Der letzte Bezirksligist

Fußball

Zum Jahresende kann sich Issam Jaber zurücklehnen. In unserer Region ist er der einzige Trainer, der eine Mannschaft in der Fußball-Bezirksliga trainiert – und da läuft es gut. Bei den Kreisligisten ist es zum Teil anders.

Aus der Region

von Marvin K. Hoffmann

, 29.12.2017, 20:32 Uhr / Lesedauer: 3 min
Issam Jaber, Trainer des FC Nordkirchen in der Fußball-Bezirksliga, hat allen Grund zur Freude.

Issam Jaber, Trainer des FC Nordkirchen in der Fußball-Bezirksliga, hat allen Grund zur Freude. © Siek

Durch den Klassenerhalt in der Fußball-Bezirksliga ist der FC Nordkirchen in unserer Region der höchstklassige Verein. Der SuS Olfen stieg ab in die Kreisliga A, kann dafür aber mit einem direkten Wiederaufstieg rechnen. Vinnum, Selm und Cappenberg stehen ebenfalls solide da – ebenso wie der PSV Bork – der sich in diesem Jahr nach der gewonnenen Meisterschaft fast zum Bezirksligisten gemacht hätte. Und der SV Südkirchen ist mehr als nur angekommen in der B-Liga. Schlecht lief es hingegen für den SC Capelle. Oliver Ritz ging, Martin Ritz zog im Winter nach. Die Niederlagen blieben.

Der FC Nordkirchen spielt auch in diesem Jahr wieder in der Bezirksliga. Der Grund dafür unter anderen: Ein Kopfballtor von Emmanuel Peterson im Mai gegen den FC Overberge. FCN-Coach Issam Jaber hatte da schon längst Peter Wongrowitz beerbt. Eine gute Entscheidung, wie sich im Laufe des Jahres zeigen sollte. Unter Jaber haben die Schlosskicker in der aktuellen Saison von 15 Spielen nur drei verloren. Sechs Dreier und sechs Unentschieden vervollständigen die gute Leistung zu einem soliden siebten Platz.

Weniger gut läuft es beim Nachbarverein des SC Capelle. Nach vielen Abgängen – unter anderem von Leistungsträger Oliver Ritz – kamen in der neuen Saison weitere Probleme hinzu – das Resultat ist aktuell der letzte Platz in der Fußball-Kreisliga A. Die vorherige Saison beendete der SCC immerhin auf dem zwölften Platz. „Wenn einer umknickt, machst du nichts“, sagt Martin Ritz, der jetzt zum Winter auch noch seinen Rücktritt erklärte. Und recht hatte er mit seiner Aussage. Die Capeller waren personell so angeschlagen, dass gegen die Davaria aus Davensberg im Oktober sogar Ritz selbst und sein Co-Trainer Mario Wellmann in die Rolle eines Ersatzspielers wechselten.

Der SV Südkirchen hingegen hat in der B-Liga nichts mit dem Abstieg zu tun. Stephan Kriesinger kam als Unterstützung für Spielertrainer Jens Kalender, nach 14 Spieltagens stehen 19 Punkte auf dem Konto. Der Abstand nach unten ist groß, nach oben aber ebenfalls – Südkirchen ist im Mittelmaß zu Hause. Genau dort, wo der SVS die Saison 2016/17 beendet hatte.

Ein Stück weiter westlich sieht es dafür richtig gut aus für den Bezirksliga-Absteiger SuS Olfen. Die Stevertruppe hat zwar schon einige unnötige Punkte in der Kreisliga A liegengelassen – ein direkter Wiederaufstieg ist dennoch drin. Bitter: Der Rücktritt von Norbert Sander aus gesundheitlichen Gründen. Der Trost: In Michael Krajczy hat der SuS einen mehr als adäquaten Ersatz gefunden – er führte die Olfener bisher auf den dritten Platz mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Ersten Westfalia Osterwick.

Bei Westfalia Vinnum kann sich ebenfalls keiner beschweren. Der Vorstand scheint zufrieden zu sein – verlängerte er doch mit Trainer Frank Bidar vorzeitig um ein Jahr. Und auch Bidar fühlt sich scheinbar wohl bei der Westfalia, sagte unlängst: „Normalerweise bleibe ich immer nur für drei Jahre an einem Ort. Aber hier sind es dann schon vier.“ Die vergangene Saison schloss Vinnum auf dem sechsten Platz ab, mit 48 Punkten aus 33 Spielen – jetzt sind es schon 29 Punkte aus 16 Spielen.

Verlängern wollte eigentlich auch der PSV Bork mit Meistertrainer Ingo Grodowski – doch der kündigte überraschend seinen Rücktritt zum Saisonende an. Turbulente Wochen waren vorausgegangen. Erst der verpasste Aufstieg in der Relegation zur Bezirksliga, dann der Zusammenbruch des Meisterkaders. Erfreulich daran für Grodowski: Seine Söhne schafften den Sprung zu höherklassigen Vereinen. Joel zog es in die dritte englische Liga, Philipp unterschrieb einen Vertrag bei RW Ahlen in der Oberliga.

Während die Borker jetzt einen Trainer für die nächste Saison suchen müssen, hat die SG Selm ihren schon in diesem Jahr gefunden und mit Deniz Sahin ein glückliches Händchen bewiesen. Die Mannschaft wurde komplett umgestellt – dennoch ist der Saisonstart geglückt. Beendete Selm die Saison 2016/17 unter Mark Bördeling auf dem zehnten Platz mit 40 Punkten aus 30 Spielen, befindet sich die SG aktuell mit 23 Punkten aus 16 Spielen auf dem achten Platz.

Änderungen gab es auf dem Trainerposten bei GS Cappenberg nicht. Dafür trägt aber nun ein anderer Spieler die Kapitänsbinde. Benedikt Stiens, 22 Jahre alt, Cappenberger Eigengewächs. „Er ist eine Identifikationsfigur“, sagte GSC-Coach Patrick Osmolski damals. Ein weiterer Grund war die schwere Knieverletzung von Tobias Schwartz. „Wir brauchen einen mit Binde auf dem Platz“, sagte Osmolski. Sportlich gesehen hat sich nicht viel verändert bei GSC. Die abgelaufene Saison schlossen die Grün-Schwarzen aus Cappenberg auf dem siebten Platz mit 51 Punkten ab, zurzeit sind sie Vierter mit 27 Punkten.

Jenseits des Amateurfußballs:
  • Für die wohl größte Sensation sorgte Joel Grodowski vom Fußball-Kreisligisten PSV Bork in dieser Saison. Erst fiel der RN-Torschützenkönig bei Borussia Dortmund durch den Medizincheck – wenig später unterschrieb er dann aber einen Vertrag beim englischen Drittligisten Bradford City. Aus dem Kreisliga-Kicker wurde ein Profifußballer.
  • Patrick Fritsch, ebenfalls ein Borker, hatte, ähnlich wie Joel Grodowski, medizinische Rückschläge zu verkraften. Zwar spielte er bereits für den BVB in der Jugend-Bundesliga. Dort verletzte er sich jedoch so schwer, dass er erst im April diesen Jahres wieder erste Gehversuche mit dem Ball unternehmen konnte – zudem rückte er in die U23.
  • Richtig gut lief es für den Nordkirchener Amos Pieper. Beim Finale der Deutschen A-Junioren-Meisterschaft gegen FC Bayern München verwandelte er für Borussia Dortmund den entscheidenden Elfmeter – und das vor rund 33450 Zuschauern. Es war für ihn persönlich die dritte Deutsche Meisterschaft in Folge. Auch Pieper rückte danach in die U23.
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