Westfalia Vinnums Alexander Höring ist ein gebranntes Kind in Sachen Verletzungen – wie er seine jüngste erlebt und überstanden hat, erklären er, sein Trainer und ein Olfener Rehaspezialist.

von Matthew Schön

Vinnum, Olfen

, 19.02.2019, 14:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein kalter, etwas windiger Spieltag. „Kurz nach der Pause ist es dann passiert. Im ersten Moment hab´ ich mir nur gedacht: Scheiße! Aber ich wusste sofort was los war“, fasst Alexander Höring die 51. Spielminute im Heimspiel von Westfalia Vinnum gegen den SC Herten Ende September zusammen.

Ohne Fremdeinwirkung, bei einem einfachen Klärungsversuch im Strafraum, spürte er plötzlich einen stechenden Schmerz in der rechten Wade. „Als würde dir jemand mit der Pike direkt gegen den Muskel treten“, beschreibt Höring das Gefühl. Seine sofort befürchtet Diagnose wird später bestätigt: Muskelbündelriss.

„Solche Verletzungen sind leider auch Teil des Sports. Wobei über die vermeintliche Vorbeugung auch die Meinungen auseinander gehen“, sagt Reha-Experte Sebastian Middeke aus Olfen. Er behandelt viele Sportler in seinem Rehazentrum und weiß genau, wovon er spricht. „Ob Zerrungen, Faser- oder Bündelrisse, die Ursachen dafür sind oft die selben“.

Muskelkater und Verletzung liegen nah beieinander

„Das ist bei manchen einfach auch genetisch bedingt“, sagt Hörings Trainer Frank Bidar. Er hat in seiner langen Karriere als Fußballlehrer schon so manchen Spieler ausfallen und wieder zurückkommen sehen. „Leider ist das bei Alex auch so. Es ist ja nicht seine erste Muskelverletzung“. Das stimmt: Auch in der linken Oberschenkelmuskulatur hat Höring mittlerweile ein Loch – ebenfalls Resultat eines Bündelrisses.

Wenn alle Muskelstränge reißen – was tun bei Zerrung, Faser- und Bündelriss?

Alexander Höring zog sich im vergangenen September einen Muskelbündelriss zu. © Jürgen Weitzel

Jede dritte Sportverletzung ist muskulär. Doch wie genau entstehen Zerrungen, Faser- und Bündelrisse überhaupt? Reha-Experte Middeke hat einen sehr anschaulichen Vergleich parat: „Der Muskel besteht aus vielen kleinen Fasern. Bei einem Training werden diese Fasern zum Teil beschädigt und durch die Neubildung wird der Muskel gestärkt. Zwischen Muskelkater und Verletzung ist aber häufig ein schmaler Grat“, sagt Middeke. Aber: Meistens seien es ruckartige Bewegungen, ein Sprint, eine Richtungsänderung oder auch ein harter Schlag auf den belasteten Muskel, die Fasern und Muskelstränge dann zum Reißen bringen.

Dabei ist die Sportart zweitrangig. Das kann sowohl bei Joggern, im Fitnessstudio oder auch im Alltag bei einer bestimmten Bewegung passieren. Je nach Schwere kann dann eben nur eine Muskelfaser gezerrt, eine oder wenige Muskelfasern gerissen oder gleich ein ganzes Bündel davon betroffen sein.

Geduld ist der Schlüssel zur Genesung

Regel Nummer eins bei der Behandlung: Geduld. Eine Sache, die meist nur wenige Freizeit-, Hobby- und Profisportler kennen und beherrschen. Denn einmal nicht vollständig ausgeheilt, kann die selbe Verletzung wieder und wieder aufreißen, sogar langfristige Schäden verursachen.

„Bei meinem ersten Muskelbündelriss wollte ich sofort wieder loslegen. Aber mittlerweile bin ich da ruhiger geworden.“
Alexander Höring

„Klar, bei meinem ersten Muskelbündelriss wollte ich sofort wieder loslegen. Aber mittlerweile bin ich da ruhiger geworden. So etwas muss man wirklich komplett auskurieren. Da ist Erfahrung ein guter Ratgeber“, weiß der 30-jährige Alexander Höring, bei dem unmittelbar nach der Diagnose noch nicht klar war, ob er wieder normal und beschwerdefrei gehen können würde.

„Die Jungs sind da natürlich manchmal leichtsinnig, die wollen gleich wieder auf den Platz. Aber wir gehen da kein Risiko ein, geben den Spielern die Zeit. Auch Alex hat die zehn Wochen gebraucht. Wir haben ganz ruhig angefangen“, erinnert sich Vinnums Trainer Frank Bidar. „Erst einmal Ruhe, dann leichtes Lauftraining und ganz behutsam steigern.“

Alexander Hörings Reha verlief sehr gut

Damit machen die Westfalen auch alles richtig, weiß Sebastian Middeke. Der Physiotherapeut sagt aber auch, dass es keinen Standard-Rehaplan gebe. „Jeder Muskel ist anders, jede Verletzung individuell. Man muss sich einfach die Zeit nehmen, jede Woche die Entwicklung kontrollieren, den Muskel massieren und durch Krankengymnastik und langsame Belastung wieder stärken.“

Westfalia Vinnums Alexander Höring ist nach seiner Verletzung erst einmal in den Urlaub gefahren, ging eine Woche lang auf Krücken und stellte das betroffene Bein komplett ruhig. Bis der Muskel wieder zusammenwächst dauert es eben seine Zeit. In dieser Phase ist Belastung absolut tabu. Erst nach und nach kamen Kraft- und Lauftraining dazu.

Wenn alle Muskelstränge reißen – was tun bei Zerrung, Faser- und Bündelriss?

Vinnums Trainer Frank Bidar musste auf seinen Abwehrchef Alexander Höring verzichten. „Sein Ausfall hat uns Punkte gekostet“, so Bidar. © Sebastian Reith

Die Geduld des Innenverteidigers zahlte sich aus: Die Reha verlief sehr gut, er stand bereits am Ende der Hinserie wieder auf dem Rasen. Die Zeit während seiner Verletzung war aber auch für Westfalia Vinnum in der Fußball-Kreisliga schmerzhaft – neben dem Abwehrchef fehlten in dieser Zeit auch noch weitere Spieler und Leistungsträger. „Der Ausfall von Alex tat uns weh. Das hat uns Punkte gekostet und auch Unruhe in die Mannschaft und die Defensive gebracht“, so Vinnums Trainer Frank Bidar.

Ordentliches Aufwärmen beugt Verletzungen vor

Die Winterpause haben Höring und sein Team nun aber genutzt. Die Wade merke er schon so gut wie nicht mehr, meint Höring. Aber der alte Bündelriss im Oberschenkel mache sich noch immer ab und an bemerkbar. Dass das nun die letzte Verletzung dieser Art für ihn war, wäre natürlich wünschenswert – eine Garantie gibt es dafür aber nicht.

„Man kann sich zwar gut aufwärmen, viel Dehnen, aber das ist alles nur Vorbeugung. Solche Verletzungen kann man am Ende nie ganz verhindern“, sagt Trainer Frank Bidar. Den gleichen Ton schlägt auch Reha-Therapeut Middeke an.

„Vom Hobbysportler bis zum Profi - eine Garantie gibt es nicht. Sowohl die Ernährung, die Außentemperatur und die Genetik haben Einfluss auf solche Verletzungen.“ Gutes Warm-Up, Dehnen und viel Training würden aber helfen. „Und sobald man Beschwerden hat, Ruhe geben. Man muss auf und in seinen Körper hören“, sagt Middeke.

Aber manchmal ist ein Sportler auch einfach machtlos. Muskelverletzungen wie Zerrungen, Faser- und Bündelrisse gehören eben zu den häufigsten Sportverletzungen – vor allem im Fußball. „Wobei Bänder und Knöchel bei uns Fußballern auch sehr beliebt sind“, sagt Höring – mittlerweile wieder mit einem Lachen.

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