30 Jahre Vereins-Chef: Hans Haberschuss und sein Herzblut für den ETuS/DJK Schwerte

mlzInterview

Im Januar 1990 wurde Hans Haberschuss der Vorsitzende des ETuS/DJK Schwerte - und ist es noch heute. Seit 30 Jahren führt Haberschuss also den Verein. Grund genug für ein Gespräch mit ihm.

Schwerte

, 04.02.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem Hans Haberschuss (65) am vergangenen Donnerstag als 1. Vorsitzender des ETuS/DJK Schwerte wiedergewählt worden war, hat er mal zurückgerechnet. Seit 30 Jahren steht er an der Spitze des Vereins.

Herr Haberschuss, wenn Ihnen jemand bei Ihrer Wahl 1990 gesagt hätte, dass Sie auch 30 Jahre später noch Vorsitzender sind – was hätten Sie ihm damals geantwortet?

Wenn mir nur fünf Jahre vorher jemand gesagt hätte, dass ich überhaupt 1. Vorsitzender werde, hätte ich demjenigen schon einen Vogel gezeigt.

Wie kam es damals dazu, dass Sie den Posten des Vorsitzenden übernommen haben?

Ich war vorher schon als Fußballobmann tätig, heute würde man wohl Sportlicher Leiter sagen. 1989 hat der damalige Vorsitzende Gerd Blum die Brocken hingeschmissen, Jochen Goldschmidt hatte als Stellvertreter ein halbes Jahr den Verein geführt, hatte aber keine Ambitionen, dies dauerhaft zu tun. So bin ich damals ins kalte Wasser geschmissen worden.

Und der ETuS Schwerte war damals noch ein Mehrspartenverein...

Ja, die Tennisabteilung hatte sich damals gerade als TC Rot-Weiß Schwerte eigenständig gemacht. Aber wir hatten neben dem Fußball noch die Rollsport- und die Judoabteilung. Mit dem Aufstieg in die Landesliga 1994 haben wir uns als Abteilung gelöst. Mittlerweile sind es alles eigenständige Vereine.

Was ist für Sie über all die Jahre die Motivation, Vereinsvorsitzender zu sein?

Es macht mir einfach unheimlich viel Spaß und es ist ein toller Ausgleich. Wenn Andere gerne in Urlaub fahren, gehe ich gerne zum Sportplatz.

Auf der Versammlung haben Sie nun angekündigt, dass die kommenden zwei Jahre Ihre letzte Amtsperiode werden. Ist das definitiv?

Wenn man so eine Ankündigung mit einem Fragezeichen versieht, findet sich sowieso keiner, der es macht. Aber klar ist auch, dass ich den Verein nie im Stich lassen würde – dazu habe ich viel zu viel Herzblut und Arbeit da reingesteckt.

Häufig hört man, dass es der Amateurfußball in heutigen Zeiten zunehmend schwerer hat. Sehen Sie das auch so?

Ohne Zweifel ist die Entwicklung rückläufig, was zumindest teilweise auch dem geschuldet ist, was im Profifußball passiert. Da wird freitags, sonntags und montags gespielt – und alles ist auf 139 Programmen im TV zu sehen. In den 1990er-Jahren waren sonntags bei den Spielen der ersten Mannschaft noch die A- und B-Jugendlichen auf dem Sportplatz, heute sitzen sie zuhause und daddeln am Computer.

Lässt sich dieses Rad zurückdrehen?

Ich glaube nicht, dass wir dieses Rad zurückdrehen können. Aber wir müssen versuchen, es zum Stehen zu bringen. Wir müssen es hinkriegen, dass die Kinder sich wieder mehr mit dem Verein identifizieren, in dem sie Fußball spielen. Wobei das gerade in unserem Fall schwierig ist. Nach dem missglückten Versuch der Spielgemeinschaft mit dem VfL Schwerte ist es im Jugendbereich ein kompletter Neuaufbau.

Wo sehen Sie den ETuS/DJK Schwerte und den Schwerter Fußball in zehn Jahren?

Ich bin kein Hellseher. Aber ich glaube schon, dass es unseren Verein immer noch geben wird – genauso wie zum Beispiel den VfL Schwerte, Geisecker SV oder VfB Westhofen. Ich glaube nicht, dass sich an der Vereinsstruktur im Schwerter Fußball viel verändern wird. Was ich aber nicht sehe, ist ein Schwerter Verein in der Westfalenliga oder gar Oberliga. Höherklassiger Fußball ist in Schwerte meiner Meinung nach nicht machbar. Dazu fehlen die wirtschaftlichen Möglichkeiten in dieser Stadt.

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