Niklas Heidemann, ein Drittliga-Profi in Corona-Zeiten: „Wie im Film“

mlzInterview

Der Schwerter Fußballprofi Niklas Heidemann über sein komisches Gefühl bei Corona-Tests, ein Quarantäne-Trainingslager und wie er mit Preußen Münster noch den Klassenerhalt schaffen will.

Schwerte

, 07.06.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch vor wenigen Wochen musste der Schwerter Fußballprofi Niklas Heidemann, Drittligaspieler beim SC Preußen Münster, den Großteil seines Trainings im heimischen Garten verbringen.

Der Shutdown hatte zunächst auch die Profikicker mit voller Härte getroffen. Münster musste seine Spieler zeitweise gar in Kurzarbeit schicken.

Doch diese Zeiten scheinen schon wieder vorbei zu sein. Seit vergangener Woche wird auch in der Dritten Liga wieder gespielt.

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Linksverteidiger Heidemann (25) erzählt, warum er sich nicht an einen Corona-Test gewöhnt und wie er mit Münster noch den Klassenerhalt schaffen will.

Wie häufig musstest Du schon zum Corona-Test?

Das sind jetzt schon einige gewesen. Und ich kann sagen: Es ist nicht angenehmer geworden, das macht keinen Spaß. Man bekommt das Stäbchen relativ weit in den Rachen gesteckt, um den Abstrich zu bekommen. Ein komisches Gefühl. Ich gewöhne mich jedenfalls nicht dran.

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Wie sieht das Profileben unter den strengen Auflagen aus?

Der DFB (zuständig für die Dritte Liga, Anm.d.Red.) hat sich mit den Regeln stark an der DFL und den Konzepten der Ersten und Zweiten Liga orientiert. Wir haben einen eigenen Hygienebeauftragten, der alles beaufsichtigt und der darauf achtet, dass die Regeln eingehalten werden.

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Es bleibt jedoch eine komische Situation. Ich erinnere mich da ans erste Kleingruppentraining am 13. Mai. Da sind wir zum Stadion gekommen und wurden erstmal mit dem Fieberthermometer getestet. Da kam man sich vor wie im Film. Wir mussten vor dem Re-Start dann eine Woche lang ins Quarantäne-Trainingslager, lebten komplett abgeschottet auf einer eigenen Hotel-Etage und sind nur zum Training vor die Tür. Mittlerweile dürfen wir aber wieder nach Hause und werden bis zu dreimal in der Woche getestet.

Wurdet Ihr als Spieler mit in den Entscheidungsprozess einbezogen? Und hättet Ihr Euch auch widersetzen können?

Ja, wir alle waren frei in unserer Entscheidung. Jeder von uns hätte auch sagen können, dass einem das zu gefährlich ist. Dann wäre man auch nicht spielberechtigt gewesen. Wir wurden aber sorgfältig über das Risiko aufgeklärt. Bei uns sind alle den Weg mitgegangen. Und jetzt hoffe ich, dass wir alle gesund bleiben.

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Verstehst Du Menschen, die den Wiederstart des Profifußballs kritisieren?

Das verstehe ich schon. Schließlich sind das wirklich hohe Auflagen, die zu rechtfertigen sind. Nichtsdestotrotz sind Fußballvereine im Profibereich Wirtschaftsunternehmen. Da hängen viele Arbeitsplätze dran und daher war es wichtig, wieder anzufangen. Darüber hinaus ist es gut, dass nicht am Grünen Tisch entschieden wird, wer auf- und absteigt. Das will ich lieber selbst in der Hand haben.

Preußen Münster ist in großer Abstiegsgefahr, steht acht Spieltage vor dem Ende auf dem drittletzten Platz, hat drei Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Seit der Wiederaufnahme habt Ihr zwei Spiele gewonnen und eines knapp verloren – wie schafft Preußen noch den Klassenerhalt?

In den acht Spielen sind noch genügend Punkte zu sammeln. Und die Tendenz – vor und nach der Unterbrechung – zeigt ganz klar, dass wir auf Augenhöhe mit den anderen Mannschaften agieren. Im Vergleich zur Hinrunde haben wir einige Schritte nach vorne gemacht. Wenn wir diesen Weg fortführen, werden wir es schaffen. Klar ist aber auch, dass das bis zum Ende ein knappes Saisonfinale sein wird.

Wie geht es für Dich ab dem Sommer weiter?

Das ist noch unklar. Für den Verein war es jetzt zunächst ein enormer Kraftakt, unter den ganzen Auflagen wieder spielen zu können. Was mich angeht, sind noch ein paar Fragen offen. Wir haben gerade erst wieder angefangen – und deshalb liegt meine Konzentration nun erstmal auf den Spielen. In den nächsten Wochen wird man gucken, wie es für mich weitergeht.

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