Gummi-Granulat im Visier der EU-Umweltschützer: Die Vereine machen sich Sorgen

mlzFußball

Die Überschrift des Artikels aus der „Welt“ klingt dramatisch. „Geplantes Kunstrasenverbot bedroht den Amateurfußball“ stand da zu lesen. Aber ist die Lage wirklich so ernst, wie es klingt?

Schwerte

, 23.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Hintergrund ist eine von der Europäischen Union (EU) geplante Richtlinie zur Vermeidung von Plastikmüll, nach der ab 2022 das Gummi-Granulat verboten werden soll, das auf der neueren Generation von Kunstrasenplätzen verwendet wird. Das Granulat gilt als einer der größten Verursacher für Umweltbelastungen durch Mikroplastik.

Wir haben bei den betroffenen Schwerter Vereinen nachgefragt. Aus dem Bereich des Schwerter Stadtsportverbands sind dies die Sportplätze in Ergste, Geisecke, Garenfeld und Holzen.

„Keiner will Mikroplastik haben“

Detlef Ens, Geschäftsführer der Fußballabteilung der SG Eintracht Ergste, sagt zwar, er sei von Panikmache weit entfernt. „Aber natürlich haben wir uns mit der Thematik schon beschäftigt“, so Ens. Und weiter: „Grundsätzlich finde ich den Gedanken gut – keiner will Mikroplastik haben. Und ich denke, es gibt auch Alternativen. Aber die kosten natürlich Geld“, sagt Ens.

Man bewege sich in der Größenordnung eines mittleren fünfstelligen Betrages, meint Ens, der mit dem Sportplatzbauer Kontakt aufgenommen hat, der im Jahr 2013 den Kunstrasen auf dem Bürenbruch geschaffen hat. Kork statt Granulat könnte demnach eine Alternative sein. Aber auf die Frage, ob und wie diese Alternative technisch umzusetzen ist, gibt es offenbar noch keine konkrete Antwort.

„Noch sehen wir die Sache recht entspannt. Ich denke, dass es Möglichkeiten geben wird, das Problem zu lösen“, meint Ens.

„Sollen wir die Kinder nach Hause schicken?“

Ein Jahr nach dem Ergster Kunstrasen bekam der Geisecker Sportplatz am Buschkampweg eine Kunstrasendecke. Thomas Redel, Sportlicher Leiter des Geisecker SV, hat im Gegensatz zu seinem Ergster Kollegen Ens kein Verständnis für die geplante EU-Richtlinie. Redel weist auf die gravierenden Folgen für die kleinen Vereine, wie es auch die „Kleeblätter“ sind, hin: „Wie stellt man sich das denn vor: Der Platz wird geschlossen, und wir schicken die Kinder und Jugendlichen nach Hause? Wo soll das denn enden?“, fragt Redel.

Wenigstens Bestandsschutz müsse es doch geben, fordert Redel – auch vor dem Hintergrund eines Zertifikates der Herstellerfirma: „Unsere Anlage ist vor fünf Jahren vom DFB offiziell als umweltverträglich abgenommen worden“, sagt Redel und schimpft: „Da reißt man sich den A.... auf, um den Kunstrasen nahezu komplett in Eigeninitiative hinzukriegen - und dann kriegt man so einen vor den Koffer.“

Vor allem die Jahreszahl 2022 macht Sorgen

Im Garenfelder Waldstadion wird seit 2010 auf Kunstrasen gekickt – Gummi-Granulat inklusive. Auch in der Führungsetage des SC Berchum/Garenfeld hat man sich zwangsläufig mit der Thematik schon beschäftigt – wenn auch noch nicht sonderlich intensiv, wie Thomas Wegener, Sportlicher Leiter des SC, verrät. Wegener sagt: „Ich habe große Probleme mit dem, was da aus Brüssel kommt. Vor allem die Jahreszahl 2022 macht mir große Sorgen“, sagt Wegener. Und wenn er an die Kosten denkt, die bei einer Umrüstung zum Beispiel auf ein Kork-Sand-Gemisch entstehen, „dann gehen die Alarmglocken an.“

So weit will Andreas Bartels, Fußballabteilungsvorsitzender des TuS Holzen-Sommerberg, noch nicht gehen. „Wir nahmen die Diskussion zur Kenntnis, haben aber im Detail noch nicht darüber gesprochen. Auf der nächsten Vorstandssitzung wird es ganz sicher ein Thema werden“, sagt Bartels und verrät, dass es für den 2015 verlegten „grünen Teppich“ im Holzener Eintrachtstadion durchaus eine Überlegung gewesen sei, Kork statt Gummi-Granulat zu nehmen. „Vielleicht wäre das die bessere Alternative gewesen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer“, so Bartels.

Sand statt Granulat - im Nachhinein besser so

Solche Gedanken muss man sich beim SC Hennen hingegen nicht machen. Das künstliche Grün im Naturstadion 2009 ist sandverfüllt – so wie alle Anlagen, die die Stadt Iserlohn seinerzeit im Rahmen ihren umfangreichen Sportplatz-Sanierungen renoviert hat. „Damals haben wir uns darüber geärgert, weil wir lieber Granulat gehabt hätten. Im Nachhinein muss man wohl sagen, dass es so jetzt besser ist“, sagt Hennens Fußball-Vorsitzender Marco Vorländer.

Kein Thema ist Gummi-Granulat auch auf den restlichen drei Kunstrasenplätzen des Stadtgebiets. Die mittlerweile in die Jahre gekommene Platzdecken auf dem Schützenhof beim VfL Schwerte, im EWG-Sportpark in Schwerte-Ost und in der GWG-Schwerte-Arena an der Westhofener Wasserstraße gehören noch zur ersten Kunstrasengeneration. Seinerzeit wurde mit Sand verfüllt – aus Umweltgesichtspunkten unbedenklich.

So muss man sich beim VfL und ETuS/DJK Schwerte sowie beim VfB Westhofen mit der Thematik wohl erst beschäftigen, wenn eine neue Platzdecke fällig wird oder wie im Falle des VfL eine neue Anlage entstehen soll – dann aber ohne Gummi-Granulat. Weil es die EU so haben will.

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