Urteile zur Massenschlägerei in Vinnum könnten sich nach Herta-Rückzug jahrelang hinziehen

mlzFußball-Gewalt

Hertas Rückzug hat Auswirkungen auf die Tabelle: Westfalia Vinnum hat den ersten Saisonsieg wieder verloren. Wollen Recklinghäuser Spieler die Sportgerichte umgehen?

Vinnum

, 23.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst war es nur eine Ankündigung, jetzt ist es offiziell: Der SV Herta Recklinghausen hat seine Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückgezogen. Das Kuriose daran: Für Vinnum bedeutet das: Der erste Saisonsieg ist futsch, weil die Partien aus der Wertung genommen werden. In Vinnum fürchtet man nun, dass sich die an der Massenschlägerei am 15. September beteiligten Spieler der Sportgerichtsbarkeit entziehen wollen.

Kunibert Gerij, Vorsitzender von Westfalia Vinnum, war entrüstet nach der öffentlichen Stellungnahme von Zakaria Chamdin am Donnerstag. Der Herta-Trainer und -Funktionär hatte erklärt, dass sich die Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurückzieht, weil es Morddrohungen gegeben habe. „Die bestreiten es einfach. Dabei wissen alle Beteiligten, dass die Mannschaft dabei war“, sagte Gerij.

Urteile könnten erst nach Jahren verzögert fallen

Für ihn war klar: „Die treten aus, um sich der Sportgerichtsbarkeit zu entziehen.“ Tatsächlich wäre es möglich, dass Sportgerichte womöglich erst in Jahren Einzelfällen nachgehen könnten und Urteile erwirken. Denn wenn Spieler keine Mitglieder in Vereinen sind, seien sie über das DFB.net, das elektronische Verwaltungs- und Ergebnisportal, nicht greifbar. Das bestätigte Hans-Otto Matthey, Vorsitzender des Fußballkreises Recklinghausen: „Das Verfahren würde sich dann temporär verschieben. Es kann sein, dass wir erst im Nachhinein ein Urteil bekommen.“

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Erst wenn die Spieler sich wieder einem Verein anschließen, gibt es persönliche Sanktionsmöglichkeiten. Sichergestellt ist das über die Passstelle in Duisburg. „Hier würde eine Mitteilung erfolgen, sollte es eine Anmeldung geben“, sagte Matthey.

Der SV Herta Recklinghausen bleibt in der Haftung

Der Kreisvorsitzende warnte am Montag, acht Tage nach der Massenschlägerei mit acht Verletzten, vor voreiligen Schlüssen. Noch seien keine Abmeldungen beim Kreis eingegangen. Erstmal gebe es ein generelles Verfahren gegen die beteiligten Vereine. „Der Verein bleibt in der Haftung und Verantwortung. Wenn wir rausbekämen, dass Spieler identifiziert sind, sind persönliche Strafen möglich“, so Matthey - aber eben nur, wenn die Spieler bei einem dem DFB zugehörigen Klub angemeldet sind.

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Auch machte Matthey deutlich, dass ein Ausschluss eines Vereins die sofortige Spielberechtigung für alle Spieler zur Folge hätte, weil sie dann in ihrem Verein keine Spielmöglichkeiten hätten. Mit dem Rückzug habe der Kreis jetzt Zeit gewonnen. „Wir haben keinen Zeitdruck, sofort handeln zu müssen“, sagte Matthey.

Gerij sieht Lücken in der Satzung

Gerij sagte, dass die Satzungen gar nicht auf so einen Fall wie in Vinnum ausgelegt sei. Den runden Tisch, zu dem der Kreis alle Vereine laden möchte, begrüßt er. Gerij hofft dann Antworten: Wie stellt sich der Kreis auf? Und wie ist die Sicherheit gewährleistet? „Der Kreis muss erkennen, wo Grenzen sind. Er kann Vereine nur schützen, wenn er ausschließt, dass solche Vereine wieder Fußball spielen“, sagte Gerij.

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Aus dem Verein gibt es gute Nachrichten: Die beiden Schwerverletzten hätten mittlerweile das Krankenhaus verlassen und befänden sich zu Hause. Der Verein habe aber auch im Jugendbereich mit Folgen zu kämpfen. Mehrere Kinder seien verängstigt. „Die kriegen wir überhaupt nicht mehr zum Sportplatz.“ Um die Bilder von Menschen, die auf dem Boden liegen, zu verarbeiten, möchte Gerij hier therapeutische Möglichkeiten anbieten.

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