Enduro-Fahrer Jens Althoff ist wieder zurück auf der Bahn

mlzMotorsport

Eigentlich wollte er nur ein Jahr Pause machen. Doch immer wieder gab es Komplikationen, sodass Jens Althoff erst in diesem Jahr wieder auf die Enduro steigt. Dabei hat er nur ein Ziel.

von Nico Ebmeier

Selm

, 21.02.2019, 10:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Es ist eine echt schlimme Zeit gewesen“, sagt Jens Althoff über die drei jährige Enduro-Abstinenz. Seit dem 7. November 2015, dem Saisonfinale des ADAC Rallye-Cup in Itterbeck, hat der Motorsportler kein Rennen mehr auf dem Geländemotorrad absolviert. 2019 greift er aber mit neuem Gefährt und viel Motivation wieder an.

Enduro-Motorräder zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar als Geländemotorräder betitelt werden, jedes von ihnen aber straßenzulässig ist. Die Fahrer sitzen meist aufrecht und fahren sogar stehend durch das Gelände. Im Gegensatz zum verwandten Motocross, sind die Enduros noch mehr auf „besonders harte Gelände“, wie Schlamm, Wasser oder extreme Steilheit, ausgelegt.

Jens Althoff tritt mit neuer Maschine an

„Ich wollte eigentlich nur ein Jahr Pause machen“, erzählt der etwas resignierte Althoff. „Wollte spätestens 2017 wieder voll angreifen. Doch dann hatte ich einen Dienstunfall und 2018 hatte meine alte Beta einen Motorschaden.“ Da sich der finanzielle Aufwand nicht gelohnt hätte, seine „alte Liebe“ wieder auf Rennniveau zu bringen, beschloss Althoff, sich eine schnellere Enduro zu kaufen und von nun an auch in einer schnelleren Klasse anzutreten.

Seine neue Beta unterscheidet sich vor allem in zwei Dingen von seinem ehemaligen Motorrad. „Der Hubraum ist noch einmal ein ganzes Stück größer und der Federweg ist nun 300 Millimeter lang“, beschreibt der 39-Jährige.

Wirklich heimisch wird sich Althoff trotz zehnjähriger Rennerfahrung im ADAC Rallye-Cup - zunächst zumindest - nicht fühlen. Nicht nur, dass er nun in einer neuen Klasse, nämlich in der Klasse E3B, startet, der Motorsportler misst sich auch mit völlig neuen Konkurrenten: „Alle meine alten Freunde sind noch in meiner alten Klasse unterwegs. Oder fahren mittlerweile schon bei den Senioren mit.“

Althoff selbst tritt auch nächstes Jahr in der Seniorenkonkurrenz an, wollte aber noch einmal das Erlebnis der jüngeren Konkurrenten erleben. Ziel ist es, entweder 2020 oder 2021 an der großen Bosnien-Rallye teilzunehmen, die ihn sieben Tage lang durch die ehemals jugoslawische Republik führen wird.

„Meine alten Kollegen haben mich für verrückt erklärt.“

Dennoch weiß der 39-Jährige auch um die Gefahren seiner Sportart, besonders mit seinem neuen und noch etwas unvertrauten Gefährt. „Meine alten Kollegen haben mich alle für verrückt erklärt“, sagt er etwas sarkastisch. Denn das Fahrverhalten ändere sich durch den größeren Hubraum komplett. Der Viertakter sei weniger agil und vor allem würden durch das höhere Tempo die Arme noch schneller länger werden, schmunzelt Althoff.

Allerdings steht in diesem Jahr nicht nur die Enduro-Rückkehr vor der Tür, die Althoff glücklich macht. Durch seinen Sport hat er Ende 2015 seine große Liebe gefunden, die er auch in diesem Jahr noch heiraten wird und mit ihr sogar schon ein Kind erwartet. „Sie ist auch Motorradfahrerin, also versteht sie meine Leidenschaft total. Angst, dass irgendetwas passiert, hat sie deshalb auch nicht“, so Althoff.

Allerdings muss sich die junge Familie erst noch an die ganzen Wettbewerbe gewöhnen. „Ich habe sie erst 2015 nach meinem letzten Rennen kennengelernt. Sie kennt diesen ganzen Zirkus noch nicht wirklich“, erklärt Jens Althoff.

Aber auch in der meisterschaftsfreien Zeit hat ihn und seine Verlobte das Geländemotorrad nie wirklich in Ruhe gelassen. „Ich habe als Reiseleiter in Schleswig-Holstein immer wieder Touren auf der Straße angeboten. Und außerdem war ich Leiter der Baltic Adventure Tours, die durch Litauen und Lettland gehen“, so der 39-Jährige.

Nicht Letzter werden ist das Ziel

Mit Blick auf den ADAC Rallye-Cup hat der Rückkehrer nur ein Ziel: „Ich möchte nicht Letzter werden. Das ist alles, was ich mir vornehme“, sagt er lachend. Generell sei die neue Rennklasse eher klein. Hatte Althoff früher 40 bis 50 Kontrahenten, wird er sich in der Konkurrenz nur mit etwa 20 anderen Ausdauersportlern messen.

Eins möchte Jens Althoff in dieser Zeit aber auf gar keinen Fall erleben: Schon viermal musste er seine Kollegen und Freunde nach Unfällen behandeln. „Ich bin zwar Rettungssanitäter, aber wenn deine Freunde dort am Streckenrand liegen und von langsam ertaubenden Gliedmaßen sprechen, möchtest du so etwas nicht noch einmal erleben.“

Am 9. und 10. März fährt Althoff dann wieder sein erstes Rennen und das - welche Ironie - in Itterbeck, wo 2015 alles aufgehört hatte.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt