Mit 54 zwischen den Pfosten einer Bezirksliga-Mannschaft

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Wenn die Bezirksliga-Fußballer des SC Berchum/Garenfeld auf Torejagd gehen, ist Klaus Boelke normalerweise einer ihrer treuesten Zuschauer. Doch am vergangenen Sonntag war alles anders.

Schwerte

, 18.02.2019, 18:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Plötzlich war Boelke mittendrin statt nur dabei - als Torwart des Tabellendritten. Und das mit 54 Jahren, ausgerechnet im Topspiel beim verlustpunktfreien Tabellenführer Spielvereinigung Hagen 11.

Auf der Bezirkssportanlage in Hagen-Emst läuft die 70. Spielminute, als es rappelt. Der Berchum/Garenfelder Stammtorwart Dominik Hollmann bleibt nach einem Zusammenprall liegen und kann nicht mehr weiterspielen. Normalerweise wäre nun Patrick Klose am Zug, doch der etatmäßige Ersatzkeeper des Bezirksliga-Teams hatte sich am Sonntagmorgen mit einer Grippe abgemeldet.

Normalerweise im Altherrentor

So erreichte Boelke, dessen sportliches Betätigungsfeld normalerweise das Tor des Berchum/Garenfelder Altherrenteams ist, der Anruf des Teamkoordinators Sebastian Schulte, ob er sich für die Partie beim Spitzenreiter als zweiter Torwart zur Verfügung stellen könne.

Kein Problem für Boelke, zumal die „Erste“ kein gänzlich unbekanntes Terrain für den 54-Jährigen ist. Ab und zu sei er mal beim Training des Teams von Dieter Iske, verrät Boelke. „Aber natürlich war nicht geplant, dass ich spiele.“

Aber nun musste er ran - vor immerhin rund 350 Zuschauern und beim Spielstand von 1:1. Der SC war also auf dem besten Weg, dem souveränen Spitzenreiter die weiße Weste zu beklecksen.

„Fühle mich noch ganz fit“

„Ein bisschen nervös“ sei er schon gewesen, gesteht Boelke, „aber das gehört doch dazu.“ Aber es sei keineswegs so gewesen, dass ihm das Herz in die Hose gerutscht ist. Das hat zum einen mit seiner körperlichen Konstitution zu tun („Ich fühle mich eigentlich noch ganz fit“), zum anderen war es nicht sein erstes Bezirksliga-Intermezzo.

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison musste Boelke eine Halbzeit lang beim ETuS/DJK Schwerte ran, als Torwart Manuel Tragelehn mit „Rot“ vom Platz flog. Fünf Gegentore musste Boelke in diesem Spiel am 27. Mai vergangenen Jahres schlucken.

„Nur ein, zwei Schüsschen“

Von solch einer Gegentorflut war Boelke in Hagen meilenweit entfernt. „Ich habe kaum was drauf gekommen - das waren nur ein, zwei Schüsschen“, berichtet Boelke. So hielt der Oldie seinen Kasten sauber - bis zur vierten Minute der Nachspielzeit, als Hagen 11 nach der zwischenzeitlichen SC-Führung zum 2:1 dann doch noch zum 2:2 ausglich.

„Das war richtig ärgerlich - auch wenn es sicherlich insgesamt wohl ein gerechtes Ergebnis war“, meint Klaus Boelke. Ankreiden lassen musste Boelke sich den Hagener Last-Minute-Ausgleich nicht. „Der war unhaltbar“, sagt der Keeper.

Und trotzdem wird er von der Torwart- wieder zurück in die Zuschaurrolle wechseln - bis er in seinem fortgeschrittenen Fußballalter zum nächsten Mal als Aushilfskraft zwischen den Pfosten gebraucht wird.

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