Cappenberger Sportverein könnte mit Geld vom Land aus dem Dornröschenschlaf aufwachen

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Der Brauereiknapp in Cappenberg liegt im Dornröschenschlaf. Die Gaststätte dort steht leer, und das Vereinsheim daneben ist ein Sanierungsfall. Jetzt besteht die Chance, das Blatt zu wenden.

Cappenberg

, 01.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Selmer Sportverein könnte im kommenden Jahr eine Finanzspritze über eine halbe Million Euro erhalten. Die ist auch dringend nötig, denn das Vereinsheim ist marode und muss dringend saniert werden. Dafür wird am Donnerstag, 1. Oktober, im Rat diskutiert. Eingebracht hat die CDU-Fraktion den Antrag.

Der Tennisclub Cappenberg ist ein alteingesessener Verein in dem Selmer Stadtteil. Und nachdem im vergangenen Jahr die Auflösung des MC Cappenberg beschlossene Sache wurde, ist der TC neben dem Fußballverein der einzige noch verbliebende Sportverein am Ort. Fußball und Tennis - wer vereinsgebunden andere Sportarten betreiben möchte, muss fahren.

Die glanzvollen Zeiten, als der TC Cappenberg prosperierte und über 400 Mitglieder hatte, sind lange vorbei. Prof. Dr. UIrich Breilmann, der seit zehn Jahren Vorsitzender ist, hat den TC Cappenberg gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen und engagierten Mitgliedern am Leben gehalten. „Ohne die 15 Leute, die so viel Herzblut reinstecken, würde es den Verein nicht mehr geben“, sagt Breilmann heute.

Das Logo des TC Cappenberg hängt an der Einfahrt am Brauereiknapp.

Das Logo des TC Cappenberg hängt an der Einfahrt am Brauereiknapp. © Sebastian Reith

Er kennt die alten Zeiten nur aus Erzählungen. Erlebt hat der Wirtschaftsprofessor der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen die Blütezeit des TC Cappenberg nie live. Auf gut 100 Mitglieder ist der Traditionsverein von 1968 inzwischen geschrumpft. Im Spielbetrieb sind seit Jahren kaum noch Mannschaften. Zwei durchaus erfolgreiche Hobbytruppen und eine ordentliche U15, die dem Verein viel Freude machen, schlagen auf. Breilmann gibt zu: „Der Verein hat ein demografisches Problem.“

TC Cappenberg soll gleich zweifach Landesmittel erhalten

Trotzdem engagiert er sich und tritt für den Verein ein. „Es ist einfach ein schönes Fleckchen auf der Erde“, sagt er. Die vom Grafen von Kanitz gepachtete Anlage mit sechs Tenniscourts liegt Am Brauereiknapp mit Hanglage. Zwei dieser Aschenplätze sind mit Eigenmitteln zu Ganzjahresplätzen umgebaut. Bei milden Temperaturen ist auch in den Wintermonaten Tennis hier möglich. „Da haben wir uns selber ein bisschen geholfen“, sagt Breilmann ein wenig stolz.

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Jetzt soll sich noch mehr tun, und das in gleich zweierlei Hinsicht: Der Rat der Stadt Selm wird, wenn alles nach Plan läuft, am Donnerstag zustimmen, dass der TC Cappenberg für die Sanierung der Tennisplätze mit Landesmitteln kalkulieren kann. Fast 60.000 Euro würden dann aus dem Projekt „Moderne Sportstätte 2022“ zur Verfügung stehen.

Die Anlage des TC Cappenberg - hier hofft der Verein auf die Sanierung des Gebäudes, in dem unten das Vereinsheim untergebracht ist.

Die Anlage des TC Cappenberg - hier hofft der Verein auf die Sanierung des Gebäudes, in dem unten das Vereinsheim untergebracht ist. © Patrick Fleckmann

Und noch ein weitaus größeres Projekt wird am Donnerstag Thema im Rat: Die CDU-Fraktion hatte einen Antrag gestellt, die Instandsetzung des Vereinsheims in die Prioritätenliste von Förderanträgen für das Programm „Investitionspakt Sportstätten“ aufzunehmen.

Immobilie gehört dem Grafen von Kanitz

„Das Vereinsheim des Tennisclub Cappenberg befindet sich in der ehemaligen Schloßklause am Brauereiknapp. Eigentümer der Immobilie ist Graf von Kanitz, der Tennisclub verfügt über einen langjährigen Mietvertrag. Die Immobilie ist stark sanierungsbedürftig, der Sanierungsaufwand wird derzeit durch einen vom Grafen Kanitz beauftragten Architekten berechnet. Die Kosten belaufen sich nach ersten Schätzungen auf ca. 500.000 Euro“, heißt es in dem Antrag.

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Graf von Kanitz sowie der Vorstand des Tennisvereines hätten ihre Bereitschaft zur Sanierung des Vereinsheimes mit Mitteln aus dem Förderprogramm signalisiert. Ulrich Breilmann hatte den Ball selbst ins Spiel gebracht. Er glaubt, dass eine Wiederbelebung des heruntergekommenen Hauses, in dem der Tennisverein seine Heimat hat, der Entwicklung des Dorfes Auftrieb geben kann.

Breilmann erhofft sich eine Wirkung für ganz Cappenberg

Die Tennisanlage wäre dann ein Zentrum einer größer gedachten Vision: Fahrradstation und Anbindung an das Fahrradnetz, eine Boule-Bahn und die Terrasse mit gutem Ausblick, auf der man auch mal einen Wein genießen könnte.

Die Tennisanlage des TC Cappenberg ist in die Jahre gekommen. Vor allem das Gebäude benötigt eine umfassende Sanierung.

Die Tennisanlage des TC Cappenberg ist in die Jahre gekommen. Vor allem das Gebäude benötigt eine umfassende Sanierung. © Sebastian Reith

Sogar die Möglichkeit für Open-Air-Konzerte biete das Gelände am Tennisheim, findet der Tennisvereinsvorsitzende. „Es wäre eine tolle Sache für Cappenberg, ein Lichtblick. Ich bin sicher, dass es eine gute Wirkung hätte. Aber es geht nur nach vorne, wenn die Immobilie saniert wird“, sagt Breilmann.

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Eine erste Enttäuschung muss er aber hinnehmen. Auf die Liste der Anträge, mit der sich die Stadt Selm um die Fördergelder beim Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW bis zum 16. Oktober bewirbt, wird der TC Cappenberg es nicht schaffen. Grund ist laut der Ersten Beigeordneten Sylvia Engemann, dass es der gräflichen Verwaltung nicht gelinge, die erforderliche Kostenberechnung beziffert.

Grundschul-Turnhalle in Bork soll vollständig saniert werden

Ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Sanierung der Grundschule-Turnhalle „Auf den Äckern“ (500.000 Euro) mit dem Austausch des alten Holzhallenbodens, der Erneuerung der Umkleiden, Toiletten und Duschen und Sanierung der Fenster und Hallenwände sowie die Sanierung der Heizungsanlage am Borker Sportplatz (80.000 Euro).

Die Turnhalle in Bork soll saniert werden. Direkt daneben liegen die Tennisplätze des Borker Tennisvereins.

Die Turnhalle in Bork soll saniert werden. Direkt daneben liegen die Tennisplätze des Borker Tennisvereins. © Patrick Fleckmann

Antragsberechtigt sind, wie das Ministerium mitteilte, zwar ausschließlich Gemeinden und Gemeindeverbände. Diese können die Mittel aber grundsätzlich zur Erfüllung des Zuwendungszwecks an Dritte weiterleiten. Förderfähig seien diejenigen Bestandteile einer Immobilie, die den Zielen des Aufrufs dienen. Nicht hierzu gehörende Bestandteile sind nicht zuwendungsfähig.

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