Vor 100 Jahren entstand Lünens erster Fußballplatz und der erste Mehrsparten-Verein

Fußballplätze

In diesem Mai jährt sich der erste Bau eines Lüner Sportplatz zum 100. Mal. Der neue Sportplatz brachte eine große Vereins-Fusion und legte den Grundstein für die Entstehung des Lüner SV.

von Dirk Buschmann

Lünen

, 17.05.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Heute spielt der Lüner SV in der Kampfbahn Schwansbell. Doch das war nicht immer so.

Heute spielt der Lüner SV in der Kampfbahn Schwansbell. Doch das war nicht immer so. © Günther Goldstein

Lünen im Mai 2020: Ein halbes Dutzend Sportanlagen ziert die Stadt, aber niemand darf wegen des Coronavirus momentan darauf spielen. Kaum vorstellbar, dass es vor genau 100 Jahren genau anders herum war: Jeder durfte Sport treiben, aber es gab nur einen Sportplatz dafür. Um das zu ändern, schufen drei lokale Klubs den ersten echten Großverein der Stadt - ein Vorläufer-Projekt des Lüner SV.

Lünen im Mai 1920: Krieg, Revolution, Spanische Grippe - die Jugend hatte heute vor 100 Jahren vom ewigen Elend genug und entdeckt ein neues Hobby: den Fußball. Überall wurden neue Vereine gegründet, allein im Bereich der Lüner Innen- und Altstadt waren vier Klubs gemeldet. Doch es gab ein großes Problem - der Fußballplatz fehlte.

Der Arbeitersport, die katholische DJK Union 03 und der Spielklub Lünen-Nord mussten ihre Heimspiele dort austragen, wo seit 1905 der Ballsportverein zuhause war: Am Schützenhof in der Cappenberger Straße. Groß genug zwar, aber für Sport ungeeignet. Nach damaligen Berichten war es ein Kirmesplatz aus Kieseln und Schlamm, bei Regen mit Pfützen übersät.

Spielabsagen und -abbrüche waren die Regel. In der damaligen Lüner Zeitung schimpfte die Presse wöchentlich auf die Untätigkeit der Stadt. „In Unna, Hamm, Dortmund werden vorbildliche Spielmöglichkeiten geschaffen, warum bei uns nicht? Gebt uns endlich Sportplätze“, gab es zu lesen.

Drei ältere Vereine teilten sich den „Schützenhof“: Der Turnverein Eintracht von 1862, der Turnverein Westfalia 1892 und eben der BSV. Die Turner hatten eigene Mannschaften im Faustball und Schlagball aufgestellt, alle drei Klubs übten regelmäßig Leichtathletik. Im Mai 1920 verkündete die Lüner Zeitung den Zusammenschluss der drei Vereine zu Lünens erstem Mehrsparten-Großverein:

Die „Allgemeine Turn- und Ballspielvereinigung Lünen 62/05“ war geboren, kurz ATBV. Das Ziel des Vereins war es, „die Ausübung des Sports auf gemeinsame Grundlagen zu stellen.“

1920 wurde der erste Lüner Mehrsparten-Verein gegründet

Doch das genügte der ATBV nicht: In Wethmar - im Winkel Dorf- und Münsterstraße, wo heute die Schneider-Paas-Straße verläuft - wurde ein Behelfs-Sportplatz angelegt. Denn der Schützenhof wurde grundlegend umgebaut. Ruhrbesetzung und Inflation zogen die Arbeit in die Länge, aber 1924 war der Sportplatz Schützenhof fertig: Eine Luftaufnahme von 1926 zeigt das dunkel gedeckte Sportfeld mit etwas hellerer, schmaler Laufbahn. In diesem Zustand blieb der Schützenhof bis zum Umbau von 1955.

Jetzt lesen

Der erste Lüner Mehrsparten-Großverein hielt nur vier Jahre: Schon 1924 wollte die Deutsche Turnerschaft ihre alte Vormachtstellung zurück erzwingen und verlangte die „reinliche Scheidung“ aller Turner von jenen Sportlern, die nicht zur DT gehörten. Dies zielte auf den Fußball, der bekanntlich im DFB zuhause war. Die Fußballer spielten also ab 1924 wieder als BV Lünen 05 weiter - doch sonst änderte sich nichts. Beide Klubs kooperierten eng auf dem Schützenhof.

Die „ATBV Lünen 62“ betrieb neben Turnen, Leichtathletik und Ringen auch weiterhin Faustball und Feldhandball und behielt ihren Namen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Dann wurde sie auf Geheiß der Siegermächte mit vier anderen Vereinen - BV 05, SC Lünen-Nord 1919, TuS Germania 03 und der BSG Zeche Viktoria - zum „Lüner Sportverein“ fusioniert.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt