Vor zehn Jahren verschwand am Triftenteich ein Lüner Fußballverein

mlzFußball

36 Jahre Vereinsgeschichte und mehrere Mannschaften verschwanden am Triftenteich einfach. Dort wirkten viele bekannte Lüner Fußballer mit, überstanden sogar einen Brand des Vereinsheims.

Lünen

, 30.06.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rolf Nehling, Milan Mikuljanac, Reuf Zulfic - es sind bekannte Lüner Namen, die einst am Triftenteich Verantwortung übernahmen. Vor zehn Jahren verschwand dort der Platz und mit ihm 36 Jahres Vereinsgeschichte.

Zum Abschluss holten sie sich noch einmal den Derbysieg. Mit einem 3:1 bei der SG Gahmen verabschiedete sich der FC Lünen nicht nur aus der Fußball-Kreisliga A3 Dortmund - sondern gänzlich aus dem Spielbetrieb. Maik Küchler erzielte den letzten Treffer für den FC, der mit einem Planwagen zum Abschiedsspiel reiste.

Lange lag der Verein mit der Stadt Lünen im Clinch. Der Platz am Triftenteich sollte bebaut werden, es gab Streit über die weitere Nutzung des FC-Vereinsheims. Dies wurde nach langem Ringen und großen Anstrengungen 1984 fertiggestellt. Im April 2004 brannte das Vereinsheim, es entstand ein hoher Schaden. Trikots, Spielerpässe und Vereinsakten fingen Feuer.

Wiederaufbau erfolgreich

Nur zehn Monate später eröffnete das Vereinsheim, das dem FC gehörte, wieder. Nach der Saison 2009/2010 würde aber endgültig Schluss sein am Triftenteich, machte die Stadt frühzeitig klar. „Es ist wieder einmal deutlich geworden, dass für Politik und Verwaltung Bürgerwille keine große Bedeutung hat“, sagte FC-Vorsitzender Christian Skaletz dieser Zeitung im März 2010. Zwei Senioren- und drei Jugendmannschaften absolvierten da gerade ihre letzten Spiele, nur die Altherren wollten weiter unter dem Namen FC Lünen 74 spielen.

In der Gaststätte Essik in Gahmen gründeten neun Fußballer am 31. Mai 1974 den Verein. Hermann Blank wurde erster Vorsitzender des neuen Vereins. 1982 gelang der Aufstieg in die Kreisliga B. Besonders für Furore sorgten damals die Brüder Frank und Jochen Exner. Sie gewannen 1981 beziehungsweise 1982 die Torjägerkanone der Ruhr Nachrichten - Frank sogar mit 56 Toren.

Wilfried Mertens führt den Klub in die Kreisliga A

Später sollte Rolf Nehling, heute bekannt als Sportlicher Leiter und Macher des TuS Westfalia Wethmar, den FC in die Kreisliga A führen. Nehling scheiterte, Wilfried Mertens machte den Aufstieg 1996 perfekt. Unter Mertens marschierte der FC fast in die Bezirksliga durch. 1999 scheiterte der Verein bei den Hallenstadtmeisterschaften erst im Finale.

2003 - Nehling hatte wieder das Traineramt übernommen - rutschte der FC wieder in die Kreisliga B. Dort stand man ohne Coach da, Milan Mikuljanac übernahm. Unter dem heutigen Sportlichen Leiter des VfB Lünen als Spielertrainer kehrte der Verein 2004 in die A-Liga zurück. Dort übernahm Reuf Zulfic das Traineramt.

Erik Sobol schmiss wenige Wochen vor dem Ende des Spielbetriebs beim FC Lünen als Trainer hin.

Erik Sobol schmiss wenige Wochen vor dem Ende des Spielbetriebs beim FC Lünen als Trainer hin. © Günther Goldstein

Die letzten drei Jahre in der Vereinsgeschichte hatte Erik Sobol das Sagen an der Seitenlinie. Der trat Anfang April 2010 nach einem 0:6 beim TuS Eving-Lindenhorst II zurück - und informierte darüber schon während des Spiels den Vorsitzenden Skaletz. „Das war Arbeitsverweigerung, was da abgegangen ist. Ich war am Rand noch nie so hilflos. Ich war wütend und traurig, hatte die Tränen in den Augen“, sagte Sobol. Die Grün-Gelben rissen sich trotz des feststehenden Aus nach Saisonende zusammen und hielten sportlich die Klasse. Sobol und viele andere FC-Spieler zog es anschließend zum TuS Niederaden.

Das Vereinsheim verkaufte der FC im Oktober 2012 schließlich doch für 125.000 Euro an die Stadt Lünen. Dort, wo der Verein einst seine Heimspiele austrug, ist in der Zwischenzeit bereits der „Wohnpark am Triftenteich“ entstanden. 2015 fusionierte der FC Lünen 74 schließlich mit dem BV Lünen 05.

Für den FC Lünen spielten damals: Gillner – Baumgardt, Persighe, Kitzerow, Kowalski (70. Bochon), Strauß, Malaschewski, Küchler, Pauer, Vinken, Denz (46. Naß)

Tore: 0:1 Küchler (20.), 0:2 Kowalski (60.), 1:2 Oguz (69.), 1:3 Küchler (90.)

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt