Benjamin Bork wechselt doch nicht zu Vinnum - Westfalia ärgert sich über „Wortbruch“

mlzFußball

Vorgestellt in Vinnum, verabschiedet aus Olfen - klingt nach einem normalen Wechsel von Verteidiger Benjamin Bork. Doch jetzt kommt alles anders. Er lässt ratlose Vinnumer zurück.

Vinnum, Olfen

, 12.06.2019, 13:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn man Benjamin Bork nach Westfalia Vinnum fragt, erntet man beim Innenverteidiger, der mit dem SuS Olfen gerade in die Bezirksliga aufgestiegen ist, Kopfschütteln. Im April stellte A-Ligist Westfalia Vinnum den 37-Jährigen als Neuzugang vor. Fast auf den Tag genau zwei Monate später dementiert Benjamin Bork seinen Wechsel zum Ortsnachbarn offiziell und hat stattdessen ein Amt als spielender Co-Trainer bei der SpVgg Erkenschwick II angenommen. Und Westfalia Vinnum ärgert sich riesig über die Nichteinhaltung der Zusage.

„Ich habe Vinnum nie zugesagt“, widerspricht Bork am Dienstag. Er habe dem Verein mitgeteilt, dass er zwar für weitere Gespräche zur Verfügung stehe. „Wenn du mich im Dezember gefragt hättest, hätte ich geantwortet, dass es echt Charme hätte. Das kann ich nicht bestreiten“, sagt Bork über die Gespräche. Aber zugesagt habe er nie, beteuert er. Die Nachricht seines angeblichen Wechsels zu Vinnum erreichte Bork während eines USA-Urlaubs. Das Handy stand nicht still. „Gefühlt hat die halbe Olfener Mannschaft nachgefragt, was denn da los ist“, sagt er und zeigte sich überrascht von der Vermeldung als Neuzugang.

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Auf dem Foto, das der Verein veröffentlichte, fehlte Benjamin Bork damals. Und als die Redaktion versuchte, ihn im Vorfeld zu kontaktieren, wich er bereits damals aus. Er werde sich erst nach der Saison Gedanken über die Zukunft machen, ob er überhaupt weiterspielt, und wenn ja, wo. Nach einem Engagement bei Westfalia Vinnum klang das damals nicht. „Ich glaube, dass Westfalia Vinnum zugeben muss, dass diese Vorstellung mindestens unglücklich war“, sagt Bork am Dienstag.

Benjamin Bork hatte schon Ausrüstung in Vinnum bestellt

Das will Vinnum aber nicht so stehen lassen. „Er hatte fest zugesagt, mündlich“, sagt Patrick Roser, Sportlicher Leiter bei Westfalia Vinnum. Der Verein habe von dem Spieler schon dessen Kleidergröße zwecks Bestellung eines Trainingsanzuges haben wollen - und Benjamin Bork hatte geantwortet, dass er Anzug und Trikot in L, Hose zum Trikot „bitte in XXL“ benötige. Das war am 3. Mai. Benjamin Borks Wechselabsicht könnte man daraus durchaus interpretieren.

Roser ärgerte die Absage und er erkundigte sich am 31. Mai per Kurzmitteilungsdienst Whatsapp, schließlich habe Bork seine Zusage gegeben. Bork begründete die Absage beim Trainer mit Motivationsproblemen und einem anderen Angebot. Beide Chatverläufe liegen der Redaktion als Auszug vor.

Westfalia Vinnum unterstellt Benjamin Bork schlechten Stil

Deswegen will man in Vinnum auch von einer verfrühten Vermeldung nichts wissen. Benjamin Bork sei sogar schon in eine interne Whatsapp-Gruppe zwecks Mannschaftsorganisation eingebunden gewesen. Bork bestätigt: „Ich bin in eine Whatsapp-Gruppe eingeladen worden, habe dem Coach aber daraufhin geschrieben, dass ich nicht zur Verfügung stehe.“

Das wiederum kritisiert Roser ironisch: „Sehr stilvoll. Wenn man sowas von einem 18-Jährigen hört, ist das etwas anderes. Der ist noch grün hinter den Ohren. Von ihm erwarte ich mehr Rückgrat und ein Telefonat. Für alles findet man Lösungen.“

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Am Ende ist es ein großes Missverständnis zwischen Abwehrspieler und Verein. Der Trainingsauftakt am Donnerstag, 4. Juli, und die Mannschaftspräsentation am Sonntag, 7. Juli, werden ohne Benjamin Bork stattfinden. Einen Innenverteidiger suche Vinnum. Aber: „Wir sind nicht in Handlungsnöten. Hinten sind wir sehr gut aufgestellt“, so Roser. Zwei weitere Neuzugänge werde die Westfalia erst beim Auftakt bekanntgeben.

SuS Olfen wollte Benjamin Bork im Trainerbereich halten

Auch der SuS Olfen hätte Bork gerne gehalten und ihn gerne an den Trainerjob herangeführt. Benjamin Bork hat sich jedoch für die SpVgg Erkenschwick II entschieden, einen ambitionierten B-Ligisten aus dem Kreis Recklinghausen. „Auf dem Papier waren beide Angebote deckungsgleich“, sagte Bork. In Olfen hätte er bei der A-Jugend hospitieren sollen. Wie die Erkenschwicker hätten auch die Olfener in Aussicht gestellt, ihm eine Lizenz zu finanzieren.

Benjamin Bork wechselt doch nicht zu Vinnum - Westfalia ärgert sich über „Wortbruch“

Goerg Lackmann (l.) und Norbert Sander (2.v.l.) verabschieden Benjamin Bork am letzten Heimspieltag in Olfen. © Jürgen Weitzel

„Ausschlaggebend war dann, dass ich doch noch nicht damit abgeschlossen habe, selbst aktiv zu sein“, sagt der 37-Jährige. Das Bezirksliga-Niveau, weiß Bork selbst, sei dann für ihn doch zu hoch, um eine ganze Saison zu spielen. Aber: „Erkenschwick kann es sich nicht leisten, eine zweite Mannschaft in der B-Liga zu haben.“ Das habe ihn noch einmal gereizt.

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Dabei habe er durchaus schon ans Aufhören gedacht. „Als ich im Winter morgens durch die Steverauen gelaufen bin, als es arschkalt war, habe ich mich zum ersten Mal gefragt: Was machst du hier eigentlich?“ Das Aufstiegsjahr in Olfen war für Benjamin Bork trotzdem ein gewonnenes. Er fühle sich so fit wie seit Jahren nicht mehr.

Benjamin Bork trifft gegen Westfalia Osterwick

Und: „Ich hatte in Olfen einen Riesenspaß. Wenn man da in der Kabine mit 19-Jährigen zusammen sitzt, dachte ich erst, dass sie über mich lachen, dabei haben wir zusammen gelacht. Es war ein gelungenes Jahr“, sagt der in Olfen wohnende Fußballer. Dass es ein gelungenes Jahr wurde, daran hatte Bork auch seinen Anteil: 21 Einsätze verbuchte er, spielte 1422 Minuten (neuntbester Wert im Kader) und erzielte zwei Tore - eins davon gegen Osterwick.

Benjamin Bork wechselt doch nicht zu Vinnum - Westfalia ärgert sich über „Wortbruch“

Wichtiges Tor: Benjamin Bork traf gegen Osterwick und feierte das Tor mit Felix Schröder. © Sebastian Reith

Anmerkung: In einer vorangegangenen Version des Textes lag der Redaktion das Material aus den Chatverläufen noch nicht vor.

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