das nicht ungerecht. Solche Leute sollten mal etwas über Respekt lernen, aber den kennen viele Profis nicht, weil sie in ihrer Blase leben“, sagt Fischer.

Das sagen die Trainer

Und wie sieht die Trainerseite aus Lünen das Verhalten? Dennis Gerleve, Coach beim B-Kreisligisten BV Lünen, hat weder in seiner Spieler- noch Trainerkarriere Erfahrungen mit solch einem Fall wie in England gemacht. Seine Meinung zu diesem Fall ist allerdings klar. „Das ist eine absolute Respektlosigkeit dem Trainer und der Mannschaft geenüber. Wenn man so etwas nicht hart bestraft, dann häuft sich das und gibt anderen Spielern natürlich Alibis“, sagt Gerleve, der es befürwortet, dass nach solch einem Verhalten auch die Mannschaft selbst aktiv werden müsse, um das intern zu klären.

Dennis Gerleve nimmt in einem solchen Fall wie mit Chelsea-Torwart Kepa auch die Mannschaft in die Pflicht.

Dennis Gerleve nimmt in einem solchen Fall wie mit Chelsea-Torwart Kepa auch die Mannschaft in die Pflicht. © Foto: Günther Goldstein

Der Lüner Coach Pascal Harder, der momentan den A-Kreisligisten GS Cappenberg trainiert, hält das Verhalten Kepas für eine „Untergrabung der Autorität des Trainers“. „Wenn ich wechseln möchte, dann hat der Spieler auch runterzukommen“, so die klare Meinung des GSC-Coaches. Bisher hat Harder noch keine Erfahrung mit solch einem Verhalten eines Spielers gemacht. Wenn es in Zukunft aber mal dazu kommen würde, dann würde Harder durchgreifen. „Ich würde für den Spieler, wenn er draufbleiben würde, dann hoffen, dass er zumindest noch ein oder zwei Tore schießt oder als Schnapper zwei tausendprozentige Chancen hält. Sonst würde es Stress geben“, so Harder.

Pascal Harder hält Kepas Verhalten für eine „Untergrabung der Autorität des Trainers“.

Pascal Harder hält Kepas Verhalten für eine „Untergrabung der Autorität des Trainers“. © Günther Goldstein

Jörg Lemke, Torhüter beim Bezirksligisten BV Brambauer, kritisiert den generellen Umgang mit diesem Vorfall. „Durch die sehr krass dargestellte Reaktion des Trainers hat die ganze Szene Überhand genommen. Hätte der Trainer sich vielleicht ruhiger und abgeklärter verhalten, dann wäre das ganze nie so durch die mediale Welt gegangen“, sagt Lemke, der sich dafür ausspricht, dass die Geldstrafe an „Bedürftige“ gezahlt wird. „Die können es gebrauchen“, so Lemke.

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