Zwei Trainer, eine Geschäftsidee und viele Träume

Trainingscamp für junge Talente

Auf der ganzen Welt träumen Millionen junger Menschen von der großen Fußball-Karriere. Wenige haben das Talent, den Willen und das Glück, um es zum Profi zu schaffen. Mit Alexander Lüggert und Sebastian Krug wollen zwei Trainer aus Wethmar vor allem ausländischen Spielern auf dem Weg in den Profifußball helfen. Ihre "One Touch Football Factory" ist in jedem Fall ein ungewohntes Geschäftsmodell.

WETHMAR

, 06.04.2016, 16:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
Den Traum fest im Blick: Die Talente versprechen sich durch das Training bei Alexander Lüggert einen Qualitätssprung.

Den Traum fest im Blick: Die Talente versprechen sich durch das Training bei Alexander Lüggert einen Qualitätssprung.

Als Robert Michael Alexe den Dortmunder Signal Iduna Park betrat, spielten sich die Szenen vor seinen Augen automatisch ab: "Ich habe mir vorgestellt, selbst eines Tages unter dieser Atmosphäre zu spielen", sagt der 22-Jährige. Alexe stammt aus San Antonio in Texas, USA. Seinen Traum aber verfolgt er im westfälischen Lünen, auf dem Kunstrasenplatz des TuS Westfalia Wethmar am Cappenberger See.

Alexe ist zu Gast in der "One Touch Football Factory", gegründet durch Alexander Lüggert (34), Trainer der Wethmarer Bezirksliga-Fußballer und ausgestattet mit der DFB-Trainer-Lizenz, und dessen Co-Trainer Sebastian Krug (31).  Das Geschäftsmodell: Junge Fußballer aus aller Herren Länder erhalten in Wethmar bis zu zwei Trainingseinheiten täglich. Sie wohnen im Haus Lüggert an der Dorfstraße, werden dort verpflegt und im deutschen Alltag unterstützt. Lüggert und Krug organisieren ein Rahmenprogramm, besuchen mit den Nachwuchsfußballern das Training und Spiele von Bundesligisten und das DFB-Museum in Dortmund. 

Hoffnung auf Probetraining

Zudem verschafft das Trainer-Duo den Talenten Probetrainings bei höherklassigen Klubs. Über die nötigen Kontakte verfügen Lüggert und Krug. Letzterer betreibt die Sportmarketing-Agentur Westhouse Sports, spielte selbst in der Oberliga. Lüggert trainierte den damaligen NRW-Ligisten SG Wattenscheid, arbeitete für Zweitligist VfL Bochum als Scout und in diversen Fußballschulen.

"Die Idee dazu hatte ich schon länger", sagt Lüggert. "Nicht alle meine Ideen lassen sich umsetzen. In dem Fall hatte ich aber das Gefühl, es könnte funktionieren." Bislang nutzte Wethmars Coach die Kapazitäten im eigenen Hotel nur für die Westfalia. Der US-Amerikaner Cody de Grood und der Südkoreaner Joo Seung Oh wohnen dort, spielen sonntags unter Lüggert in der Bezirksliga. Der Trainer betont: "Die Jungs, die bei uns sind, haben Ambitionen." Denn: "Der deutsche Fußball unterscheidet sich stark von dem in anderen Ländern. Schon in der Oberliga lässt sich gutes Geld verdienen."

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Fußball: Trainingscamp für Talente in Wethmar

Alexander Lüggert, Trainer des Bezirksligisten Westfalia Wethmar, und sein Co-Trainer Sebastian Krug wollen jungen Spielern helfen, dem Traum vom Profi-Fußball näher zu kommen und bieten Trainingscamps an. Kostenlos machen sie das natürlich nicht. Ob die Idee auch geschäftlich taugt, muss sich noch zeigen.
05.04.2016
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Dehn- und Kräftigungsübungen sind fester Bestandteil des Trainings.© Foto: De Grood
Schuss- und Passübungen gehören natürlich auch zum Training.© Foto: De Grood
Alexander Lüggert (v.l.) und Sebastian Krug verfolgen die Übungen.© Foto: De Grood
Krug (v.l.), hier mit Parnell Hegngi, mischt auch selbst mit.© Foto: De Grood
Alexander Lüggert hat seine Schützlinge im Blick.© Foto: De Grood
Dehn- und Kräftigungsübungen sind fester Bestandteil des Trainings.© Foto: De Grood
Parnell Hegngi wartet auf den Ball.© Foto: De Grood
Abseits des Trainings gibt es Ausflüge: Omar Cisneros (r.) traf beim S04-Training Leroy Sané. Das Foto mit dem Nationalspieler schickte er gleich an die Familie in der amerikanischen Heimat.© Foto: De Grood
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Parnell Hegngi weiß das. "Ich möchte professioneller Fußballer werden", sagt der 25-Jährige aus Wahsington D.C. Wo er seinen Traum leben möchte, weiß der Offensivspieler auch: "In einer der besten fünf europäischen Ligen." Hegngis letzte Station in Deutschland war Westfalenligist Westfalia Wickede. Anfang März flog der US-Amerikaner vom Platz. Mittlerweile ist sein Engagement beim Dortmunder Klub beendet. Der Weg zum Traum bleibt weit.

Das gilt auch für Omar Cisneros. Der 18-Jährige stammt aus Dayton, Oregon, USA. "Ich weiß, dass ich noch sehr viel lernen muss", sagt er. Aber: "Das hier ist eine einmalige Gelegenheit für mich, meinem Traum näherzukommen." Cisneros schwärmt vom Training am Cappenberger See: "Ich weiß jetzt, was ich machen muss, um mich zu verbessern."

Den bislang größten Schritt Richtung Profi-Fußball hat Yves Rubasha gemacht. Der 19-Jährige ist Australier, hat Wurzeln in Ruanda. Ein Probetraining in Sprockhövel hat ihm den ersten Vertrag eingebracht. Der Außenspieler zählt zum Kader des Oberliga-Spitzenreiters. "Ich werde in der Bundesliga, in der Premier League und für Australien bei der Weltmeisterschaft spielen. Das werde ich erreichen", sagt er.

 

Our Australian camp player Yves Rubasha recently signed a contract with Oberliga Westfalen top of the table team TSG...

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Rubashas Vorteil: Er kann vorerst in Deutschland bleiben. Einem Sprachkurs sei Dank. Die Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland läuft für gewöhnlich nach 90 Tagen ab. "Das ist auch die maximale Dauer, für die man die Teilnahme bei uns buchen kann", sagt Lüggert. Auch Pakete für 30 Tage oder 14 Tage sind möglich. Ein Monat Football Factory inklusive Schlafplatz und Verpflegung kostet die Teilnehmer 750 Euro. "Das ist wie ein betreuter Urlaub. Mit jedem Spieler wird individuell gearbeitet", so Lüggert. "Bei größeren Gruppen wird es günstiger. Dann können wir schließlich auch ein Teamtraining anbieten."

Solche Gruppen werden bald in Wethmar zu Gast sein. 16 Spieler und vier Offizielle aus Ghana erwartet Lüggert in den ersten beiden August-Wochen an der Dorfstraße. Zwei Teams aus den USA haben sich außerdem angekündigt. Vermittelt hat den Kontakt Cody de Grood. Der 25-Jährige kümmert sich um die Internet-Präsenz des jungen Unternehmens. "Im Idealfall geht das für Cody irgendwann in ein festes Beschäftigungsverhältnis über", so Lüggert. "Er kann in den USA für uns hervorragend Akquise betreiben."

Alexe, Hegngi, Cisneros und Rubasha starten ihren Tag derweil mit einem gemeinsamen Frühstück vor dem ersten Training am Vormittag. Müsli, Brot, etwas Aufschnitt und Milch stehen auf dem Tisch. Gesprochen wird Englisch. Die Themen: Fußball, Musik, Alltägliches. Das Training wird meist von Lüggert oder Krug, gelegentlich aber auch von de Grood gestaltet. Zuletzt hatte Lüggert zudem Tim Geidies zu Gast. Der Athletik- und Fitnesstrainer des Drittligisten Preußen Münster scheuchte das Quartett über den Wethmarer Kunstrasen. Am Abend absolvieren die Spieler ein zweites Training mit den Wethmarer Senioren-Teams oder zur Probe in anderen Klubs.

 

This morning our camp players worked on coordination, speed and accuracy skills before two of them will take on a trial at Preußen Münster later that day! The boys did well but not everybody could always beat our wooden goalkeeper as you can see in our short video clip...

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on Dienstag, 29. März 2016

"Das ist ein hartes Programm", sagt Lüggert. "Teilweise gehen die Jungs auf dem Zahnfleisch. Es ist aber schnell eine brutale Entwicklung zu erkennen." Spielen bei einem die Muskeln nicht mehr mit, ist Wethmars Physiotherapeut Goran Miletic zur Stelle. Auch in ein Fitnessstudio in Ahlen, das mit Drittligist RW Ahlen kooperiert, haben die One-Touch-Gäste Zugang. "Wir schöpfen aus den vorhandenen Möglichkeiten", sagt Lüggert. Um die Träume der Talente zu verwirklichen.

"One Touch Football Factory"
Gegründet wurde das Unternehmen durch Alexander Lüggert und Sebastian Krug. Es handelt sich um eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Der Firmensitz befindet sich in Kamen. Die angebotenen Camps sind für Spieler zwischen 14 und 23 Jahren vorgesehen. Pro Camp sollen maximal 16 Spieler teilnehmen.

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