Bork-Torwart Marvin Koch: „In der Kabine war es sehr still nach dem Spiel“

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Marvin Koch, Ersatz-Torwart des PSV Bork, ersetzte gegen die SG Massen den Stammtorhüter. Nach dem Spiel hatte er zehn Gegentore auf dem Konto. Trotzdem glaubt er an den Ligaverbleib.

Bork

, 18.02.2019, 15:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Für einen Torhüter ist jedes Gegentor eines zu viel. Was aber, wenn es in einem Spiel gleich zehn sind? Was, wenn das auch noch im allerersten Heimspiel für die erste Mannschaft passiert? Und wie fühlt man sich, wenn man jetzt schon weiß, dass man im nächsten Spiel wahrscheinlich auf der Bank sitzt? Über all das haben wir mit dem erst 18-jährigen Marvin Koch, Torwart des PSV Bork, am Tag nach der 1:10-Niederlage gegen die SG Massen in der Kreisliga A2 Unna-Hamm gesprochen.

Herr Koch, wie geht es Ihnen heute, haben Sie die Niederlage schon verarbeitet?

Nein, auf keinen Fall. Ich werde noch ein paar Tage oder sogar ein paar Wochen daran knabbern - auch, weil es ein besonderes Spiel für mich war.

Inwiefern?

Ich bin jetzt schon seit neun Jahren beim PSV, wurde vor der Saison aus der Jugend in die erste Mannschaft hochgezogen und soll jetzt erstmal eine Aufbausaison spielen und aushelfen, wenn es nötig ist. Jetzt war Jan Stember am Sonntag verletzt und ich bin eingesprungen. Das Spiel gegen Massen war erst mein zweites Ligaspiel und das erste vor heimischem Publikum, da war ich schon sehr nervös, das war etwas Besonderes.

Wie haben Sie sich denn während des Spiels gefühlt?

Also, sowas wie am Sonntag habe ich noch nicht erlebt. Als wir nach 30 Minuten schon 0:4 hinten gelegen haben, habe ich gedacht, dass das nicht wahr sein kann. Da habe ich mich echt überrannt gefühlt, das war wirklich hart.

Ihr Trainer Markus Kuhn hat nach dem Spiel gesagt, dass Sie keine Schuld an der Niederlage trifft, sehen Sie das auch so?

Ich kann auf keinen Fall zufrieden mit mir sein, aber ich bin natürlich nicht Schuld an der Niederlage. Ich habe nach dem Spiel auch viel Zuspruch von außen bekommen.

Wie wütend waren Sie auf ihre Vordermänner?

Sauer war ich nicht, ich war eher enttäuscht. Ich habe ja gesehen, dass die Jungs sich Mühe gegeben haben. Trotzdem dachte ich mir dann beim 1:6: Wie soll das enden?

Wie war denn die Besprechung in der Kabine nach dem Spiel?

Die gab es nicht. Ich kann nur soviel sagen: In der Kabine war es nach dem Spiel sehr still.

Schaffen Sie es denn, privat abzuschalten und den Kopf frei vom Fußball zu bekommen?

Nein, es ist total schwer für mich, nicht darüber nachzudenken. Ich mache in Selm im Moment mein Abi und muss auch während der Schule ständig an den Fußball denken.

„Nach so einer Leistung muss das Training unangenehm werden.“
Marvin Koch

Hatten einen Tag nach der Niederlage schon Kontakt zu einem Mitspieler? Wie ist die Stimmung im Team?

Ehrlich gesagt hatte ich noch keinen Kontakt zu den anderen. Ich glaube, wir müssen erstmal Einzelverarbeitung betreiben. Nur Markus Kuhn hat mir geschrieben und mir gesagt, dass er mich von der Niederlage rausnimmt.

11 Punkte nach 18 Spieltagen, ein Torverhältnis von 22:60 und der vorletzte Tabellenplatz. Warum kommt der PSV Bork einfach nicht in die Saison?

Ich glaube, es liegt auch am Verletzungspech, in Daniel Berndt fehlt uns zum Beispiel ein unglaublich wichtiger Mann. Von der Qualität her sind wir eigentlich stärker, aber wir müssen einfach unseren Platz in der Liga finden. Ich will niemandem die Einstellung absprechen, aber ich glaube irgendwie auch, dass der ein oder andere noch nicht den Ernst der Lage verstanden hat.

Glauben Sie, dass Sie noch die Kurve kriegen?

Davon bin ich fest überzeugt. Wir müssen unsere Trainingsbeteiligung auf jeden Fall stark verbessern, und vielleicht wieder ein bisschen mehr Glück mit Verletzungen haben. Wir dürfen nicht mehr versuchen schön zu spielen, sondern effektiv.

Bork-Torwart Marvin Koch: „In der Kabine war es sehr still nach dem Spiel“

PSV-Torhüter Marvin Koch sprach Trainer Markus Kuhn nach der 1:10-Niederlage sein Vertrauen aus. © Weitzel

Bei so einem Saisonverlauf stellt sich natürlich auch die Frage, ob Markus Kuhn noch der richtige Trainer für den PSV ist...

Also ich kenne Markus erst seit dieser Saison, aber kann schon sagen, dass er menschlich wirklich klasse drauf ist und er erreicht uns auf jeden Fall noch.

Wie unangenehm wird das erste Training nach so einem Auftritt am Wochenende sein?

Nach so einer Leistung muss das Training meiner Meinung nach unangenehm sein. Und es muss eine richtige Ansage geben.

Stammtorhüter Jan Stember wird im nächsten Spiel gegen den SV Frömern wahrscheinlich wieder zwischen den Pfosten stehen. Ärgert es Sie, dass Sie sich nach so einer Niederlage nicht wieder beweisen dürfen?

Ja, irgendwo ärgert es mich schon, aber ich will ja erstmal reinkommen ins Team. Trotzdem habe ich den Anspruch, so oft zu spielen wie möglich und in der nächsten Saison schauen wir dann nochmal neu.

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