Fußballvereine sorgen sich, dass Jugendliche nach Corona nicht mehr wiederkommen

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Das bequeme Sofa wieder verlassen - oder mittlerweile einer anderen Freizeitbeschäftigung nachgehen: Fußballvereine befürchten, dass die Kinder nicht aus der Corona-Pause zurückkehren könnten und mit Sport aufhören.

Selm

, 15.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Thema beschäftigt sogar den DFB. „Wir sorgen uns, ob Kinder zurück in unsere Kontaktsportart finden“, sagte Vize-Präsident Rainer Koch vor Kurzem zur Angst vor einem Mitgliederverlust im Nachwuchsbereich. Die Sorge ist berechtigt, sagen viele Vereinsvertreter.

Fast drei Monate lange ruhte der Ball auch bei den Juniorenfußballern. Das Training mit der Mannschaft war verboten. Die Sportanlagen waren geschlossen. Organisierter Spielbetrieb? In weiter Ferne. Jugendliche mussten sich einen anderen Zeitvertreib suchen. Sofa, eSports oder ein anderes Hobby - die Verlockung ist groß. Das befürchtet nicht nur der DFB, sondern auch hiesige Jugendleiter tragen ein paar Sorgenfalten mit sich rum.

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„Die Furcht ist nicht von der Hand zu weisen“, sagt etwa Andreas Flechtner, Vizepräsident Junioren bei Grün-Schwarz Cappenberg. Das war einer der Gründe, warum die Cappenberger am 8. Juni auch wieder mit allen Jugendmannschaften in das Training eingestiegen ist, nachdem die Stadt die Plätze freigegeben hat. „Wir wollen Jugendlichen die Chance geben, wieder anzufangen, und natürlich dem vorbeugen, dass sie sich bei uns abmelden. Die Furcht ist latent da, aber akut ist sie bei GS Cappenberg noch nicht“, so Flechtner. An- und Abmeldungen halten sich demnach bei GSC noch die Waage. Nichts Ungewöhnliches.

Im Fokus: die nicht ganz überzeugten Jugendlichen

Auch der SuS Olfen, der 16 Mannschaften im Spielbetrieb hat, kann sich in die Sorge des DFB gut rein versetzen. „Ja, ich könnte mit vorstellen, dass Kinder fernbleiben“, sagt Vorstandsmitglied Christiane Klann. Sie glaubt, dass „Kinder, die vielleicht nicht hundertprozentig von Fußball überzeugt“ waren, jetzt eine andere Sportart für sich entdeckt haben könnten: „Vielleicht gehen einige jetzt lieber skaten und die Playsi ist auch nicht weit.“ Vor allem die Unentschlossenen, die Bankdrücker oder Unsicheren könnten jetzt festgestellt haben, dass es sich auch ohne Fußball ganz gut lebt.

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Rüdiger Willms, Geschäftsführer der JSG Nordkirchen/Südkirchen/Capelle, glaubt auch, dass sich Jugendliche umorientiert haben könnten. „Ich kann mir schon vorstellen, dass sich einige in den Wochen ohne Fußball ein neues Hobby gesucht haben, und jetzt sagen, dass sie keine Lust mehr auf Fußball haben“, sagte Willms. Er gibt den Tipp, dass der Verein die Bindung zum jugendlichen Mitglied nicht verlieren dürfe. Man müsse die Kinder „motivieren, dran zu bleiben.“

Keine ungewöhnlich hohen Abwanderungen

Von einer zu diesem Jahreszeitpunkt ungewöhnlich hohe Zahl an Abmeldungen berichtete keiner der Vereine. Auch Dietmar De Sacco, Geschäftsführer der Fußballer des PSV Bork, sagt: „Wir hatten in den letzten zwei bis drei Monaten keine Abmeldungen mit dem Hinweis, dass die Kinder keine Lust mehr auf den Sport hatten.“ Einen coronabedingten Mitgliederschwund stellt auch der PSV nicht fest.

Allerdings ist es für qualifizierte Aussagen wohl noch zu früh. Erst wenn die Fußballer wieder regelmäßig routiniert trainieren, wird sich zeigen, wie viele Kinder tatsächlich abgesprungen sind. Dramatisch könnten Abgänge vor allem für Teams sein, die personell dünn besetzt sind, was Mannschaftsabmeldungen zur Folge haben könnte. Niederschlagen sollte sich der Effekt dann auch in den Mitgliederstatistiken der Vereine und Verbände zum Jahreswechsel.

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