Daniel Schnellhardt: „Ich hatte höllische Schmerzen“

mlzSuS Olfen Handball

Handballer Daniel Schnellhardt hat am Samstag sein erstes Heimspiel für den SuS Olfen gemacht - und sich dabei die Patellasehne gerissen. Ob es ein zweites geben wird, weiß er noch nicht.

Olfen

, 25.02.2019, 16:02 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es passierte in der 53. Spielminute des Handball-Kreisliga-Spiels SuS Olfen gegen Westfalia Schermbeck. Der SuS ist im Angriff, Daniel Schnellhardt (35) macht auf Halblinks eine Körpertäuschung, geht mit dem Oberkörper rechts am Gegenspieler vorbei. Sein Bein bleibt aber wie festgeklebt am Hallenboden hängen. Ohne seinen Gegenspieler auch nur berührt zu haben, geht Schnellhardt zu Boden - und hat sofort höllische Schmerzen. Die Patellasehne ist gerissen und Schnellhardts Karriere beim SuS Olfen nach nur zwei Spielen erstmal wieder beendet. Wie es ihm mit der Verletzung geht, warum er glaubt, dass Olfen den Klassenerhalt schafft und was eine Playstation mit seiner Genesung zu tun hat, verrät Olfens Daniel Schnellhardt (35) im Interview aus dem Krankenhausbett.

Herr Schnellhardt, Sie sind am Samstagabend ins Krankenhaus gekommen, wurden sonntagmorgens sofort operiert. Wie geht es Ihnen heute?

Am Sonntag nach der OP war die Ernüchterung noch groß und die Schmerzen sind immer noch krass. Ich bekomme immer noch Schmerzmittel, etwas über den Tropf, Tabletten und Spritzen. Aber: Es muss jetzt wieder bergauf gehen, es bleibt mir ja nichts anderes übrig. Ich schaue positiv nach vorne. Vor dem Aufstehen habe ich allerdings noch Angst...

Dürfen Sie das Knie denn überhaupt belasten?

Das Bein muss jetzt sechs Wochen ruhig gestellt werden und darf nur zu 20 Prozent belastet werden. Auf Krücken auf die Toilette gehen ist dann schon okay, das war es dann aber auch schon. In drei Monaten habe ich dann eine zweite OP, in der die Schrauben aus dem Knie entfernt werden. Bis ich wieder irgendwas machen kann, dauert es sechs bis sieben Monate.

Wussten Sie denn schon am Samstag auf dem Platz, dass es eine so schlimme Verletzung ist?

Ich habe sofort gemerkt, wie die Kniescheibe rausgesprungen ist und dass das Knie nicht da ist, wo es hingehört. Ich hatte sofort höllische Schmerzen und wusste auch, dass es nicht „nur“ ein Kreuzbandriss ist, weil ich sofort komplett weggesackt bin. Die Patellasehne verbindet ja den Unter- mit dem Oberschenkel. Da hat es gedauert, bis ich überhaupt vom Platz gekommen bin.

„Die Jungs haben mir schon eine Playstation vorbeigebracht.“
Daniel Schnellhardt

Ihre Mannschaft hat gegen Scherlebeck endlich mal wieder einen Sieg und gleichzeitig wichtige Punkte im Abstiegskampf geholt. Konnten Sie sich überhaupt richtig darüber freuen?

Jein. Ich habe das Ende des Spiels ja noch in der Halle gesehen. Richtig freuen konnte ich mich über den Sieg aber nicht. Dass die Jungs gewinnen, das wusste ich, die haben das richtig gut gemacht am Samstag. Aber die Schmerzen waren einfach zu groß in dem Moment. Es kamen nachher noch alle Spieler zu mir und haben mir gute Besserung gewünscht, da habe ich mich richtig gefreut. Vor allem, weil ich ja noch nicht so lange in Olfen bin.

Sie kommen ursprünglich aus dem Bergischen Land, wie hat es Sie denn da zum SuS Olfen verschlagen?

Ich bin wegen meiner Freundin hierher gezogen und wollte mich einfach nur fit halten, habe also beim SuS mittrainiert. Und die Jungs waren mir alle sofort richtig sympathisch. Gegen Bochum habe ich in der letzten Woche dann mein Debüt auf der Platte gegeben und das Spiel gegen Scherlebeck war mein erstes Heimspiel für Olfen...

Auf Ihr drittes Spiel werden die SuS-Handballer jetzt noch ein bisschen warten müssen - Sie dürfen das Bein so gut wie gar nicht belasten. Wie wirkt sich die Verletzung denn auf Ihr Berufsleben aus?

Ich bin selbstständig in der Vermögensberatung tätig - das ist jetzt das Nächste, um das ich mich kümmern muss. Da wurde mir aber aus Olfen auch schon ganz viel Hilfe angeboten. Damit habe ich nicht gerechnet, gerade weil ich ja noch ganz frisch in Olfen bin, das hat mich richtig gefreut. Ich habe schon Nachrichten und Hilfeangebote von Leuten bekommen, die ich gar nicht kenne. Da werde ich im aber im Sommer mal eine Runde Bockwürstchen mitbringen (lacht).

Auch am Samstag in der Halle haben Sie sofort Hilfe bekommen, während Sie auf den Krankenwagen gewartet haben...

Genau, die Erstversorgung in der Halle war klasse, da haben sich drei Frauen um mich gekümmert, als wenn ich der eigene Sohn wäre, dabei kannte ich die drei gar nicht.

SuS Olfen-Trainer Randolf Mertmann wechselt nach der Saison zu TuS Borussia Höchsten, die Olfener sind noch auf der Suche nach einem Nachfolger.

SuS Olfen-Trainer Randolf Mertmann wechselt nach der Saison zu TuS Borussia Höchsten, die Olfener sind noch auf der Suche nach einem Nachfolger. © Jürgen Weitzel

Trotz so viel Zusammenhalts innerhalb des Vereins wollte es bislang sportlich nicht so recht klappen beim SuS. Was glauben Sie, schafft das Team noch den Klassenerhalt in der Kreisliga?
Bis jetzt hatte Olfen einfach nur Pech, aber der Sieg gegen Scherlebeck wird jetzt einen Schub geben. Die nötige Qualität ist zu 100 Prozent da.

Wer wird Sie auf Halblinks denn jetzt ersetzen?

Lukas Scholten wird, denke ich, jetzt wieder auf Halblinks spielen, der ist für mich in die Mitte gerückt. Der ist im Gegensatz zu mir auch noch jung. (lacht)

Mit 35 Jahren sind Sie aber bestimmt noch fit genug für das ein oder andere Spiel. Werden wir Sie wieder für Olfen auf der Platte stehen?
Ich wollte sowieso nur noch ein, zwei Jahre spielen. Es hätte anders enden sollen, aber vielleicht ist das ja jetzt der Wink mit dem Zaunpfahl gewesen. Deshalb weiß ich noch nicht, ob ich weitermache. Ich werde in dieser Saison aber auf jeden Fall bei den Spielen und beim Training dabei sein, wenn auch nur als Zuschauer. Ich habe nämlich auch eine Trainerlizenz und will in dem Bereich vielleicht was machen.

Beim SuS Olfen wird ja bekanntlich am Ende der Saison der Trainerposten von Randolf Mertmann frei...

(lacht) Ich glaube, die haben schon andere Kandidaten. Ich muss jetzt erstmal wieder gesund werden.

Am Mittwoch kommen Sie wieder nach Hause. Wird Ihnen da die Decke auf den Kopf fallen?

Ich kann mich ganz gut alleine beschäftigen, da werde ich meiner Freundin nicht auf die Nerven gehen. (lacht) Außerdem haben mir die Jungs aus der Mannschaft schon eine Playstation vorbeigebracht, da habe ich was zu tun.

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