Nordkirchener Athlet will wieder springen, doch Corona lässt Höhepunkt der Saison platzen

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Eine Stabhochsprunganlage im eigenen Garten wäre gerade ideal für Alfred Achtelik. Auch wenn die Deutsche Seniorenmeisterschaft im Sommer abgesagt wurde, trainiert er weiter. Das erfordert jedoch Kreativität.

Nordkirchen

, 25.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer vorzeitig abgebrochenen Sommersaison im vergangenen Jahr folgt für Alfred Achtelik nun der nächste Rückschlag. Diesmal wird der Nordkirchener Stabhochspringer aber nicht durch eine Verletzung, sondern durch die Maßnahmen des Coronavirus ausgebremst.

Denn schaut man in den Wettkampfkalender des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) prangt hinter dem Saisonhöhepunkt von Achtelik, der Senioren-DM Anfang Juli, das Wort: abgesagt. Also keine große Meisterschaft für den Stabhochsprung-Weltmeister aus dem Jahr 2019. Dabei brennt der 59-Jährige darauf, endlich wieder zu springen - und das nicht nur im Training, sondern auch im Wettkampf.

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Mit der Absage, die am 17. April bekannt wurde, hat er aber schon fast gerechnet. „Vor allem nach der Olympia-Absage war dieses Szenario immer in meinem Hinterkopf.“ Auf der einen Seite zeigt der Athlet großes Verständnis, denn Menschen zu meiden, sei jetzt wichtig. Doch nach seiner langen Verletzung war er nun endlich soweit, fit und bereit wieder anzugreifen. „Das ist für mich wirklich eine Premiere, denn zum ersten Mal springe ich bei der Deutschen Meisterschaft nicht mit, weil ich nicht darf“, sagt Achtelik.

Training in den Schlosspark verlegt

Doch der Ausfall der Meisterschaft im Sommer bedeutet nicht, dass nun auch das Training ausgesetzt wird. Wie gewohnt an seiner Trainingsstätte in Nordkirchen lässt sich aber nicht weitermachen, da diese bis auf Weiteres erst einmal geschlossen ist. Nun geht es also zu Hause und im Nordkirchener Schlosspark mit viel Laufarbeit, Sprints und Turn- sowie Kraftübungen weiter. Doch ein wirklicher Ersatz ist das nicht, denn für den Stabhochsprungvorgang sei eine Anlage unabdingbar. „Da gibt es keine Ersatzübungen für“, weiß Achtelik.

Und auch die Bedingungen im Park könnten besser sein. „Dort ist es oft voll mit anderen Sportlern und Spaziergängern, da stecke ich mich eher mit Corona an als alleine auf dem Sportplatz“, ärgert sich der Athlet ein wenig. Eine eigene Anlage steht leider noch nicht in seinem Garten in Nordkirchen. „Bei den Topleuten in der Szene wie Renaud Lavillenie oder Armand Duplantis sieht das ganz anders aus, aber die wenigsten sind so gut ausgestattet.“

Das Coronavirus hat jedoch nicht nur den sportlichen Alltag von Achtelik ordentlich durcheinander gewirbelt. Auch in seinem Beruf im „Medicos auf Schalke“, einem großen Rehazentrum, hat sich einiges verändert. „Wir haben wie viele andere auch Kurzarbeit und weniger bis kaum noch Patienten“, erzählt der 59-Jährige.

Doch er ist froh überhaupt noch arbeiten gehen zu können. Denn eigentlich hatte er damit gerechnet, dass sein Beruf durch die vielen Maßnahmen erst einmal ausfällt, da er immer nah am Patienten arbeitet. „Wir müssen nun mit Mundschutz arbeiten, verbrauchen Unmengen an Desinfektionsmittel und messen mit einer Wärmebildkamera am Eingang, ob Patienten Fieber haben“, erklärt er die Veränderungen.

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Mehr Zeit für den Sport

Durch die enorme Patientenrückgänge bleibt Achtelik nun mehr Zeit für seinen Sport, doch die kann er durch die Schließung der Sportstätten gar nicht voll ausschöpfen. „Eigentlich könnte ich gerade so viel wie in einem Trainingslager trainieren“, schätzt er.

Warten ist also angesagt für den Stabhochspringer, der seine Hoffnungen nun in die zweite Saisonhälfte um den August herum legt. „Ich wünsche mir, dass dann wieder kleinere Wettkämpfe und Meetings möglich sind. Auch um die eigene Form zu überprüfen.“ Denn zum jetzigen Zeitpunkt hängen viele Athleten in der Luft, da nur anhand des Trainings die eigene Leistung abzulesen ist.

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Falls es in dieser Sommersaison keine Wettkämpfe mehr geben sollte, steht mit 2021 aber ein Jahr voller Höhepunkte mit Welt- und Europameisterschaften. Das Training pausieren, ist deswegen keine Option, denn der Nordkirchener hat in seiner neuen Altersklasse M60 ein klares Ziel vor Augen: Ein neuer Weltrekord muss her. Und darauf will er jetzt schon hinarbeiten.

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