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Der Lüner SV ist mittlerweile seit Jahren die klare Nummer eins im Lüner Fußball. Doch wer nimmt das Vakuum dahinter ein? Der BV Brambauer oder der TuS Westfalia Wethmar?

von Timo Janisch, Niklas Dvorak

Brambauer, Wethmar

, 14.03.2019 / Lesedauer: 6 min

Lange Jahre hat es gedauert. Nun läuft er wieder: der Meisterschaftskampf in der Fußball-Bundesliga. Bayern München hat wieder einen Konkurrenten. Borussia Dortmund fordert den FC Bayern heraus. Wer die Nummer eins in Deutschland wird? Unklar.

Deutlich klarer wird der Blick, wenn man die Frage nach der Nummer eins für die Fußball-Stadt Lünen stellt. Der Lüner SV zieht seit mehreren Jahren einsam seine Kreise als klassenhöchster Verein der Stadt. Seit dem Abstieg des BV Brambauer aus der Landesliga in der Saison 2014/2015 ist der LSV klassenhöchste Mannschaft. Mittlerweile spielen die Rot-Weißen in der Westfalenliga.

Ähnlich spannend wie das Meisterrennen in der Bundesliga ist in Lünen die Frage nach der fußballerischen Nummer zwei. In der Bezirksliga konkurrieren der TuS Westfalia Wethmar und der BV Brambauer um die Vorherrschaft in der Stadt. Sie sind neben dem LSV die einzigen beiden Mannschaften, die überkreislich spielen. Am Sonntag (15 Uhr, Am Freibad, Lünen) treffen sie direkt aufeinander. Die Ausgangslage könnte ausgeglichener nicht sein: Brambauer und Wethmar sind punktgleich und Tabellennachbarn. Ein guter Zeitpunkt also, um anhand von fünf Faktoren zu klären, wer Lünens Nummer zwei ist.

Historie: Blickt man auf die Vergangenheit beider Vereine, stellt sich die Frage nach der Nummer zwei nicht. Der BV Brambauer ist der einzige Verein in Lünen, der eine ähnlich erfolgreiche Geschichte hinter sich hat, wie der Lüner SV. Lange Jahre spielten die Brambaueraner in der Westfalenliga und teilweise noch höher. Erst in der Spielzeit 2013/2014 stieg der BVB aus der Westfalenliga ab. Jascha Keller, aktueller Trainer der Brambaueraner, weist auf längst vergangene Zeiten hin: „Von der Historie her ist der BVB sogar mal die Nummer eins gewesen.“ „In den letzten Jahren befand sich der BV Brambauer auf dem Weg nach unten“, sagt Stephan Polplatz, zweiter Vorsitzender der Westfalia.

Weniger glorreich ist die Vergangenheit der Wethmarer. Die spielte sich vor allem in der Kreisliga A ab – und zwar noch im Altkreis Lüdinghausen. Unter dem erfolgreichen Trainer Alexander Lüggert schaffte die Westfalia 2011/2012 dann den Aufstieg in die Bezirksliga. „Wenn man die ältere Garde fragt, kommt bestimmt dabei raus, dass sich beide Mannschaften sehr angenähert haben. Man hätte nie gedacht, dass ein damaliger Verbandsligist mit einem A-Ligisten auf einem gleichen Level ist“, sagt der damalige Aufstiegstrainer Lüggert heute. In der Bezirksliga spielte der TWW nur 1978 und in den 1990er-Jahren, höher ging es nie hinaus. In der Bezirksliga 8 haben sich die Grün-Weißen längst etabliert, schnupperten sogar mehrfach schon am Aufstieg, scheiterten teilweise in der Relegation. „Wir haben eine klare Entwicklung gemacht. Seit zehn bis zwölf Jahren sind wir positiv gestimmt, sowohl sportlich als auch was die Infrastruktur anbelangt“, sagt Bernd Völkering, Jugendleiter der Westfalia.

Auch wenn die Entwicklung der vergangenen Jahre beide Vereine in die gleiche Liga geführt hat: Der BV Brambauer blickt auf die deutlich erfolgreichere Historie zurück.

Wer ist die Nummer zwei in Lünen?

BVB-Kapitän Joel Razanica: „Beim BVB spielen Spieler aufgrund ihrer Liebe zum Verein und nicht wegen anderen Dingen.“ © Foto: Timo Janisch

Einzugsgebiet: Eine geografische Nähe beider Vereine innerhalb Lünens ist nicht gegeben. Brambauer liegt als abgeschiedener Ortsteil ganz im Westen, ist zudem nahe am Dortmunder Stadtteil Brechten und an Waltrop gelegen. Der Ortsteil Wethmar dagegen gehört zum Lüner Norden, der Platz an der Wehrenboldstraße liegt im Wethmarer Westen, nicht unweit des Ortsteils Nordlünen.

In puncto Einzugsgebiet sind die Brambaueraner in ganz Lünen konkurrenzlos. 19.423 Einwohner zählt der Stadtteil laut Statistik der Stadt (Stand: 31.12.2018) und ist damit die klare Nummer eins in Lünen. Hinzu kommt das immer noch stellenweise existente „Wir-Gefühl“ in Brambauer. Lünen-Nord rangiert mit knapp 10.000 Einwohnern weit dahinter auf Platz zwei. Ortsteil Wethmar zählt laut Statistik nur knapp 5000 Einwohner. Die Ressourcen an möglichen Vereinsmitgliedern und Sponsoren sind in Brambauer also deutlich größer. Die Erfolge und Zahlen der Vereine müssen auch in Relation dazu gesehen werden. Nichtsdestotrotz hat der BVB die deutlich größeren Möglichkeiten.

Mitglieder: Etwas überraschend liegt Westfalia Wethmar deutlich vor dem BV Brambauer, was die aktuellen Vereinsmitglieder angeht. 989 Mitglieder zählt der TWW in seinen Fachschaften Fußball, Breitensport und Leichtathletik. 680 davon sind Teil der Fußball-Fachschaft. Die Jugendlichen stellen mit 377 Mitgliedern den etwas größeren Anteil.

Beim BV Brambauer waren es mal über 600 Mitglieder – aber das ist mittlerweile ein paar Jahre her. Bis zur Eröffnung des neuen Vereinsheimes mit angeschlossenem Kabinentrakt mussten sich alle Kicker des BVB für mehrere Jahre in eigentlich provisorischen Containern umziehen. „Das hat uns zurückgeworfen. Wir müssen jetzt gucken, dass wir wieder welche dazu kriegen“, sagt BVB-Geschäftsführer Rainer Manns. Den aktuellen Mitgliederstand beim BVB verriet er auch: 482 Menschen sind derzeit Mitglieder beim BV Brambauer, 269 davon gehören zum Jugendbereich des Vereins. In absoluten Zahlen ist Wethmar hier also die Nummer eins. Setzt man die Daten in Relation zum Einzugsgebiet der Stadtteile, geht dieser Punkt also deutlich an die Westfalia.

Wer ist die Nummer zwei in Lünen?

Ex-Wethmar-Trainer Alexander Lüggert: „Ich sehe im Moment den BV Brambauer als Lünens Nummer zwei.“ © Thomas Schulzke

Jugendarbeit: Die Fußballszene Lünens ist nicht für ihre starke Jugendarbeit bekannt. Nur vier Jugendmannschaften der zehn Vereine spielen in einer Liga oberhalb der Kreisliga A. Zwar holen der SV Preußen und BW Alstedde auf, doch die klare Nummer eins im Lüner Jugendbereich ist noch immer Westfalia Wethmar. 18 Jugendmannschaften stellt die Westfalia in dieser Saison, die A- und C-Junioren spielen in der Bezirksliga. Teilweise stellt der TuS bis zu drei Mannschaften pro Altersklasse. „Seit ein paar Jahren haben wir sogar die Mikrokicker, die ab einem Alter von zwei Jahren bei uns trainieren können. Seit dieser Saison stellen wir erstmalig sogar eine Mädchenmannschaft, die super angenommen wird und stetig wächst. Ich freue mich, dass wir trotz der Probleme, die jeder Amateurverein hat, so wachsen und gut funktionieren“, sagt ein stolzer Jugendleiter Völkering. Dass Wethmar die Nummer eins in der Jugendarbeit ist, sieht auch Stephan Polplatz so: „Bei der Jugendführung haben wir die Nase vorne, aber in anderen Vereinen in Lünen wird ebenfalls gute Arbeit geleistet.“

Der BV Brambauer gehört nicht dazu. Der BVB stellt aktuell neun Jugendteams – halb so viele wie der TWW –, keins davon spielt überkreislich. Klare Strukturen im Jugendbereich des Vereins sind nicht erkennbar, hier ist Wethmar um Längen voraus. Klarer Punkt für die Westfalia. Aber kommt das auch den Seniorenmannschaften zugute? „Als Jugendleiter hoffe ich natürlich, dass der Anteil an Wethmarer Jungs in den Seniorenmannschaften bleibt, wenn nicht sich sogar erhöht“, sagt Vökering.

Wer ist die Nummer zwei in Lünen?

Christian Wantoch von Rekowski: „Meinem Empfinden nach ist Brambauer der größere Verein.“

Trend: Brambauer spielt aktuell das vierte Jahr in der Bezirksliga. Wethmar ist mit seiner derzeit siebten Saison in dieser Liga längst ein Gesicht der Spielklasse. Drei Mal feierte der TWW in dieser Zeit die Vize-Meisterschaft. Zuletzt fiel der TuS allerdings in das Liga-Mittelfeld zurück. In der vergangenen Saison lief es unter Lüggert-Nachfolger Simon Erling nicht rund, in dieser Spielzeit stotterte in den ersten Spielen nach Verletzungssorgen der Motor. „Wir kommen zurzeit immer besser ins Rollen, deswegen landen die drei Punkte am Sonntag bei uns in Wethmar“, sagt TuS-Kapitän Nico Stork.

Der BVB hat sich mittlerweile in der für ihn neuen Liga zurechtgefunden. Unter Trainer Jascha Keller entfachten die Brambaueraner erstmals nach dem Abstieg wieder Aufbruchsstimmung und spielten eine gute Saison. Seit Sommer folgten darauf einige Unruhen im Vereinsumfeld, die mittlerweile erledigt scheinen. Insgeheim hat sich der BVB aber wohl mehr ausgerechnet als den derzeitigen zehnten Tabellenplatz. Langfristig – so scheint es – orientieren sich beide Mannschaften eher in Richtung Landes- als Kreisliga. Nun aber sind beide Teams erstmal Tabellennachbarn im grauen Mittelfeld der Bezirksliga.

Brambauers Trainer Keller, den es einst durch einen Kontakt seines Ex-Vereins TuS Heven zum damaligen Sportlichen Leiter des BVB, Werner Smuda, zu den Schwarz-Weiß-Roten verschlug, hat aber erstmal eine andere Vermutung – und die spielt sich in der Bezirksliga ab. „Ich halte es nicht für völlig ausgeschlossen, dass sich eine weitere Lüner Mannschaft in der Bezirksliga etabliert.“ Dann stellt sich vielleicht erneut die Frage: Wer ist Lünens Nummer zwei? Aktuell lässt sich darauf keine objektiv richtige Antwort finden. Eventuell sorgen ja die 90 Minuten am Sonntag für Aufklärung.

Wer ist die Nummer zwei in Lünen?

Wethmars Kapitän: Nico Stork: „Wir kommen zurzeit immer besser ins Rollen, deswegen landen die drei Punkte am Sonntag bei uns.“ © Günther Goldstein

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