Der Schock sitzt tief: Westfalia Vinnum ist noch weit weg von der Normalität

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Acht Verletzte, zwei davon schwer - nach einem Kreisliga-Fußballspiel am Sonntag in Vinnum ist die Gewalt eskaliert. Gastgeberverein Westfalia Vinnum geht nicht zur Tagesordnung über.

Vinnum

, 16.09.2019, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Schock saß bei den Verantwortlichen von Westfalia Vinnum immer noch tief am Tag nach der Massenschlägerei mit acht Verletzten nach dem Kreisliga-Fußballspiel der ersten Mannschaft gegen Herta Recklinghausen. Spieler und Anhänger aus dem Umfeld des Gastvereins hatten auf dem Sportplatz in Vinnum auf Heimfans und -spieler eingeschlagen und eingetreten.

Bei Vinnums Vorstand Kunibert Gerij stand am Tag danach das Telefon nicht mehr still. Gerij tauschte sich mit Polizei und den Verantwortlichen beim Fußballkreis Recklinghausen aus, zu dem sein Verein seit 2015 gehört. Medienvertreter wollten wissen, wie es nur zu der Massenschlägerei kommen konnte. „Es ist schwer zu erklären“, sagte der Vorsitzende über die Ereignisse vom Sonntagnachmittag. Am Montag kündigte er an, deshalb auch den Verband und Kreis anzuschreiben. Er erwarte eine Reaktion. Gerij: „Nicht darüber zu reden und es zu verschweigen, hilft auf Dauer niemandem.“ Zur Tagesordnung übergehen kann und will Gerij nicht.

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Vinnumer Zuschauer haben bei Angriffen Knochenbrüche erlitten

Gerij erreichten auch schlimme Nachrichten aus dem Krankenhaus. Zwei Vinnumer Fans waren bei der Schlägerei schwer verletzt worden. Ein Zuschauer erlitt einen Oberschenkelhalsbruch und sei bereits operiert worden. Ein anderer Vinnumer Anhänger habe Brüche im Gesicht davongetragen.

Der Schock sitzt tief: Westfalia Vinnum ist noch weit weg von der Normalität

Westfalia Vinnums Vereinschef Kunibert Gerij war im Sommer beim Stever-Lippe-Cup anwesend, ein Vorbereitungsturnier um den Wanderpokal. © Sebastian Reith

Was Gerij fassungslos machte, war die Brutalität, mit der der Anhang des SV Herta vorgegangen sei. Am Montag noch war Gerij entsetzt. „Unser Betreuer hat beide Jochbeine gebrochen. Die haben auf ihn getreten, als er am Boden lag“, sagte Gerij, „eine solche Brutalität kannte ich bis dahin nicht.“

„Was hier gelaufen ist, bedroht nicht nur die Gesundheit, sondern das Leben. Wenn jemand am Boden liegt und gegen den Kopf getreten wird, geht es um mehr als nur den Spaßfaktor“, sagte Gerij. Um Spaß sollte es eigentlich bei dem Fußballspiel gehen, bis die Ereignisse sich nach dem Spiel überschlugen.

Angreifer gingen mit äußerster Brutalität vor

Als die Tumulte am Eingangsbereich der Sportanlage begannen, seien diese kaum noch unter Kontrolle zu bekommen. „Die sind mit einer solchen Brutalität gegen jeden vorgegangen, der im Weg stand“, so Gerij. Auch seien Vinnumer Anhänger und Mitglieder, die sich schützend vor am Boden Liegende gestellt hatten, angegriffen worden. Mütter mit kleinen Kindern hätten in der Cafeteria Schutz gesucht.

Als die Recklinghäuser dann erfuhren, dass die Polizei verständigt war, hätten sie fluchtartig die Anlage verlassen. Mit im Gepäck seien auch zwei Smartphones gewesen, auf denen sich Videoaufnahmen befunden haben sollen, wie Gerij erkläre. Die Handys seien Vinnumern entwendet worden, als die Herta-Anhänger bemerkten, dass gefilmt wurde.

Gerij unterstrich auch, dass „wir gegen den Verein nie wieder spielen“ werden. „Das werde ich nicht zulassen. Ich muss unsere Fans schützen“, sagt Gerij und verweist auf fünf verletzte Spieler in der Mannschaft. Der Verein möchte deswegen auch das nächste Punktspiel am Sonntag verlegen lassen.

Westfalia Vinnum muss Geschehnisse aufarbeiten

Sportchef Patrick Roser war es wichtig, dass der Verein Geschlossenheit zeige. Am Sonntagabend saß die Mannschaft noch lange zusammen - zumindest das, was von ihr übrig geblieben war. Denn einige Spieler ließen sich im Krankenhaus behandeln oder hatten Verwandte begleitet. Am Montag wollten sich die erste und zweite Mannschaft treffen, um über das Geschehene zu reden.

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„Ich habe es noch kein Stück verarbeitet“, sagte Roser und erzählte von einer schlaflosen Nacht. „Der Schock sitzt immer noch tief“, sagte Roser. 90 Minuten hütete er selbst das Tor am Sonntag. Statt der Siegesfeier des langersehnten ersten Dreiers der Saison gab es danach schreckliche Szenen, als im Zuschauerbereich die Schlägerei begann. An so etwas wie Alltag ist bei Westfalia Vinnum derzeit noch nicht zu denken.

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