Erstes Spiel nach Massenschlägerei: Stimmung in Vinnum weiterhin im Keller

mlzFußball: Kreisliga

Ein Sieg wäre Balsam gewesen für Westfalia Vinnums Seele nach den schlimmen Ereignissen vor zwei Wochen. Daraus wurde nichts. Immerhin steht das Sportliche wieder im Vordergrund.

Vinnum

, 29.09.2019, 19:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man spürte es noch. An der Kasse, unter den Zuschauern und beim Personal am Grillstand und in der Cafeteria. Auch zwei Wochen nach der Massenschlägerei in Vinnum war die Gewalt noch Thema und der Alltag des Kreisliga-Spieltags noch etwas fern. Zuschauer diskutierten die Schlägerei. Kopfschütteln bei allen Beteiligten, die sich gegenseitig die Ereignisse schilderten: Was sie gesehen haben. Wo sie standen, als Zuschauer und Spieler des Gastvereins SV Herta Recklinghausen losstürmten und mehrere Vinnumer krankenhausreif schlugen.

Wie erschüttert sie angesichts der Bilder von Tritten gegen Köpfe immer noch waren. Es war eben noch kein ganz normales Fußballspiel in der Kreisliga, das die Vinnumer gegen Bezirksliga-Absteiger Hillerheide mit 0:3 verloren. Aber es wurde auch wieder gelacht und Bier getrunken. Die treusten Fans waren auch wieder gekommen, hatten sich vor dem Vereinsheim unter den Holzpavillon gestellt und ließen sich die Freude am Fußball nicht verderben.

Kreisliga A2 Recklinghausen

Westfalia Vinnum - Hillerheide

0:3 (0:1)

Vinnums Trainer Michael Nachtigall hätte es sich nach der deutlichen Niederlage gegen Hillerheide einfach machen können. Er hätte sagen können, dass die Niederlage und ihr Zustandekommen noch mit der Massenschlägerei zusammenhängen würden. Er hätte erklären können, dass das erste Spiel nach so einem Ereignis vor allem Erlebnisbewältigung ist. Tat er aber nicht. „Dann würde ich mich selbst belügen“, sagte Nachtigall und sorgte so auf seine Weise für einen Schritt zurück zur Normalität. Er war mit der kämpferischen Einstellung seiner Elf keinesfalls einverstanden. Und er war genervt, dass sich die Fehler wiederholen in seiner Mannschaft. „Das, was ich bemängele, war auch schon vorher vorhanden“, sagte Nachtigall.

Am Sonntag machte Nachtigall direkt nach dem Spiel dann etwas, was er nie macht. „Normalerweise bin ich kein Freund von einer Sonntagsansprache. Es ist zu emotional direkt nach dem Spiel. Du bist 90 Minuten gelaufen und draußen steht einer, der drei Kaffee getrunken hat und dir etwas erzählen möchte“, sagte Nachtigall, der die Ansprache machte, „weil es immer wieder die gleichen Sachen sind. Man kann eine Endlosschleife laufen lassen.“ Die zentrale Frage für Vinnums Trainer: „Will ich? Oder will ich nicht?“

Torwartfehler bringt Vinnum in Rückstand

Bitter war, dass Vinnum nach einer halben Stunde durch einen Torwartfehler das 0:1 kassierte. Alexander Geßner zog aus gut 25 Metern ab. Der Ball fiel hinter Patrick Roser steil herunter, mittig unter die Latte – aber Roser hätte den haben können und vielleicht sogar auch müssen, wenn er nicht zu weit vor dem Tor gestanden hätte. Vinnum wackelte zweimal zuvor schon, hätte aber auch schon führen können. Doch Andreas Stolzenberg vergab die beste Vinnumer Möglichkeit im Spiel nach 23 Minuten, als er gut einen Meter vorbeischoss.

Nach dem 0:1 hatte Hami Azak noch zwei gute Gelegenheiten für die Gäste, Roser zeichnete sich mehrfach aus. Vinnum kam aber phasenweise nicht mehr hinterher.

Als kurz nach der Pause das 0:2 fiel, brachte Nachtigall in Sebastian Kramzik noch einen spielstarken Mittelstürmer, stellte seine Abwehr um, musste aber Arnd Forsmann gelb-rot-gefährdet auswechseln. Als Ali El-Batal zehn Minuten vor dem Abpfiff zum 3:0 traf, war die Luft endgültig raus. Man hatte das Gefühl, dass die Westfalia den Abpfiff herbeisehnte. Aber immerhin geht es schon wieder um das Sportliche.

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