Ende des Erstligatraums, aber zufrieden - wie geht das, Lynn Kosina?

mlzVolleyball

Das Abitur hat Lynn Kosina noch in Münster gemacht. Doch nun ist die 18-Jährige aus dem dortigen Volleyball-Internat nach Schwerte zurückgekehrt.

Schwerte

, 13.07.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Lynn Kosina ging es jahrelang steil nach oben – die Volleyball-Bundesliga war ein stetiges wie realistisches Ziel. Dazu verbrachte sie ihre vergangenen drei Jahre im Internat. Jetzt hat sich die 18-Jährige aber dafür entschieden, ihren einst alles überragenden Traum aufzugeben.

Ein Vielfaches mehr an Zeit und Freiheit

Lynn Kosinas Leben ist nun ein anderes. Wenn sie darüber nachdenkt, was sich am meisten verändert hat, sind es Zeit und Freiheit.

Jetzt lesen

Beides hat sie nun um ein Vielfaches mehr als bislang. Die 18-Jährige ist vom Volleyball-Internat in Münster zurück nach Schwerte gezogen. Zuletzt feierte sie dort ihre Abitur-Party. Den Schulabschluss hatte sie noch in Münster gemacht.

Jetzt ist sie zurück in Schwerte.

Die Entscheidung, den Leistungssport aufzugeben

Die Zeiten, in denen sie von morgens bis nachmittags Schule, viermal die Woche danach noch Training hatte und zusätzlich drei Früheinheiten abspulte, sind vorbei. Lehrgänge für den WVV und die Nationalmannschaft, in die sie 2016 erstmals berufen wurde, gibt es nun nicht mehr.

Eine Schwerterin für Deutschland: Lynn Kosina wurde im November 2016 Jugendnationalspielerin.

Eine Schwerterin für Deutschland: Lynn Kosina wurde im November 2016 Jugendnationalspielerin. © Bernd Paulitschke

Lynn Kosina hat sich entschieden, den Leistungssport, wie sie ihn bis jetzt kannte, aufzugeben.

„Das fiel mir definitiv nicht leicht“, gesteht sie. Schließlich habe sie sogar das Angebot bekommen, in der 1. Bundesliga zu spielen.

„Mit Schmerzen macht Volleyball keinen Spaß“

Doch aus den 2018 auftretenden Kniebeschwerden wurden eine lange Pause, eine Operation und immer wieder kleinere, aber schmerzhafte Blessuren. „Mit dem Trainingspensum in der Ersten Liga“, sagt Kosina, „wäre ich kaputtgegangen. Und mit Schmerzen macht mir der Volleyball einfach keinen Spaß.“

Sie erinnert sich an jenen Tag im Winter, als sie mit den Bundesliga-Volleyballerinnen des USC Münster trainierte. Da schossen ihr plötzlich auch ganz grundsätzliche Gedanken durch den Kopf.

„Ich habe da gemerkt, dass das nicht mehr ganz meine Welt ist.“ Die Entscheidung, in Münster zu quittieren, fällte sie dann im Frühjahr – ganz alleine und mit Überzeugung.

Heute sei sie „total zufrieden“ mit ihrem Entschluss. „Auch wenn es immer mein Traum war, in der Ersten Liga zu spielen.“

Für den TV Hörde in der 3. Liga

Kosina spielt natürlich weiter Volleyball. Ein Leben ohne ihren Lieblingssport ist kaum vorstellbar. Sie ist zum TV Hörde gewechselt, dessen Damen in der 3. Liga spielen. Das ist noch immer sehr ambitioniert, bietet der Schwerterin allerdings den entscheidenden Vorteil, ihr bisheriges Pensum spürbar runterfahren zu können. Und damit auch den Druck.

Gemeinsam mit Sarah Müller wird Lynn Kosina (re.) im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) zur neuen Saison die Nachwuchsarbeit des VV Schwerte unterstützen.

Gemeinsam mit Sarah Müller wird Lynn Kosina (re.) im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) zur neuen Saison die Nachwuchsarbeit des VV Schwerte unterstützen. © VV Schwerte

Gleichzeitig ist Lynn Kosina auch wieder für ihren Heimatverein tätig. Gemeinsam mit Sarah Müller startet sie ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Volleyballverein Schwerte. Auf die vakante Stelle ist sie über Facebook aufmerksam geworden.

Jetzt lesen

FSJ-Stelle beim VV Schwerte

Und weil sie nach dem Abitur ohnehin ein Jahr „Pause“ einlegen wollte, passt die FSJ-Stelle beim VVS optimal. Zumal sie hier bald viel mit Grundschulkindern zusammenarbeitet, AGs und Volleyball-Camps organisiert.

Denn die 18-jährige Abiturientin kann sich gut vorstellen, mal als Grundschullehrerin zu arbeiten.

Jetzt beginnt für Lynn Kosina erst einmal das, was sie selbst ein „eher normaleres Leben“ nennt. Sie freut sich auf diese neue Normalität.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt