So sehen Lüner Trainer und Ex-Trainer die Zukunft der SG Wattenscheid

mlzSG Wattenscheid 09

Dass sich der ehemalige Bundesligist SG Wattenscheid 09 aus der Regionalliga West zurückzieht, hat für viel Aufruhr und Trauer gesorgt. Wir haben ehemalige SG-Spieler aus Lünen befragt.

Lünen, Brambauer

, 24.10.2019, 15:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SG Wattenscheid zieht sich nach der Insolvenz aus der Fußball-Regionalliga zurück. „Für mich war das klar, dass es so kommt“, sagt Mario Plechaty, Ex-Trainer des Lüner SV. „Hinter einem Regionalligaverein muss eine große Firma mit den nötigen finanziellen Mitteln und einem Konzept stehen.“

Aktuell trainiert Plechaty den Westfalenligisten FC Iserlohn 46/49, nachdem er bis zur Saison 2018/2019 für den Lüner SV tätig war. Die SG Wattenscheid sei ohne den Unternehmer und ehemaligen Sportlichen Leiter Klaus Steilmann, unter dem Plechaty in den 90er-Jahren als Spieler in die zweite Bundesliga aufstieg, ohnehin zum Scheitern verurteilt gewesen.

„Wattenscheid war Steilmanns Baby. Der hatte den Verein damals top organisiert und ihn gelebt“, sagt Plechaty. Schade findet er den Rückzug aus der Regionalliga dennoch und wünscht sich für Spieler und Trainer gute Lösungen. „Gerade für sie und auch für den Trainer, der da eine super Arbeit macht, tut es mir leid, aber es hat halt nicht funktioniert.“

„Der Verein war Klaus Steilmann“

„Vielleicht ist halt die Oberliga das Maximale, was sich der Verein finanziell leisten kann“, sagt Jascha Keller, Trainer beim Bezirksligisten BV Brambauer. Keller durchlief bei der SG Wattenscheid die B- und A-Jugend, spielte dann auch noch sechs Jahre im Seniorenbereich. Zu seiner aktiven Zeit habe er bereits mehrfach auf sein Spielergehalt verzichtet, weil der Verein immer wieder in Geldnot geriet.

Mit geografisch eng beieinanderliegenden Konkurrenten wie dem FC Schalke 04, dem BVB oder dem VfL Bochum, sei für Keller ohnehin klar, dass die Regionalliga das „Höchste der Gefühle ist“.

André Alter aus Brambauer teilt Kellers Meinung, dass der Abgang von Wattenscheids Ikone Klaus Steilmann den Verfall der SG eingeleitet hat. „Die glorreichen Zeiten waren mit Steilmann. Der Verein war Klaus Steilmann“, sagt Alter, der für die Wattenscheider zehn Bundesligaspiele im Tor bestritt. „Danach wurde es schwierig.“ Dass der Verein mitten in der Saison eine solche Meldung verkünden muss, macht ihn nicht nur traurig: „Wie kann man eine Saison planen und dann im Oktober kein Geld mehr haben? Das finde ich abenteuerlich.“

Jugendarbeit „Prunkstück des Vereins“

Immerhin verkündete die SGW, dass der Spielbetrieb für die Jugendabteilung für die aktuelle Saison gesichert sei. Eine Nachricht, die für viele Fans nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. „Vielleicht kein Trostpflaster für die Fans, aber so kann es vielleicht nochmal was werden“, sagt Alter. Denn im Zweifelsfall würde sich seiner Meinung nach ein Spieler eher für Wattenscheid und seine „Bomben-Infrastruktur“ entscheiden.

Doch auch in den Jugendabteilungen hatte der Ex-Regionalligist in den vergangenen Jahren abgebaut: „Zu meiner Zeit war die Jugendarbeit das Prunkstück des Vereins und alle Mannschaften spielten in der Bundesliga“, sagt Keller. Aktuell spielen die A- und D-Junioren in der Bezirksliga, die B-Jugend in der Landesliga sowie die C-Junioren in der Westfalenliga.

Alexander Lüggert, Co-Trainer beim Oberligisten Hammer SpVg, war überrascht und erschrocken über den Rückzug der ersten Mannschaft, freut sich aber über die Zusage für die Jugend: „Ich hoffe, dass da kompetente Kräfte übernehmen. Wattenscheid war immer ein guter Ausbildungsverein.“ Auch er findet die Entwicklung traurig und hofft darauf, dass „das Logo zurück in den Amateurfußball findet.“

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