Entlassener Deniz Sahin: „Ich war geschockt und musste es erstmal sacken lassen“

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Nach etwas mehr als drei Jahren hat die SG Selm Deniz Sahin entlassen. Kein Trainer war in den vergangenen Jahren länger für die erste Mannschaft tätig. Hier schildert er seine Sicht auf das Aus.

Selm

, 21.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Trainerwechsel bei der SG Selm hat überrascht - auch Deniz Sahin selbst. Der entlassene Coach selbst war in der Sache bislang noch nicht zu Wort gekommen. Nun sprach er über den Moment, in dem man ihn informierte, seine Enttäuschung und wie er mit der SG Selm auseinandergeht.

Deniz Sahin ist ein Trainer-Gentleman. Er hätte sich tierisch darüber aufregen können, dass die SG Selm ihn nach nur zwei Spieltagen entließ. Ausgerechnet den Trainer, der vor zwei Jahren den Karren nach dem Abstieg in die B-Klasse selbst wieder aus dem Dreck gezogen hatte. Enttäuschung merkte man Sahin im Gespräch an, aber ein schlechtes Wort verlor er nicht über seinen Ex-Arbeitgeber.

Deniz Sahin widerspricht der Führung der SG Selm

Nur einmal wurde er kritisch. Die Trainingsbeteiligung der Mannschaft, sagte Sahin, sei nicht, wie vom Verein behauptet, schlecht gewesen. „In der Vorbereitung waren immer 13 bis 18 Mann beim Training. Die Trainingsbeteiligung ist besser gewesen als in den Vorjahren. Dass Spieler im Urlaub oder krank sind, da kann ich nichts für“, wehrte sich Sahin.

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Der 43-Jährige analysierte am Freitag, drei Tage nach seiner telefonischen Entlassung am Dienstagmorgen, die Geschehnisse mit Ruhe in der Stimme - so wie Sahin sich auch nach Niederlagen immer kritischen Fragen höflich gestellt hatte. Pleiten nahm der Trainer sportlich-professionell. Genau so sein Aus. Der Rekordtrainer der SG - länger als 1172 Tage am Stück war noch kein Coach bei der ersten Mannschaft seit der Fusion im Jahr 2010 im Amt - kartete nicht nach.

Die Entlassung erwischte Deniz Sahin kalt

Keinen Hehl machte der 173-malige Regionalligaspieler allerdings daraus, dass er von der Entlassung überrascht war. „Ich war geschockt und musste es erstmal sacken lassen. Ich habe da so nicht mit gerechnet, das muss ich sagen“, so Sahin, den die Selmer 2017 vom FC Nordkirchen II geholt hatten. Am Dienstagabend verabschiedete er sich von der Mannschaft.

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Der Vorstand habe ihm mitgeteilt, dass der Verein gerne aufsteigen möchte. „Um die Ziele zu erreichen, bin ich nicht der Richtige gewesen. Das muss ich akzeptieren. Ich wünsche allen viel Erfolg und hoffe, dass es den gewünschten Effekt bringt“, sagte Sahin.

Ärgerliche Niederlage gegen Hiltrup II

Die Niederlage gegen Hiltrup II, Sahins letztes Spiel als Trainer vor einer Woche, hatte ihn geärgert. Die Mannschaft sei wie ausgewechselt gewesen. Mit der deutlichen Ansprache wollte er die Mannschaft wachrütteln. Sahin hatte nach dem Spiel ausgesprochen, dass die Mannschaft versagt hatte.

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Böses Blut? Nein. „Ich hatte eine schöne Zeit bei der SG Selm, mit Höhen und Tiefen. Wir hatten eine gute Truppe, menschlich bin ich mit allen klar gekommen“, erklärte er.

Ob er offen für neue Jobs ist? Sahin sagte jedenfalls nicht, dass er es nicht ist: „Ich bin gerade erst freigestellt worden und muss gucken, was man in Zukunft in Angriff nimmt. Noch ist es zu früh“, so Sahin freundlich. Wenn der Trainer-Gentleman irgendwann wieder im Amateurfußball auftaucht, wäre es keine Überraschung.

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