Die Holzpfosten als doppelte Trainer-„Killer“ des VfL Schwerte

mlzFußball

Vor 20 Jahren begann für den VfL Schwerte mit dem Aufstieg in die Verbandsliga die erfolgreichste Phase der letzten fast fünf Jahrzehnte der Vereinsgeschichte des Klubs - Teil 4 der Serie.

Schwerte

, 01.08.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die ersten fünf Jahre des VfL Schwerte in der Verbandsliga unter Peter Lodde und Franz-Josef „Kiki“ Kneuper verliefen überwiegend erfolgreich. Viermal platzierte der VfL sich in der oberen Tabellenhälfte. Doch mit der Nachfolge auf der Trainerbank sollte es nicht so richtig klappen.

Dieser Teil befasst sich mit den zweiten fünf Spielzeiten der Verbandsliga-Ära.

Ein „Ruhrpottler“ auf der Kommandobrücke

Zur Saison 2005/06 kam mit dem Bochumer Ralf Fischer ein erfahrener Coach auf die Kommandobrücke. Doch die Chemie zwischen dem Ruhrpottler und dem Klub vom Schützenhof passte nicht.

Dabei lief es zunächst gut. Nach sieben Punkten aus drei Spielen stand der VfL auf Rang zwei, nach zehn Spielen immerhin auf Rang vier.

Am 12. Spieltag gab es mit 0:1 gegen Weißtal die erste Heimniederlage, mit 1:3 gegen Erndtebrück die zweite gleich hinterher. Nachdem Marco Schink als Kapitän zurücktrat, wurde Daniel Limberg sein Nachfolger. Mit 1:4 gegen Wanne-Eickel folgte die dritte Heimniederlage in Folge.

Mit Interimstrainer Kneuper auf Platz acht

Mitte Januar verkündete der VfL, dass er mit Fischer nicht verlängern wolle. Gründe wurden dem Coach nicht mitgeteilt. „Er muss es akzeptieren“, so der Sportliche Leiter Peter Lodde – es war der Anfang von Fischers Ende.

Mit Bodo Sievers, einem „Schwerter Jungen“, wurde wenige Tage später der Trainer für die kommende Saison vorgestellt. Ralf Fischer warf die Brocken hin und wechselte prompt zum Oberligisten nach Erkenschwick. „Kiki“ Kneuper kehrte für ein halbes Jahr als Interimstrainer zurück und brachte den VfL ohne Zittern auf Platz acht in den sicheren Hafen.

Zur Saison 2006/07 sollte es also mit Bodo Sievers ein Trainer richten, der auf dem Schützenhof aufgewachsen war. Doch sportlich lief es von Beginn an nicht. Erst am fünften Spieltag gab es den ersten Sieg. Unter Sievers gelangen überhaupt nur zwei. Sieben Unentschieden und sieben Niederlagen standen noch zu Buche – der VfL überwinterte auf einem Abstiegsplatz.

Blamables Aus gegen einen C-Ligisten

Es folgte das blamable Vorrunden-Aus bei den Hallenstadtmeisterschaften, als der VfL am C-Ligisten Holzpfosten Schwerte scheiterte – einer Mannschaft, die ihre erste Saison überhaupt spielte.

Der VfL trennte sich noch im Januar von Bodo Sievers. „Es hat einfach nicht gepasst“, meinte Präsident Udo Wilkes – auch Sievers war als Trainer nie so richtig angekommen an seiner ehemaligen Wirkungsstätte.

Diesmal übernahm Peter Lodde bis zum Saisonende. Ende März feierte der VfL endlich den zweiten Heimsieg – ein Paukenschlag. Denn der amtierende Meister DSC Wanne-Eickel wurde mit 5:0 abgefertigt. Eine Woche später verließen die Blau-Weißen die Abstiegsplätze und machten am drittletzten Spieltag mit einem 1:0-Sieg in Weißtal den Klassenerhalt perfekt.

Die letzten beiden Spiele übernahm Co-Trainer Marco Schink, der auch zur neuen Saison als Chef-Trainer vorgesehen war.

Jetzt lesen

Doch auch der Versuch mit Marco Schink scheiterte. In der Saison 2007/08 übernahm der VfL nach vier Spielen die „Rote Laterne“. Ein 3:0-Sieg in Buer verschaffte nur kurzfristig Luft. Nach einem 0:0 gegen Hassel am achten Spieltag erklärte Schink noch auf der Pressekonferenz seinen Rücktritt.

Der Verein wurde völlig überrascht. „Damit hat keiner gerechnet. Das kam aus heiterem Himmel“, so der Wirtschaftsratsvorsitzende Arnd Brenscheidt damals.

Mit Kneuper aus dem Tal der Tränen

Erneut ging die Trainersuche los. Raimund Striewe und Lodde überbrückten drei Spiele – mit drei Niederlagen. Dann wurde die Nachfolge erneut intern gelöst. „Kiki“ Kneuper kehrte abermals auf die VfL-Trainerbank zurück.

Er feierte mit 3:2 gegen Vorwärts Kornharpen einen Einstand nach Maß und der VfL gab die Rote Laterne ab. Kneuper führte die Blau-Weißen erneut aus dem Tal der Tränen, legte mit 33 Punkten aus 19 Spielen eine ganz starke Bilanz hin und schaffte mit dem Team sogar noch Platz acht in der Abschlusstabelle.

Damit führte Kneuper den VfL auch in die Westfalenliga, denn so hieß die Verbandsliga ab der Saison 2008/09. Doch zum vierten Mal in Folge erreichte ein VfL-Trainer das Saisonende nicht. Nach durchwachsenen neun Spielen verkündete Kneuper, dass er am 2. November gegen Olpe (4:2) zum letzten Mal auf der Bank sitzen werde. Erneut wurde der Verein überrascht. „Aus rein privaten und gesundheitlichen Gründen“ trat er von seinem Traineramt zurück. Präsident Udo Wilkes habe „ziemlich geschockt“ reagiert.

Jetzt lesen

Seinen Nachfolger Ulrich Sieweke lotste Kneuper dagegen höchstpersönlich zum Schützenhof.

Unter Sieweke pendelte sich der VfL trotz einer unbefriedigende Rückrunde im Mittelfeld (Platz neun) der Liga ein. Vier Niederlagen in Folge mit zusammen 1:13 Toren, ein peinliches Debakel mit 1:11 in Erndtebrück und 73 Gegentore waren heftig.

David Flamme gibt Kapitänsamt ab

„Ich denke, wir sind besser besetzt als in der letzten Saison“, meinte Sieweke bei der Vorstellung zur Saison 2009/10. „In meinen Augen wird die Saison für uns ein knallharter Kampf gegen den Abstieg“, warnte dagegen Top-Stürmer David Flamme, der nach Differenzen mit dem Trainer sein Kapitänsamt abgab.

Die Vorbereitung brachte einige Niederlagen gegen unterklassige Gegner.

Mit einem 0:1 gegen Holzpfosten Schwerte (Kreisliga B) schied der VfL dann als klassenhöchstes Team und Ausrichter der Stadtmeisterschaft in der Vorrunde aus. Ulrich Sieweke warf das Handtuch – bereits vor der Saison.

Jetzt lesen

Olaf Muschal, eigentlich Trainer der Zweitvertretung, wurde befördert und führte den VfL in die Saison. Es wurde der erwartete Abstiegskampf. Die Schwerter überwinterten auf einem Abstiegsplatz, holten vor allem auswärts nur zwei Punkte. Nach einer Serie von sechs Niederlagen und zwei Remis trat auch Muschal, der zudem zwei kurz aufeinander folgende Todesfälle im engsten Familienkreis zu verkraften hatte, zurück.

Lodde kann Abstieg nicht mehr verhindern

Diesmal sprang Peter Lodde in der Not noch einmal ein, mit Marco Schink als Co-Trainer. Der Aufstiegstrainer versuchte das Blatt noch zu wenden, doch erst nach drei Niederlagen folgten zwei Siege. Es sollte nicht mehr reichen. In Ennepetal kassierte der VfL in der Nachspielzeit noch das 3:3, zwei Tage später besiegelte die Konkurrenz den Abstieg des VfL Schwerte – nach zehn Jahren.

Lodde und Kneuper hatten zusammen über 70 Prozent aller Spiele gecoacht. Doch einen adäquaten Nachfolger hatte der VfL in fünf Jahren nicht gefunden.

Lesen Sie jetzt