18:0-Punkte - aber für Thorsten Stange ist am Saisonende bei HVE Villigst-Ergste Schluss

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Bei der HVE Villigst-Ergste, nach neun Spieltagen an der Tabellenspitze der Landesliga, gibt es zur nächsten Saison einen Trainerwechsel. Hier gibt es die Infos dazu. Und einen Kommentar.

Schwerte

, 04.12.2019, 18:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Thorsten Stange, derzeit in seiner vierten Saison auf der HVE-Trainerbank, wird der Arnsberger Tobias Genau zur Spielzeit 2020/21 das Villigst-Ergster Team übernehmen - unabhängig davon, ob der Aufstieg in die Verbandsliga gelingt oder nicht.

„Mit einem neuen Trainer neue Impulse setzen“

„Wir sind mit Totos Arbeit mit der Mannschaft sehr zufrieden. Gleichzeitig wollen wir mit einem neuen Trainer neue Impulse setzen und dafür sorgen, dass die immer noch sehr junge Mannschaft den nächsten Entwicklungsschritt macht“, begründet HVE-Handballobmann Thorsten Gollnik die Personalie.

Man sei sich in der Vereinsführung darüber im Klaren, dass es sich gerade in der jetzigen Situation, in der es sportlich so gut läuft, um eine sehr überraschende Entscheidung handelt, sagt Gollnik.

„Eine gewisse Betroffenheit“ bei Spielern und Trainer

So habe er auch bei den Spielern und Trainer Stange „eine gewisse Betroffenheit“ registriert, als man sie über die Personalie informiert hat. „Wir haben danach einige Gespräche geführt, unsere Entscheidung erklärt und wollen die erfolgreiche Arbeit nun weiterführen“, so Thorsten Gollnik.

Und Thorsten Stange? Natürlich sei er enttäuscht, sagt er. Denn er hätte gerne weitergemacht. „Grundsätzlich ist es in Ordnung, dass ein Verein nach vier Jahren etwas Neues machen will. Aber ob das jetzt so sein muss, lasse ich mal dahingestellt“, sagt Stange, der nach zwei Jahren im Gespann mit Dirk Mimberg nun in seiner zweiten Saison als alleiniger Cheftrainer auf der HVE-Bank sitzt.

Man müsse befürchten „dass die emotionale Situation, die jetzt entstanden ist, die Arbeit mit der Mannschaft überschattet“, so der Trainer. Und weiter: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen und denke, dass die Mannschaft unter meiner Regie gut in Fahrt gekommen ist und sich weiterentwickelt hat.“ Deshalb könne er den Trainerwechsel nicht nachvollziehen.

In der laufenden Saison unverändert engagiert

Stange lässt aber keinen Zweifel daran, dass er in der laufenden Saison mit unverändertem Engagement bei der Sache bleiben wird. „Ich habe mit der Mannschaft noch einen Auftrag zu erledigen“, sagt der Trainer.

Auch Thorsten Gollnik setzt darauf, dass die laufende Saison in der bestehenden Konstellation zu einem erfolgreichen Ende gebracht wird. „Mannschaft und Trainer haben zugesagt, voll durchzuziehen“, so Gollnik. Mit der starken Leistung am vergangenen Wochenende beim 35:18-Erfolg in Plettenberg habe das Team auch schon einen beeindruckenden Beleg dafür geliefert.

Tobias Genau: Regionalliga und Oberliga als Aktiver

Zu diesem Zeitpunkt waren die Spieler bereits darüber informiert, dass Stange nur noch bis zum Saisonende auf der HVE-Bank sitzen wird. Am Dienstagabend erfuhren sie dann, wer neuer Trainer wird: Tobias Genau (40) wird in Stanges Fußstapfen treten. Genau spielte als Aktiver jahrelang höherklassig für den Soester TV und die HSG Menden-Lendringsen (Regionalliga und Oberliga).

18:0-Punkte - aber für Thorsten Stange ist am Saisonende bei HVE Villigst-Ergste Schluss

Tobias Genau, hier auf der Trainerbank der Oberliga-Frauen des ASC 09 Dortmund, wird zur neuen Saison der Trainer der HVE Villigst-Ergste. © Peter Ludewig

Nach seiner aktiven Laufbahn stieg der B-Lizenzinhaber beim Landesligisten TuS Borussia Höchsten ins Trainergeschäft ein und wechselte dann in den Damenbereich zum ASC 09 Dortmund. Dort sitzt er im vierten Jahr auf der Bank und steht mit den Aplerbeckerinnen an erster Stelle der Oberliga-Tabelle.

Ja-Wort am vergangenen Wochenende

Am vergangenen Wochenende habe er der HVE das Ja-Wort gegeben, berichtet Gollnik, der sagt: „Wir freuen uns sehr, dass Tobias Genau sich für uns entschieden hat, zumal er auch andere Optionen hatte. Die Mannschaft hat die Ankündigung am Dienstag sehr positiv aufgenommen.“

Geplant ist, dass Genau mit seinem jetzigen Team die Saison zu Ende bringt – so wie es sein neuer Verein auch mit Thorsten Stange plant.

Kommentar
Kein gewöhnlicher vorgang

Nach vier Jahren einen Trainerwechsel vorzunehmen, ist grundsätzlich kein allzu ungewöhnlicher Vorgang. Im konkreten Fall der HVE Villigst-Ergste überrascht die Personalentscheidung dann aber doch. Die HVE-Handballer führen die Landesliga-Tabelle mit 18:0-Punkten an und haben richtig gute Chancen, in die Verbandsliga aufzusteigen. Trotzdem ist für Thorsten Stange am Saisonende Schluss. Es wäre naheliegend gewesen, die Zusammenarbeit mit dem Trainer zu verlängern. Doch die Vereinsführung hat sich für eine Alternativlösung entschieden, mit der sie sicher nicht den Weg des geringsten Widerstandes geht. Sie erhofft sich von einem neuen Trainer mehr Impulse für die Mannschaft als von einem Weitermachen mit Stange – unabhängig von der ausdrücklich betonten Wertschätzung für die Arbeit, die Stange geleistet hat und immer noch leistet. Für Thorsten Stange aber ist das nicht einmal ein schwacher Trost, seine Enttäuschung ist nachvollziehbar. Sie mündet aber nicht in einer resignativen Haltung, im Gegenteil. Stange ist fest entschlossen, die Saison zu einem erfolgreichen Ende zu bringen – das spricht für ihn. Genauso ist es natürlich der Wunsch der Vereinsführung, dass die Saison weiter so erfolgreich läuft wie bisher. So haben letztlich dann doch alle Beteiligten dasselbe Ziel: dass die HVE Villigst-Ergste in der Saison 2020/21 in der Verbandsliga spielt. Dann aber nicht mehr mit Thorsten Stange als Trainer – auch wenn er und wohl auch der Großteil der Spieler gerne in der bestehenden Konstellation weitergemacht hätten.
Michael Doetsch
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