Verliebt in Football

American Football

Eigentlich wollte Sascha Koch nur einen Freund zum Training begleiten. Dass sich daraus eine Leidenschaft entwickelte, hatte Koch nicht gedacht.

Brambauer

von Von Patrick Schröer, Sebastian Reith und David Döring

, 02.02.2018, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Wenn man einmal hier ist, dann lässt man nicht mehr los“, sagt Sascha Koch über seine Leidenschaft

„Wenn man einmal hier ist, dann lässt man nicht mehr los“, sagt Sascha Koch über seine Leidenschaft

Als Kind ist er mal dem Fußball hinterhergerannt. Das klappte bei den Minikickern des BV Brambauer aber nur mit mäßigem Erfolg. „Dafür hatte ich einfach zwei linke Füße“, sagt Sascha Koch und lacht. Auch Wasserball und Tennis packten den 24-jährigen Dortmunder, der über 20 Jahre in Brambauer gewohnt hat, nie so richtig. Im Teenageralter hörte er mit beiden Sportarten auf. Aber so ganz ohne Sport ging es für Koch dann auch nicht. Vor acht Jahren hat er etwas Neues, etwas Verrücktes ausprobiert. Er besuchte, gemeinsam mit einem Kumpel, ein Probetraining bei den Dortmunder Giants – ein Footballverein – und verliebte sich sofort.

„Beim American Football reizt mich der Zusammenhalt im Team, den ich so in keiner anderen Sportart erlebt habe. Wenn man einmal hier ist, dann lässt man nicht mehr los“, sagt Koch. Seit nunmehr acht Jahren gehört Koch zum Team der Dortmunder Giants, das momentan in der dritthöchsten deutschen Footballliga, der Regionalliga, um Punkte kämpft. Koch ist Quarterback im Team, also Dreh- und Angelpunkt im Offensivbereich eines Footballteams. Über den Quarterback gehen in der Regel die Spielzüge beim American Football.

Mittlerweile interessiert sich Koch auch für die ganz Großen des Sports. Er verfolgt regelmäßig die Nations Football League (NFL), hat sogar einen Lieblingsspieler. Koch eifert gerne seinem großen Vorbild, dem Quarterback Drew Brees von den New Orleans Saints, nach. „Alleine weil er auch so ein abgebrochener Riese ist, so wie ich. Der Mann ist keine 1,80 Meter groß und hat es trotzdem geschafft, sich bei den Profis durchzusetzen. Er spielt seit Jahren konstant und ist einer der Besten, die das Spiel je gespielt haben“, sagt Koch, der mit 1,80 Meter etwas größer als sein Vorbild ist.

Höhepunkt am Sonntag
Beim Super Bowl, dem Football-Höhepunkt in den USA, wird Koch sein Vorbild aber nicht anfeuern können. Im Finale der NFL-Saison in Minneapolis treffen am Sonntag, 4. Februar, die New England Patriots und die Philadelphia Eagles aufeinander. Einen Favoriten hat Koch, der das Spiel gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen in seiner Wohnung schauen will und dabei pro Kopf rund ein Kilogramm Chicken-Wings verdrücken wird, aber trotzdem. „Ich hoffe, dass die Eagles gewinnen. Ich bin jetzt nicht so der riesen Patriots-Fan, deswegen gönne ich es den Eagles – gerade weil sie so eine super Saison gespielt haben. Deswegen hoffe ich ein bisschen, dass sie das Underdog-Wunder schaffen und gegen die großen, bösen Patriots gewinnen“, sagt Koch.

Dass die Popularität des Mega-Events aus den USA auch nach Deutschland überschwappt und hierzulande großen Anklang findet, wundert Koch nicht wirklich. „Das ist ganz klar den Übertragungen im Free-TV geschuldet. Da ist ein riesiges mediales Ereignis draus geworden. Dazu haben sie mittlerweile eine unglaublich große Reichweite gekriegt, was sehr, sehr gut ist für unseren Sport, da auch wir merken, dass immer mehr junge Leute für die U16- und U19-Mannschaften kommen, aber auch an den Spieltagen selbst sind immer mehr Leute da, die sich dafür interessieren“, so Koch.

Dortmund ist kein Einzelfall. Deutschlandweit ist ein Aufwärtstrend erkennbar. Noch vor zehn Jahren waren knapp über 30.000 Mitglieder beim American-Football-Verband Deutschland organisiert. Zehn Jahre später sind es doppelt so viele. In der Bestandserhebung 2017 des Deutschen Olympischen Sportbundes hat American Football erstmals über 60.000 Mitglieder. Die Sportart wächst rasant – um im Schnitt 7 Prozent pro Jahr.

Mit seinen Giants möchte Koch im Sommer gerne wieder aufsteigen. Zuletzt waren die Dortmunder in die dritte Liga abgestiegen. Priorität hat für den 24-Jährigen aber zunächst, dass er gesund und fit bleibt. „Letzte Saison hatte ich in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss und mehrere andere Sachen im Knie und bin deshalb ausgeschieden“, sagt er. Zeit, fit zu werden, hat Koch noch. Der Ligabetrieb startet erst Mitte April.

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