Der Olfener Niklas Laudahn gehört zu den besten Fußball-Spielern der USA

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Der Olfener Fußballer verwirklicht in den USA seinen Traum: Er will unbedingt Fußball-Profi werden. In diesem Jahr bekam er eine hohe Auszeichnung - und dann kam das Coronavirus.

von Nico Ebmeier

Olfen

, 19.05.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Fußballprofi zu werden, ist für viele Kinder hierzulande der große Traum und der Grund, schon von klein auf hart zu trainieren. Der Olfener Niklas Laudahn hat diesen Traum ebenfalls gelebt und es ziemlich hoch hinaus geschafft, auch wenn der ganz große Vertrag bisher ausblieb.

Im Grundlagenbereich von einer großen Mannschaft gesichtet werden, dort die Jugend verbringen und dann später in den Profiligen spielen. Eigentlich ist das der ganz normale Weg für talentierte Fußballer. Doch Niklas Laudahn sah sich in Deutschland nicht in der Lage, seine Ziele zu erreichen.

Also zog es ihn mit 17 Jahren in die USA, an die Franklin Pierce University, ein College im nord-östlichen Bundesstaat New Hampshire. Vor vier Jahren begann er dort sein Business-Management-Studium und spielte dazu bei den „Ravens“, dem Fußballteam der Hochschule. Nun hat er sein Studium erfolgreich abgeschlossen, und wurde zu einem Vorbild an seinem College und das nicht nur wegen seines Fußball-Talents.

Academic All-American Award für Niklas Laudahn

In diesem Jahr gewann Laudahn den „Academic All-American Award“, eine Auszeichnung, mit der nur die besten Studentensportler der gesamten USA gekürt werden. „Das ist natürlich eine wahnsinnige Ehre. Ich freue mich sehr darüber“, so der Muster-Student. Zusätzlich wurde er im Osten des Landes als einer der besten sechs Fußball-Spieler auf seiner Position in der College Liga ausgezeichnet.

Doch damit nicht genug: Vor wenigen Tagen kürte ihn seine Fußballmannschaft noch mit dem „Raven-Way-Award“. In der offiziellen Begründung heißt es übersetzt: „Sein Charakter, seine Führungsqualitäten, seine Professionalität und Integrität sowie seine Exzellenz im Klassenzimmer haben ihn zu einem vorbildlichen Studentensportler gemacht.“ Es sei quasi eine Auszeichnung für das Gesamtpaket, erklärt der Olfener, der sich auch als Botschafter für seine Universität engagiert. Eine weitere Nominierung flatterte erst vor wenigen Tagen ins Haus: Auch beim „Male Athlete of the Year“ steht er auf der Liste.

Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren im Viertelfinale

Sportlich erreichte der Kapitän mit seiner Mannschaft sogar das landesweite Viertelfinale, das erste Mal seit 2011. „Wir hatten eine sehr gute Saison und haben große Erfolge gefeiert. Darauf sind wir alle wirklich stolz“, sagt der zentrale Mittelfeldspieler. Da die College-Saison immer nur ein paar Monate dauert, hätte der gebürtige Olfener eigentlich in diesen Tagen bei seiner Vereinsmannschaft, den Bosten Bolts, in der dritten amerikanischen Liga gekickt und hatte hier endgültig auf den großen Durchbruch gehofft.

„Eigentlich wäre dieses Jahr super wichtig gewesen. Ich wollte mich beweisen und eventuell von einer Mannschaft aus der zweiten Liga geholt werden. Doch dann kam das Coronavirus und die ganze Saison wurde ersatzlos gestrichen.“ Auch, wenn in seinem Bundesstaat die meisten Corona-Maßnahmen schon wieder gelockert wurden, ist der Campus und damit sein Studentenwohnheim sowie die Sportanlagen weiterhin geschlossen.

Eigentlich hätte er in den USA keine Wohnung mehr

„Ich wohne deshalb mittlerweile bei meiner Freundin im Bundesstaat Maine, etwa drei Stunden von meiner Uni entfernt und plane nun, wie es für mich weitergeht“, sagt Niklas Laudahn. Denn klar ist auch: Ausländer sind gerade in dieser Phase in den USA nicht besonders gern gesehen. „Es ist vielleicht nicht so, dass einem nahegelegt wird, zu gehen, aber es ist schon gemeinschaftlicher Konsens. Viele wohnen auf dem Campus und sind dann schnellstmöglich wieder in die Heimat geflogen.“

Weil der gebürtige Olfener aber bei seiner Freundin eine Bleibe hat, kann er sich dort nun fit halten und gewissenhaft entscheiden, wie es weitergeht.

„Das Gute an meiner Situation ist, dass mir eigentlich alle Wege offen stehen. Letztens habe ich ein Zitat von Mike Tyson gelesen, das ich etwas abgewandelt habe, damit es ganz gut zur Situation passt: Jeder hat einen Plan und dann kommt Corona“, sagt Laudahn und lacht.

Niklas Laudahn geht als Kapitän voran.

Niklas Laudahn geht als Kapitän voran. © FPU Athletics

Und tatsächlich - zumindest theoretisch stehen dem Mittelfeldspieler alle Türen offen. „Ich habe ein Stipendium für meinen Master, dass zwei Jahre gültig ist. Da ich aber nicht glaube, dass es hier bald wieder weitergeht, kann es auch sein, dass ich das nächste Jahr erst mal in Deutschland verbringen werde, je nachdem wie lang der Einreisestopp noch Bestand hat und wie schnell neue Visa ausgestellt werden“, gibt sich der 21-Jährige realistisch.

Zurück zum SuS Olfen?

Wenn es so kommen sollte, würde er gerne dann in den nächsten Wochen bei einem höherklassigen deutschen Verein unterschreiben. Oder einfach zum SuS Olfen? „Ja, das wäre natürlich auch eine Möglichkeit“, sagt er lachend. „Ich möchte aktuell auch beruflich erste Erfahrungen sammeln. Wenn ich dafür dann sportlich irgendwo in der Nähe meiner Heimat Olfen bleiben kann, wäre das für den Moment genauso gut.“ Schon bevor Laudahn den Schritt nach Übersee gewagt hat, trainierte er einen Sommer unter Norbert Sander beim SuS mit - er kennt sich an der Hoddenstraße also bestens aus.

Fußballerisch traut sich Niklas Laudahn die Oberliga aber mindestens zu. Ausgebildet wurde er bei Eintracht Dortmund und dann sammelte er in der B-Jugend bei Rot-Weiß Essen sowie in der U19 vom 1. FC Mönchengladbach sogar 42 Spiele Erfahrung in der Junioren-Bundesliga. Bis dahin hält er sich mit seiner amerikanischen Mannschaft über das Online-Portal „Zoom“ fit. Drei Mal wöchentlich lässt ihn sein Trainer zur Online-Einheit antanzen.

Wenn den Rechtsfuß dann aber doch mal die Langeweile packt, kann man sich in den USA die Zeit bestens mit Livesport vertreiben - zumindest vor der Coronazeit. Durch seinen Wohnort ist natürlich klar, dass Laudahn auch Fan der American Footballer der New England Patriots ist, oder?

Niklas Laudahn interessiert nur die Bundesliga

„Als ich im ersten Jahr hier war, war es so. Da hatten die Patriots auch den SuperBowl gewonnen. Mittlerweile finde ich Basketball aber einfach interessanter. Hier schlägt mein Herz für die Boston Celtics.“

Die Major League Soccer (die erste amerikanische Fußballliga) spielt in seiner Freizeitplanung fast überhaupt keine Rolle. „Ich habe letztens noch mit einem Freund gesprochen und gesagt, dass es doch eigentlich traurig ist, dass wir keine Lieblings-Fußballmannschaft haben. Deshalb haben wir uns dann einfach entschieden, von nun an für den Los Angeles FC zu sein. Aber zum Glück gibt es ja nun auch wieder Bundesliga“, sagt Laudahn. Und da ist ganz klar, mit welcher Mannschaft der Rechtsfuß mitfiebert: „Ich bin Borusse durch und durch. Da ist meine Mutter dran schuld.“

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