Wie Daniel Schulte-Kump den Burnout bezwang

Sportlerporträt

Er zählte mit zur Elite des deutschen Kanusports und stand am Anfang einer erfolgreichen beruflichen Karriere. Dann stürzte er ab ins Nichts. Jetzt erzählt Daniel Schulte-Kump, wie er seinen Burnout überstand. Ein Porträt.

LÜNEN

von Von Bernd Janning

, 18.10.2011, 12:48 Uhr / Lesedauer: 3 min
Daniel Schulte-Kump greift nicht nur im Kanu wieder an.

Daniel Schulte-Kump greift nicht nur im Kanu wieder an.

Der Kanute schaffte es und blickt zurück, lässt Einblicke zu, um anderen zu helfen:"Ich bin jetzt fast auf den Tag genau 30 und ein halbes Jahr alt", fängt er an. Seit über 20 Jahren betreibt er den Kanusport als Leistungssportler, eine Aufgabe, die locker die Trainingsintensivität eines Bundesliga-Kickers übertrifft. Der Kanu- und Skiclub Lünen war für ihn fast immer sein Verein. Er wechselte einmal zur besser aufgestellten KG in die Großstadt Essen und wurde im K2 - das ist das schmale Zweier-Boot - Deutscher Meister. 2004, wieder in der Heimat, wurde er im K2 DM-Vize.Es kam für einen jungen Mann, der auch ohne aktiven Sport überleben will, das, was kommen musste: Berufseinstie und Karriere.

Fünfeinhalb Jahre schien dem Kanuten wieder nur die Sonne ins Boot, schienen sich die Paddel, die sonst den Körper schindeten, zu vergolden. Windsurfschule im holländischen Elburg, Arbeit mit schwer erziehbaren Kindern der Klasse fünf bis 13, Studium. 2007 folgten die Glückwünsche zur Selbständigkeit als Personaltrainer. 2008, ein sehr gutes Abschneiden mit den Lüner Kanuten bei der Westdeutschen Meisterschaft. Alles lief wie selbstverständlich. Zur Qualifikation für die Nationalmannschaft war er gemeldet.

Dann kam im Februar 2009 das Aus. Für vier Monate. Der Körper rebellierte, schützte sich, statt hinter 93, auf einmal hinter 109 kg – mehr Fett, weniger Muskeln. Im Dezember 2008 zählten 30-km-Trainingsläufe noch zum Alltag. Im Mai 2009 war Schulte-Kump schon nach einem Spaziergang von nur 20 Minuten platt. Aus als Kanute, kein Diplom. Doch Schulte-Kump gab sich kämpferisch: "Ich wollte wieder zurück", so der Athlet. War der erste Versuch der Selbständigkeit - sein Gesundheitszentrum musste er nach nur elf Monaten schließen - früh gescheitert, so schloss er im Januar 2010 in seinem Fachbereich Gesundheits- und Fitnessmanagement als Diplom-Sportwissenschaftler ab.

Mit Matthias Mork im Boot schlug er im letzten Jahr bei der "Westdeutschen" sogar den für Essen startenden Weltmeister Jonas Ems aus Hamm. Es war einer von einem halben Dutzend Titel auf dieser Ebene. Schulte-Kump: "Es glückte der Befreiungsschlag. Ich wollte früher alles und habe mich übernommen. Ich blieb in einem Loch hängen." Seit Januar diesen Jahres existiert seine neue Firma, Alia Sports. Das Wort Alia stammt aus dem Lateinischen und heißt "und andere". Schulte-Kump übersetzt es mit "auf anderen Wegen". Für sich und seine Firma wirbt der Kanute auf Flyern: "Mobiles Personaltraining sowie Fitness und Gesundheitsmanagement" heißt es dort. Schulte-Kump: "Ich biete eine persönlich abgestimmte Betreuung. Durch verschiedenste Praktiken und wissenschaftliche Ansätze sollen Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht werden."

Kooperationspartner sind Invita Aktiv in Aachen und auch Vita Gesundheit in der Lüner Mersch. Vorsorgende Arbeitgeber vertrauen mehr und mehr ihre Mitarbeiter dem Sportwissenschaftler an. Und dieser muss auf dem Wasser des Lippe-Seiten-Kanals wieder reichlich Kraft und Lebensfreude getankt haben. "Das erste Mal seit sieben Jahren steige ich wieder voll ins Wintertraining ein." Für Kanuten heißt dies, auch dann noch zu paddeln, wenn die Finger abfrieren. In diesem Jahr gab es schon, knapp geschlagen, Platz drei bei der Westdeutschen im K2 und K4. Schulte-Kump ging jetzt sogar unter die Buch-Autoren. Jetzt erscheint ein Buch über Burnout mit dem Titel "Nicht nur Stars und Sternchen haben Burnout, sondern auch Menschen wie du und ich", an dem er als Co-Autor beteiligt war. Vielleicht kann der Mann, der sich selbst aus dem Sumpf zog, damit auch andere Leidesgenossen retten.

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