Vom Praktikanten in den Profi-Bereich: Das ist der Weg zum Fußball-Scout

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Das größte Hobby zum Beruf machen und Fußballspiele gegen Bezahlung schauen. Für viele ein Traum. Scouts leben ihn. Das ist der Weg zum Fußball-Scout.

Lünen

, 09.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jonas Boldt hat es vorgemacht. Abgeschlossenes BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Sportmanagement, zwei Praktika bei Bundesliga-Clubs, im Anschluss die ersten Einsätze als Fußballscout im Ausland. Boldt feierte den Durchbruch wie sonst kaum einer vor ihm.

Boldt reiste damals, kurz nach seinem Studium und Praktika beim FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen, durch Südamerika, wollte eine neue Sprache und Kultur kennenlernen.

Boldts erster Coup legte eine Weltkarriere hin

Leverkusen nutzte dies, denn zur selben Zeit fand die südamerikanische U20-WM-Qualifikation in Chile statt. Der junge Boldt schaute sich das Spiel der Chilenen an und entdeckte einen talentierten, aber etwas zu langsamen Arturo Vidal auf der Linksverteidiger-Position.

Bayer hatte Bedarf auf der Seite und verpflichtete den jungen Chilenen. Ein Geniestreich und Boldts erster Coup. Vidal legte eine Weltkarriere hin, Boldt ebenfalls einen beachtlichen Weg. Im Anschluss ging es schnell für den gebürtigen Nürnberger: erst Scout in Leverkusen, dann Chefscout, im Anschluss sogar Sportchef des Fußball-Bundesligisten.

Arturo Vidal (l.) war die erste große Entdeckung von Jonas Boldt als Fußball-Scout. Vidal spielte bereits für den FC Bayern München und Juventus Turin. Mittlerweile ist der Chilene beim FC Barcelona unter Vertrag.

Arturo Vidal (l.) war die erste große Entdeckung von Jonas Boldt als Fußball-Scout. Vidal spielte bereits für den FC Bayern München und Juventus Turin. Mittlerweile ist der Chilene beim FC Barcelona unter Vertrag. © dpa

Boldt bewies ein feines Gespür für junge und talentierte Spieler, ebnete sich so seinen Weg nach oben bei der Werkself.

„Dafür gibt es keinen Leitfaden. Früher war es ja oft ein ehemaliger Fußballer, aber das hat sich längst verändert. Im Grunde kann es jeder erlernen.“
Jonas Boldt, Sportvorstand Hamburger SV

Doch wie kommt man in das Scouting-Geschäft? „Dafür gibt es keinen Leitfaden. Früher war es ja oft ein ehemaliger Fußballer, aber das hat sich längst verändert. Im Grunde kann es jeder erlernen“, sagte der 38-Jährige Boldt im Interview mit „Spox.com“.

Vor allem eine Sache ist nötig als Scout

Mark Elbracht würde diesen Satz so sofort unterschreiben. Der Gründer der Plattform „Amateurscout.de“ nennt nur ein Kriterium für das Sichten von Spielen, Teams und Spielern: Fußballaffinität. „Es gibt keine Einstiegskriterien. Es ist total schwierig zu sagen. Was man nicht sagen kann: Der Ex-Fußballer oder Ex-Trainer ist besonders geeignet und der Amateurfußballer nicht“, erklärt Elbracht.

Jeder nimmt das Spiel, die Aktionen von Spielern und jegliches Geschehen auf dem Grün unterschiedlich wahr.

Mark Elbracht ist Gründer der Plattform Amateurscout.de.

Mark Elbracht ist Gründer der Plattform Amateurscout.de. © Stephan Schuetze

Aus diesem Grund hat Elbracht die Plattform „Amateurscout.de“ ins Leben gerufen. Dort können alle, die Interesse haben, ihre Scouting-Expertise unter Beweis stellen. Spiele und Gegner scouten. Über das Bewertungs-Prinzip kann dann festgestellt werden, wie die Arbeit des Scouts von den Vereinen wahrgenommen wird.

Von der Kreisliga C bis zur Oberliga. Guckt sich jemand ein Spiel an, kann er sich seine Notizen machen und diese hinterher in das Analyse-Tool auf Elbrachts Plattform eintragen. Wie hoch verteidigt ein Team? Wie reagiert es unter Druck? Wie agieren die Spieler?

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Vereine können für die Analyse zu einem Spiel bezahlen, der Scout sich so etwas dazu verdienen. „Letzten Endes bestimmt der Scout, was er für die Analyse haben will. Da muss der Scout für sich kalkulieren“, erklärt Elbracht.

Fahrtkosten, Eintritt und Aufwand gehören dazu. Eine Analyse kann nach einem Spiel auch mal mehrere Stunden dauern.

Mit guten Analysen in der kommenden Spielzeit und regelmäßigen Buchungen über Elbrachts Plattform Amateurscout könnte ein erster Schritt in die Scouting-Branche getan werden. Wie weit es dann gehen kann, liegt im Ungewissen.

Es gibt nicht den einen Weg zum Scout

„Bei manchen läuft der Weg über das Sportstudium, bei manchen über Verbände, manche waren Sichter beim DFB, manche waren Trainer, andere haben sich als Praktikanten bewiesen. Es gibt in dem Sinne keine klare Ausbildung oder einen Karriereweg“, erklärte Konstantin Georgiadis, Scout des VfL Wolfsburg, in einem Interview mit „sportbuzzer.de“.

Zurück zu Boldt: Bei ihm fing es nach seinem Studium mit zwei Praktika an. Mittlerweile ist der 38-Jährige Sportvorstand des Hamburger SV in der 2. Bundesliga. Ein steiler Aufstieg, der mit zwei Praktika begann und Boldts Weg zum Scout bis hin zum Sportchef bei einem Profi-Verein ebnete.

Einfach unvorhersehbar.

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