Mit viel Herzblut und Energie: So ist der Verein MiMa Sports entstanden und gewachsen

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Unter einen klassischen Breitensportverein fällt „MiMa Sports“ nicht wirklich. Zwei junge Geschäftsführer haben ein Projekt aus dem Boden gestampft und entwickeln es stetig weiter.

Lünen

, 24.05.2020, 11:54 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wenn Michael Gössing über seinen Verein spricht, den er mit seinem Jugendfreund Marco Mowinkel gegründet hat, muss er ziemlich oft ziemlich weit ausholen. Denn das, was sich hinter „MiMa Sports“ verbirgt, ist auf den ersten Blick nur ein Breitensportverein, aber in der Tiefe steckt dort ein durchdachtes und komplexes Konzept. MiMa, das steht für Michael und Marco. Und in dieses Projekt haben die beiden Männer in den vergangenen vier Jahren viel Herzblut und Energie gesteckt.

2016 hat alles mit einer simplen Idee angefangen, der Ballschule. Während eines Seminars an der Sporthochschule Köln hörte Gössing von diesem Programm und war sofort interessiert. Noch mitten im Studium kam der gebürtige Alstedder auf Mowinkel mit der Idee zu, auch in ihrer Heimatstadt Lünen solche Kurse, die sportartübergreifend angelegt sind, anzubieten. Und dabei speziell mit Schulen und Kitas zusammenzuarbeiten.

Darin liegt auch schon die erste Besonderheit bei MiMa Sports. Während andere Klubs oft nur mit einigen wenigen Partnern Kooperationen eingehen, spezialisiert sich der Verein ganz besonders auf die Breite. Das funktioniert auch deshalb so gut, da die Männer im Laufe der Jahre von externen Übungsleitern auf feste Angestellte umstellten, die somit viel mehr Zeit haben.

Umfangreiches Portfolio im Angebot

Aus der Ballschule heraus haben die Geschäftsführer dann ihre ganz eigene Geschichte entwickelt, das Sportkarussell. Ein Programm mit dem Ziel, Kindern den Einstieg in verschiedene Sportarten zu bieten. „Viele Kids machen entweder die Sportart, die auch die Eltern oder Geschwister betreiben, oder entscheiden sich für Klassiker wie Handball oder Fußball. Wir wollen ihnen aber die ganze Bandbreite zeigen und somit Interesse wecken“, erklärt Gössing.

Aus der Ballschule heraus sind weitere Angebote wie das Sportkarusell entstanden.

Aus der Ballschule heraus sind weitere Angebote wie das Sportkarusell entstanden. © MiMa Sports

Mima erweiterte das Portfolio zusätzlich um den Pausensport, der in den großen Mittagspausen der weiterführenden Schulen angeboten wird. Daraus ist anschließend im Zuge der Flüchtlingswelle die Sprachschule entstanden, die Grundlagen der deutschen Sprache über den Sport vermitteln soll. „Wir wurden von unseren Partnern angesprochen, da sie einige Migranten mit Förderbedarf bei sich hatten.“ Zusammen mit einem Team aus Lehrern, Sozialpädagogen und Sportwissenschaftlern wurde dann ein passendes Programm ausgearbeitet.

Bei all der Bandbreite an Sportarten, die MiMa Sports anbietet, gilt der Verein nicht als Mehrspartenverein und hat zudem keinen Wettkampfbetrieb. Zwei Aspekte, die MiMa erneut von klassischen Breitensportvereinen abhebt. Doch dieses Konzept auch an den Mann zu kriegen, war zu Beginn für Gössing und Mowinkel schwieriger als gedacht. Der Standort Lünen als alte Heimat stand von vornherein fest.

Durch Freunde und Bekannte war bereits ein gewisses Netzwerk vorhanden. Doch irgendwann mussten die Geschäftsführer den Schritt wagen auch Fremde von den Angeboten zu überzeugen. „Mit einem traditionelleren Namen wie TuS oder SV wäre der Start wohl einfacher gewesen“, schätzt Gössing. Bis heute müssen sie immer wieder erklären, was hinter ihrem Konzept steht. „Viele finden es interessant, verstehen es aber erst bei detaillierter Vorstellung.“

Junge Mitarbeiter bei Ideenfindung mit dabei

Bei ihrer Arbeit im Verein denken Gössing und Mowinkel immer wieder an die Zukunft und die liegt für sie derzeit unter anderem im E-Sport. Ihr Ansatz: Zocken mit realem Sport verbinden. „Wer 60 Minuten bei einer E-Sport-AG mitmacht, muss gleichzeitig auch bei einem Sportkurs teilnehmen“, erklärt Gössing das Konzept. Bei solchen neuen Ideen binden die Geschäftsführer ihre Mitarbeiter oft mit in die Planung und Entwicklung mit ein. „Wir setzen viel daran, dass auch junge Menschen in Vereinen neue Ideen vorschlagen und keine Angst vor dem Vorstand haben müssen.“ In Teamsitzungen werden dann die Ideen von allen beachtet und in der Runde weitergedacht. Neben aktuell sechs Vollzeit- und vier Teilzeitkräften stellen die Männer auch immer wieder Praktikanten, Freiwilligendienstler und Minijobber ein.

Das Team rund um MiMa Sports ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Aktuell arbeiten vor Ort sechs Fest- und vier Teilzeitangestellte.

Das Team rund um MiMa Sports ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Aktuell arbeiten vor Ort sechs Fest- und vier Teilzeitangestellte. © MiMa Sports

Nach vier Jahren kommen Gössing und Mowinkel auf über 200 Mitglieder, davon 180 Jugendliche. Und insgesamt 30 Kooperationspartner stehen auf der Liste. Manche von ihnen, wie die Caritasschulen, sind seit der ersten Stunde mit dabei. „Wir wollten von Anfang an als zuverlässiger und vor allem langfristiger Partner zur Verfügung stehen“, erklärt Gössing. Ein Projekt, was die beiden Männer rückblickend viel Arbeit und Nerven gekostet hat.

Zählen könnte der 27-Jährige die Stunden nicht, die er während des Studiums und seines Jobs dafür aufgebracht hat. „Dann müsste ich auch die Zeit dazurechnen, die ich nachts wach gelegen und an neue Ideen gedacht habe.“ Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Phasen mit Höhen und Tiefen. Und nicht nur einmal haben sich die Männer gefragt: „Warum machen wir das hier eigentlich?“ Doch dann kamen wieder Erfolgserlebnisse und der Ärger war vergessen.

Coronakrise setzt MiMa Sports ziemlich zu

So euphorisch Michael Gössing auf die vierjährige Entwicklung des Vereins blickt, so bitter ist aktuell die Lage für MiMa Sports. Denn trotz finanzieller Unterstützung vom Land NRW setzt die Coronakrise allen Beteiligten sehr zu. Da sie hauptsächlich mit Schulen und Kitas zusammenarbeiten, die lange Zeit geschlossen waren, musste der Verein seine Angebote von 100 auf 0 herunterfahren.

Und auch jetzt, wo viele der Kooperationspartner langsam wieder die Türen für Kinder und Jugendliche öffnen, können mehr als die Hälfte der Kurse nicht durchgeführt werden. Macht nun diese Krise alles kaputt, was sich Gössing und Mowinkel mit viele Energie seit 2016 aufgebaut haben? „Wir müssen jetzt ums Überleben kämpfen. Und das, ohne zu wissen, wie wir da wieder rauskommen. Das macht uns natürlich auch Angst“, erklärt Gössing.

Eigentlich war schon mit der Ausschreibung eines Ausbildungsplatzes der nächste Schritt geplant. Das liegt nun erst einmal auf Eis. Und auch Kooperationen stehen derzeit auf der Kippe. Mit Partnern, die durch die Krise unsicher geworden sind oder die den eigenen Betrieb noch nicht wieder so hochgefahren haben, das Sport-AGs wieder auf der Agenda stehen. Nun bleibt für den Verein nur die Hoffnung, dass alles bald wieder der Normalität ähnelt und das Herzensprojekt von Gössing und Mowinkel auch nach der Krise noch Bestand hat und weiterentwickelt werden kann.

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