„Alles irgendwie surreal“ - drei Schiedsrichter in der Corona-Pause

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Unter strengen Hygienevorgaben dürfen die Fußballer in NRW wieder trainieren. Damit endet die Corona-bedingte Schaffenspause, die die Schiedsrichter allerdings weiterhin betrifft.

Schwerte

, 04.06.2020, 16:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir haben mit drei Schwerter Referees gesprochen.

Daniel Schulte-Hostedde hat pro Saison durchschnittlich rund 50 Einsätze als Schiedsrichter und Assistent. Die Pandemie hat diesen Schnitt erstmal ruiniert. Seit in den hiesigen Amateurligen der Ball ruht, sind logischerweise auch die Schiedsrichter ohne Arbeitsauftrag.

„Das ist schon eine schwierige Zeit. Ich würde jetzt mindestens einmal in der Woche auf dem Sportplatz stehen und dabei nicht nur meinem Hobby nachgehen, sondern mich auch körperlich fithalten“, sagt der 19-jährige Schulte-Hostedde, der seit 2015 für den Geisecker SV pfeift.

Joggen und Fahrradfahren als Alternativen

Seit er weder pfeifen noch selbst kicken kann, hat er sich also sportliche Alternativen gesucht: Der junge Schiedsrichter joggt nun und fährt viel Fahrrad. Ob sich coronaspezifisch etwas ändert, wenn es eines Tages wieder losgeht? Schulte-Hostedde denkt pragmatisch. Ihm ist es wichtig, die anstehende, jährliche Regeländerung schnell zu verinnerlichen.

Daniel Schulte-Hostedde pfeift seit 2015 für den Geisecker SV, kann seinem Hobby zurzeit aber nicht nachgehen.

Daniel Schulte-Hostedde pfeift seit 2015 für den Geisecker SV, kann seinem Hobby zurzeit aber nicht nachgehen. © Bernd Paulitschke

Damit er möglichst schnell wieder das machen kann, was seit Monaten nicht mehr geht: ein ganz normales Fußballspiel pfeifen.

„Irgendwie ein bisschen surreal“

Obwohl der Lockdown bereits vor drei Monaten beschlossen wurde, erwischt sich Karsten Schebesta immer noch dabei, die ganze Situation kaum greifen zu können. „Ich finde das alles irgendwie ein bisschen surreal“, sagt der 32-Jährige. „Ich hätte nie gedacht, dass der Sport, den ich so liebe, vom einen auf den anderen Tag plötzlich pausiert.“

Karsten Schebesta, hier bei der Hallen-Stadtmeisterschaft der A-Junioren, pfeift seit fast 20 Jahren für den SC Hennen.

Karsten Schebesta, hier bei der Hallen-Stadtmeisterschaft der A-Junioren, pfeift seit fast 20 Jahren für den SC Hennen. © Bernd Paulitschke

Seit 2002 pfeift der Routinier für den SC Hennen, für den er nebenbei auch Fußball spielt. Etwas Vergleichbares hat er in seiner Karriere noch nie erlebt.

Und obwohl er seinen Sport aus richtender und spielender Perspektive stark vermisst, konnte er die frei gewordene Zeit in der Coronakrise bislang sehr gut ausnutzen: Seine Frau und er haben sich kürzlich ein Haus gekauft, wobei genug Arbeit anfällt.

Zudem ist Schebesta seit einem halben Jahr Papa – so kann er seinen Sohn intensiv in den ersten Monaten erleben.

Gibt es künftig kein Shake Hands mehr?

Der Hennener glaubt nicht, dass die regulären Spiele vor September wieder beginnen können. Und dann wird sich seiner Meinung nach auch etwas ändern. „Ich kann mir vorstellen, dass es alles ein bisschen distanzierter und der Shake Hands beispielsweise wegfallen wird. Und geduscht wird dann wahrscheinlich auch zu Hause“, sagt Schebesta.

Das wäre dann zwar nicht so, wie er den Fußball vor dem März kannte. Doch dann wäre zumindest die surreale Situation vorbei.

Teil eines deutsch-australischen Trios

In vielerlei Hinsicht kurios ist die Situation bei Gregor Podeschwa, der für Holzpfosten Schwerte 05 pfeift. Er hat seit Anfang des Jahres zwei junge Australier bei sich zu Hause aufgenommen. Einer der beiden ist der Sohn eines Studienfreundes von Podeschwa, der seinerzeit ein Semester in Australien verbrachte.

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Die Jungs aus Queensland, Connor McLoad und Brock Duffy (beide 18 Jahre), verbringen ein Jahr in Deutschland, um die Sprache zu lernen und Erlebnisse im fernen Europa zu sammeln.

Außergewöhnlich fußballverrückt

Die beiden Austauschschüler haben sich innerhalb kürzester Zeit super integriert und lernen fleißig Deutsch am Friedrich-Bährens-Gymnasium. Nebenbei sind die beiden sowohl fußballverrückt als auch Schiedsrichter, was für das Rugby- und Australia-Football-vernarrte Australien recht außergewöhnlich ist.

Doch für Podeschwa ist dies eine perfekte Konstellation: Vor der Saisonunterbrechung stand er mit den beiden Australiern bereits auf dem Platz – das Duo assistierte Podeschwa. Ganz offiziell und vom Verband abgenickt.

„Die beiden sind richtig gut“

„Die beiden sind richtig gut und das Spiel war eine tolle Sache. Schade, dass es bislang bei diesem einen Spiel blieb“, sagt Podeschwa. „Aber wir freuen uns schon auf den nächsten Einsatz und sind gespannt, wann das sein wird.“

Bis dahin beschäftigt sich das deutsch-australische Referee-Trio bisweilen mit Videoanalyse von Spielen und hält sich mit regelmäßigem Joggen fit.

Viel mehr bleibt den Amateur-Schiedsrichtern im ersten Halbjahr 2020 nicht übrig.

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