Handballchef Michael Scholten schwört Trainer Randolf Mertmann die Treue

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Michael Scholten kennt sich mit Abstiegskampf aus. Der Abteilungsleiter der Olfener Handballer erklärt im Interview, warum der Verein am Trainer des Schlusslichts weiter festhält.

Olfen

, 04.02.2019, 13:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der SuS Olfen steht auch nach dem 14. Spieltag mit dem Rücken zur Wand in der Handball-Kreisliga Industrie. Erst fünf Punkte hat Olfen gesammelt. Das Schlusslicht hat am Samstag gegen den Tabellenzweiten zum zweiten Mal hintereinander mit nur einem Tor Unterschied verloren. Woran liegt es, dass der SuS nicht unten rauskommt? Sportredakteur Sebastian Reith wollte das von Abteilungsleiter Michael Scholten (46) wissen.

Herr Scholten, Sie haben selbst mitgespielt am Samstag in Recklinghausen und waren nah dran. Welchen Eindruck haben Sie vom Zustand der Mannschaft?

Positiv. Die Jungs sind gut drauf. Die Stimmung ist sehr gut. Das Spiel gegen Recklinghausen war wirklich gut.

Wie bewerten Sie die Arbeit von Trainer Randolf Mertmann?

Der Grund, warum wir Randolf genommen haben, ist, dass er die Mannschaft sofort berührt hat. Er ist ein emotionaler Trainer, der sich nicht zu schade ist, Emotionen in der Stimme zu zeigen. Das braucht die Truppe. Sie muss merken, dass sie einen Trainer hat, der Bock auf die Sache hat. Und das bringt Randolf mit. Ich finde seine Arbeit sehr gut.

Handballchef Michael Scholten schwört Trainer Randolf Mertmann die Treue

Randolf Mertmann bei einer Auszeit. Michael Scholten mag, dass Mertmann sehr emotionale Ansprachen hält. © Sebastian Reith

Also steht er nicht zur Disposition?

Es gab noch vor Weihnachten eine Vorstandsentscheidung. Da haben wir genau das besprochen. Wir wollen mit ihm in die nächste Saison gehen, egal wie diese Saison ausgeht. Das habe ich auch mit ihm besprochen. Es muss allerdings dienstlich auch bei ihm passen. Ich gehe davon aus, dass wir kommende Saison mit ihm zusammenarbeiten.

Manchmal wäre aber ein neuer Impuls aber womöglich besser…

Randolf macht vieles richtig. Und deswegen wird er auch mit den Jungs wieder Punkte machen. Und sollten wir dieses doofe Gespenst nicht besiegen, dann werden wir halt in der Kreisklasse wieder angreifen. Die Truppe hat aber Bock auf den Sport und das sollte – das sagt unser Vereinsname SuS (Anm. d. red: Spiel und Sport) ja schon – ausmachen. Dann ist es egal, ob wir 1. Kreisklasse oder Kreisliga spielen. Ich würde auch lieber um den Aufstieg in die Bezirksliga reden, aber es ist eben andersherum. Selbst wenn wir unten nicht rauskommen, schadet es der Abteilung nicht.

Handballchef Michael Scholten schwört Trainer Randolf Mertmann die Treue

Michael Scholten © Weitzel

„Wir wollen mit ihm in die nächste Saison gehen, egal wie diese Saison ausgeht.“
Handballchef Michael Scholten über die geplante Verlängerung mit Trainer Randolf Mertmann

Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass der SuS Olfen die Klasse noch hält?

Die letzten beiden Spiele waren eine herausragende Steigerung. Beim Spiel am Samstag in Recklinghausen hat die Mannschaft miteinander gespielt und füreinander gekämpft. Wenn sie damit weitermacht, wird sie Punkte holen. Theoretisch können wir in der Liga jeden schlagen. So gewinnst du Spiele, die früher mal verloren geglaubt waren. Das sorgt dafür, dass wir schnell die Abstiegsplätze verlassen können, zumal ja eine Mannschaft schon zurückgezogen hat.

Die Mannschaft hatte jetzt zwei Mal sehr viel Pech.

In dem Moment, in dem du werfen willst, hast du nicht im Kopf, dass du unten drin bist. Der Wurf, den du machst, entscheidet im Zweifel darüber, ob du absteigst oder nicht – daran denkst du aber nicht direkt. Aber: Du hast die Last immer dabei. Und die sorgt dafür, dass du nicht so erfolgreich abschließt, wie du es sonst tust. Oder dass du in der Deckung mal einen halben Schritt langsamer bist, als du es wärst, wenn du oben mitspielst.

Was lief in den fünf Minuten vor der Halbzeit genau schief? Da hat Olfen plötzlich viele Gegentore kassiert.

Wir hatten eine Überzahl-Situation und gehen aus dieser Situation mit minus zwei Toren raus. Recklinghausen hat zwei Tore erzielt, wir keins. Dann ärgerst du dich darüber und kassierst weitere Tore, die du vorher 25 Minuten nicht gekriegt hast. Hinzu kam eine Zwei-Minuten-Strafe, zu der man sagen muss, dass es vorher die gleiche Szene gab – und da gab es nichts. Die Entscheidung war schon korrekt. Die zwei Minuten konnte man geben. Aber das sind Nuancen, auf die es manchmal ankommt. Und in Unterzahl kriegst du dann noch mal zwei Tore mehr, als du vorne wirfst. Genau das ist zum Ende der ersten Halbzeit passiert.

Wie hat Randolf Mertmann die Truppe wieder motiviert?

Randolf hat das richtig gut gemacht. Ich bin ja sonst nicht in der Kabine dabei, jetzt als Spieler natürlich schon. Er hat es geschafft, dass die Truppe total positiv aus der Halbzeit gekommen ist. Man sieht das daran, dass wir am Ende wieder rangekommen sind. Das war anders als bei den sonstigen Spielen. Normalerweise haben wir in dieser Phase zum Ende die Spiele immer verloren.

Handballchef Michael Scholten schwört Trainer Randolf Mertmann die Treue

Randolf Mertmann trainiert seit dem Sommer Olfens Handballer © Sebastian Reith

Sie waren in den vergangenen Saisons trotz Abstiegskampf immer sehr entspannt und optimistisch, dass die Mannschaft die Punkte noch einfährt. Haben Sie diesmal Angst?

Schön, dass es so gewirkt hat. (lacht) Die Ausgangssituation ist eine etwas schwierigere als letztes Jahr, weil wir durch den Systemwechsel und die Verletzung von Timo Lemberg nicht gut in die Saison gestartet sind. Deswegen sind wir auf dem letzten Platz und haben mehr zu kämpfen. Ich mache mir keine Sorgen darüber.

Die Zahl der Absteiger in die Kreisklassen hängt auch von der Zahl der Absteiger in den Kreis Industrie ab. Gucken Sie auch in die höhere Bezirksliga?

Im Moment gar nicht. Wenn wir Letzter sind, sind wir Letzter. Wir müssen erstmal gucken, wie wir nach oben kommen. Am Ende kann es dann sein, dass du noch ein Spiel auf Biegen oder Brechen holen musst.

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