Olympia-Kandidatin Jule Hake bangt um die Qualifikationsrennen und trainiert alleine

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Jule Hake hat einen Trainingslager-Marathon hinter sich. Das Portugal-Trainingslager musste die Kanutin ganz plötzlich abbrechen. Dabei sind die Olympischen Spiele ihr Traum.

Olfen

, 17.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

So richtig weiß eigentlich niemand etwas, beginnt Jule Hake zu erzählen. Die Kanutin des KSC Lünen musste vergangene Woche ihr Trainingslager abbrechen und befindet sich wieder in ihrer Heimatstadt in Olfen. Die Olympischen Spiele in Tokio waren der große Traum der 20-Jährigen, für den sie trainiert. Doch jetzt steht nicht mal mehr fest, wie sie sich überhaupt noch ein Ticket für die Spiele 2020 sichern kann.

Es waren turbulente Wochen, die Jule Hake hinter sich hat. Das Jahr begann für sie sportlich im Olympischen Trainingszentrum in Kienbaum mit Athletiktraining. Paddel oder ein Boot sah die U23-Weltmeisterin in Kienbaum nicht. Laufen und Kraft standen auf dem Programm. Im Februar nahm Jule Hake dann am vierwöchigen Florida-Trainingslager des Deutschen Kanuverbandes teil. „Da konnten wir uns wirklich richtig gut vorbereiten“, sagte Hake.

Trainingslager in Portugal abgebrochen

Als Anfang März der DKV dann das geplante Trainingslager in Sabaudia, Italien, wegen der Coronavirus-Epidemie kurzfristig nach Portugal umlegte, spürte Jule Hake die Auswirkungen zum ersten Mal richtig. Aber in Portugal blieb sie nicht lange. Nach der Hälfte der zwei Wochen brach der Verband den Aufenthalt ab. Rasend schnell musste die deutsche Delegation das Land verlassen. Donnerstag ging es zurück nach Deutschland.

Auch den Kanurennsport traf dann die Absagewelle zahlreicher Veranstaltungen. So sind auch die nationalen Qualifikationen vom 3. bis 5. April und 17. bis 19. April in Duisburg bereits abgesagt. „Es gibt immer nur Gemunkel. Nichts ist safe“, sagt Jule Hake. Eigentlich hätte sie sich, um an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen, zunächst auf nationaler Ebene für die internationalen Rennen qualifizieren müssen.

Nach der nationalen Quali geht es in den Weltcup

Dann wäre es nach Racice, Tschechien (8. bis 10. Mai), zum Weltcup gegangen, wo auch ein internationaler Leistungsnachweis erbracht werden müsste. Kompliziert macht die Nominierung, dass der DKV noch Quotenplätze, also Startplätze für die Olympischen Spiele holen muss und dass mehrere deutsche Kanutinnen dann noch um diese begehrten Plätze kämpfen.

„Es wird sehr, sehr schwer für mich“, weiß Jule Hake, „alle trainieren seit drei Jahren dafür und jetzt noch härter und lassen nichts liegen.“

Jule Hake muss sich alleine in Form halten

Jule Hake muss sich nun erstmal auf eigene Faust fit halten. „Ich muss gucken, wo ich mich vorbereiten kann. Am Olympiastützpunkt in Essen geht nichts mehr“, sagt die Sportsoldatin. Olympiastützpunkte und Vereine sind geschlossen. Krafttraining und Paddeltraining werden schwieriger. In Olfen hat Hake zwar ein eigenes Boot, bevorzugt aber Gruppentraining, das nicht mehr gestattet ist. Und zu den wenigen Athleten, die in Ausnahmefällen unter strengen Auflagen weitertrainieren dürfen, zählt Jule Hake nicht.

Gerüchte, dass deutsche Top-Athleten während der Corona-Krise in Kienbaum ein Quarantäne-Camp beziehen könnten, haben auch Jule Hake erreicht. Ob sie dann auch wochenlang in das sogenannte „Team-D“-Trainingszentrum (Team Deutschland) einziehen könnte, wusste die Perspektivkanutin noch nicht.

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