VfB Lünen-Coach Mark Bördeling: „Die Regel ist für mich ein Witz!“

mlzKarten für Trainer

Seit dieser Saison können die Fußballtrainer bei auffälligem Verhalten mit Karten bestraft werden. Momentan wird diskutiert, ob es auch Sperren für Trainer gibt - ein Stimmungsbild.

von Niklas Dvorak

Lünen

, 31.07.2019, 12:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit dem 1. Juli 2019 gelten neue Regeln im Fußball - in den Profi- und Amateurligen. Darunter gibt es jetzt auch Karten für die Trainer, die sich während eines Spiels nicht angemessen benehmen können. Zurzeit diskutiert die Deutsche Fußball-Liga (DFL) über eine Sperre für Trainer, die in der Saison mindestens drei Gelbe Karten gesammelt haben.

Ermahnung, Verwarnung, Feldverweis: Diese drei Möglichkeiten haben Schiedsrichter künftig, wenn sich ein Teamoffizieller auf oder vor der Bank nicht „verantwortungsbewusst“ verhält. Denn so wie es den Spielern ergeht, die nach fünf Gelben Karten für ein Spiel gesperrt werden, soll es bald auch den Trainern ergehen. Vielleicht aber schon nach drei Gelben Karten. Wir haben mit Lüner Fußballtrainern über die neue Regelung gesprochen und gefragt, inwieweit sie ihre Emotionalität am Seitenrand ändern müssen, beziehungsweise ändern werden.

FLVW-Vorsitzender klärt auf

Christian Ritter, Vorsitzender des Kreisfußballausschuss FLVW, gibt Einblicke in das neue Regelwerk und klärt auf, was sich noch ändern könnte: „Die Durchführungsbestimmungen für die jetzige Saison stehen fest. Wenn sich die DFL dafür entscheidet, den Trainern eine Sperre zu geben, wenn sie drei Gelbe Karten gesammelt haben, dann kann das erst in der nächsten Saison eingeführt werden. Bekommt ein Trainer in dieser Saison die Rote Karte in einem Spiel, muss er den Innenraum verlassen und sich hinter die Bande stellen, ist für das nächste Spiel aber nicht gesperrt, sondern kann am nächsten Spieltag ganz normal am Seitenrand coachen. Die Karten werden normal im Spielbericht festgehalten, wie vorher auch schon, wenn der Schiedsrichter einen Trainer verwarnt hat.“ Diese Regel betrifft sowohl Profi- als auch Amateurfußball. Doch was sagen die Trainer zu den Änderungen im Regelwerk?

Kein Zuspruch von den Trainern

Pascal Harder, Trainer des A-Ligisten Grün-Schwarz Cappenberg, kann die Änderungen verstehen, gleichzeitig aber nicht ganz nachvollziehen: „Einerseits ist die neue Regelung nicht ganz verkehrt. Aber manchmal vergreifen sich auch die Schiedsrichter im Ton und werden dafür nicht bestraft. Es wird immer gesagt, dass die Schiedsrichter geschützt werden müssen. Wenn man sieht, was in anderen Kreisen mit einigen Schiedsrichtern passiert, kann ich verstehen, dass man die Schiedsrichter mehr schützen möchte. Aber es gibt auch einige Unparteiische, die die Trainer und Spieler wie Vollasis behandeln. Die können machen, was sie wollen. Ich denke, dass der Kapitän und der Trainer mehr Freiheiten haben sollen, um mit den Schiedsrichtern reden zu können.“

VfB Lünen-Coach Mark Bördeling: „Die Regel ist für mich ein Witz!“

Pascal Harder stimmt zu, dass die Schiedsrichter geschützt werden müssen, doch sieht auch negatives an der Änderung. © Foto: Patrick Schröer

Mehr Spielraum für die Schiedsrichter

Also eigentlich ändert sich nicht viel für die Trainer. Der ein oder andere Schiedsrichter wird vielleicht im Spiel die ein oder andere Karte mehr zeigen, als in den vorherigen Saisons: „Die Karten können für noch mehr Verwirrung sorgen, vielleicht sollte man nur die Strafe erhöhen. Der Spielraum für die Schiedsrichter wird durch die Karten noch größer“, so Harder.

Die Karten werden aktuell noch symbolisch für das Vergehen gezeigt. Die Rote Karte gilt als Platzverweis, der vor der Saison noch verbal deutlich gemacht wurde. „Da hat sich jemand von Oben wieder ein paar Gedanken gemacht. Für mich ist die Regel ein Witz. Man sollte es so handhaben wie bisher auch. Anscheinend sollen die Trainer immer weniger mit dem Schiedsrichter kommunizieren dürfen“, sagte Mark Bördeling, Trainer des A-Ligisten VfB Lünen 08. Viel Zustimmung bekommt die neue Regelung nicht von den Lüner Trainern.

Woller ist ein Kandidat für viele Karten

Auch der Coach des Westfalenligisten Lüner SV - Marc Woller - hält von der Neuerung nichts: „Man muss den Trainer auch verstehen, der hat nur die Möglichkeit von Außen Einfluss auf das Spiel zu nehmen und schreit deswegen einige Sachen rein. Ich finde die Regelung nicht gut. Ich bin sowieso ein emotionaler Typ und in der neuen Saison wahrscheinlich ein Kandidat für ein paar Gelbe Karten. Aber noch gibt es ja keine Sperre für zu viele Karten“, so Woller.

Andreas Przybilla, Trainer von Bezirksligist TuS Westfalia Wethmar, sieht das relativ gelassen und wird sich wegen der Karten nicht verändern: „Wenn die Sperre durch die Karten erst in der neuen Saison eingeführt werden soll, interessiert diese mich jetzt noch nicht. Ich bin ein emotionaler Typ, sehe aber kein Problem, durch die neue Regelung. Ich werde weiter so an der Seitenlinie agieren, wie ich es sonst auch gemacht habe. Man kann es nicht so gut vergleichen, wie mit der Bundesliga. Dort gibt es eine Verwarnung, wenn der Trainer die Coaching Zone verlässt. In den meisten Spielen wird keine Coaching Zone abgesteckt.“

Anders ist das beim Lüner SV in der Westfalenliga. Marc Woller hat jedes Spiel eine Coaching Zone und darf diese nicht verlassen, ansonsten gibt es eine Karte: „Ich muss da jetzt viel häufiger drauf achten, da ich sehr emotional bin und auch mal die Zone verlasse“, so Woller abschließend.

VfB Lünen-Coach Mark Bördeling: „Die Regel ist für mich ein Witz!“

Marc Woller lebt an der Seitenlinie von seinen Emotionen. © Timo Janisch

Ob es für die kommende Saison eine Sperre für zu viele Gelbe Karten oder eine Sperre für eine Rote Karte gibt, entscheidet sich am 21. August. Dann trifft die DFL die finale Entscheidung.

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